Montag, 10. Juli 2017

UNESCO-Komitee erweitert Bauhaus-Welterbestätte

Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau und fünf Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau jetzt auch Welterbe

Das UNESCO-Welterbekomitee hat am 9. Juli 2017 im polnischen Krakau die Welterbestätte Bauhaus erweitert: Neben den 1996 aufgenommenen Bauten in Weimar und Dessau zählen nun auch die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau und fünf Laubenganghäuser (Peterholzstraße 40, 48, 56, Mittelbreite 6, 14) in Dessau-Roßlau dazu.

„Hannes Meyer“, so Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer, Leiterin der deutschen Delegation bei der Welterbekomiteesitzung, „hat als Meisterarchitekt und Lehrer die weltweite Wirkungsgeschichte des Bauhauses entscheidend mitgeprägt. Die Erweiterung der Welterbestätte ist konsequent und stärkt den außergewöhnlichen universellen Wert des Bauhauses“.

Laubenganghäuser von Hannes Meyer in Dessau-Törten, 1929 – 1930

Die fünf Laubenganghäuser mit insgesamt 90 Wohnungen wurden 1929 bis 1930 im Auftrag der Spar- und Baugenossenschaft Dessau durch die Bauabteilung des Bauhauses unter der Leitung von Hannes Meyer entworfen und gebaut. Die Laubengänge ermöglichen die Einsparung von Treppenhausfläche und schufen außerdem einen halböffentlichen Raum für die Bewohner. Mit rund 48 m² waren die Mietwohnungen klein, aber im Grundriss rationell angelegt.

Laubenganghäuser von Hannes Meyer in Dessau-Törten, 1929 – 1930

„Mit der Erweiterung der Welterbestätte bieten die Bauhaus-Stätten in Weimar, Dessau und Bernau einen repräsentativen Gesamtüberblick über die Wirkungszeit der Bauhausschule. Die Gebäudeserie ist Zeugnis einer radikalen Erneuerung in Architektur und Design. Sie macht den Übergang von Gropius‘ weißer Moderne zu einem streng funktionalen Baustil, der die Grundlage der Nachkriegsarchitektur legte, deutlich. Die Bauhausstätten gehören zu den Gründungsorten der klassischen Moderne und entfalten nach wie vor eine einzigartige weltweite Wirkung. Ich freue mich, dass durch die Erweiterung der Welterbestätte dieser bedeutsame Abschnitt der Architekturgeschichte noch bekannter wird“, betont Prof. Dr. Hartwig Lüdtke, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission.

Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau, Ansicht von Nordosten (Architekten: Hannes Meyer und Hans Wittwer, 1930), 2007. © Brenne Architekten

Die zur Welterbestätte hinzugefügten Objekte stehen für Pionierleistung in der Geschichte. So stehen die fünf Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau exemplarisch für die Entwicklung des Sozialwohnungsbaus in der Zwischenkriegszeit. Die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes war ein zentraler Baustein bei der Entwicklung fortschrittlicher Ausbildungsprogramme in Zusammenarbeit mit Arbeiterorganisationen.

Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau, Ansicht Bibliothek und Wohntrakt (Architekten: Hannes Meyer und Hans Wittwer, 1930), 2007. © Brenne Architekten

Die in Dessau und Weimar errichteten Bauten der Bauhäusler, allen voran die der beiden Bauhaus-Direktoren Walter Gropius und Hannes Meyer, begründeten einen Baustil, der die Architektur des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt hat. In Weimar nahm das Bauhaus 1919 seine Arbeit auf und veranstaltete 1923 seine erste Leistungsschau. Beispielhaft für die Weimarer Bauhaus-Architektur ist das „Haus am Horn“, das nach einem Entwurf von Georg Muche 1923 als Musterhaus realisiert wurde.

„Haus am Horn“, Musterbungalow von Georg Muche, 1923

In Dessau war die „Hochschule für Gestaltung“ ein Pilgerort für Vorreiter der Avantgarde. Walter Gropius, Gründer, Organisator und Propagandist der Einrichtung, entwarf das Gebäude, das 1926 eingeweiht wurde. Das Dessauer Bauhaus zählt zu den Inkunabeln der Moderne. Die „Meisterhäuser“ in Dessau sind eine herausragende Leistung des Bauhauses: kubische Gestaltung, ökonomische Raumaufteilung und -erschließung, vertikale und horizontale Fensterbänder, außen weiß, innen – teilweise nach den individuellen Vorgaben der „Meister“ – farbig. Die Einrichtung stammte aus den Werkstätten des Bauhauses. Sie waren zugleich Künstlerhäuser und Musterbauten.

Bauhausgebäude von Walter Gropius, 1925 – 1926

Zur Welterbestätte „Bauhaus mit seinen Stätten in Weimar, Dessau und Bernau“ zählen nun das Bauhausgebäude und die sieben Meisterhäuser in Dessau; die ehemalige Kunstschule, die ehemalige Kunstgewerbeschule und das Haus am Horn in Weimar, die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau bei Berlin und die fünf Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau.

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