Dienstag, 11. Juli 2017

Ankündigung: 60 Jahre Gandersheimer Domfestspiele

Erste Pläne für das „Jubiläumsjahr“ 2018

Unter dem durchaus provokanten Motto „Läuft bei uns“ starten die Gandersheimer Domfestspiele 2018 in ihre 60. Spielzeit, welche vom 10. Juni bis zum 5. August 2018 stattfinden soll. Seit 60 Jahren läuft der Betrieb, hat viele Höhen und Tiefen durchlebt, einige Intendanten und damit unterschiedliche künstlerische Profile gesehen.

„Läuft es denn wirklich bei uns?“, fragt Intendant Achim Lenz und führt an, dass es für Theaterbetriebe wie die Gandersheimer Domfestspiele zunehmend schwerer werde, im „eventgesteuerten privaten Kulturbetrieb“ zu bestehen. Langfristige Förderung sei unbedingt nötig, um die Festspiele – die auch ein starker Wirtschaftsfaktor in einer sturkturschwachen Region sind – am Leben zu halten. „Mit dem Motto will ich bewusst provozieren und klarstellen, dass sich ein Theaterbetrieb nicht von allein am Laufen hält“, sagt Achim Lenz, der jetzt neben dem Spielzeitmotto auch die vier Hauptproduktionen „Jedermann“, „Fame“, „The Addams Family“ und „Peter Pan“ für das Jubiläumsjahr der Öffentlichkeit vorgestellt hat.


„The Addams Family“

„The Addams Family“ – nach den Cartoons von Charles Addams; Musik, Liedtexte: Andrew Lippa; Buch: Marshall Brickman, Rick Elice; Deutsche Bearbeitung: Anja Hauptmann; Inszenierung: N. N.; Choreografie: N. N.; Bühne: N. N.; Kostüm Design: N. N.; Dramaturgie: N. N.; Musikalische Leitung: N. N. Darsteller: N. N. (Gomez Addams), N. N. (Morticia Addams), N. N. (Onkel Fester), N. N. (Großmutter Addams), N. N. (Wednesday Addams), N. N. (Pugsley Addams), N. N. (Lurch), N. N. (Lucas Beineke), N. N. (Mal Beineke), N. N. (Alice Beineke), u. a. Uraufführung: 8. April 2010, Lunt-Fontanne Theatre, New York City. Deutsche Erstaufführung: 22. August 2014, Zeltpalast Merzig. Premiere: 2018, Gandersheimer Domfestspiele, Bad Gandersheim.

Intendant Achim Lenz, bekannt für total verrückte und temporeiche Inszenierungen, bringt in der Jubiläumsspielzeit wohl eine der skurrilsten Familien Amerikas auf die Festspielbühne: „The Addams Family“ erschien als Cartoon erstmals 1938 im „The New Yorker“-Magazin und erfreut sich seitdem weltweit großer Beliebtheit. 1938 hatten die Figuren allerdings noch keine Namen, diese bekamen sie erst in der ab 18. September 1964 bis 2. September 1966 von ABC-TV ausgestrahlten Fernsehserie „The Addams Family“. Die morbiden – den Verwandten des Erfinders frei nachempfundenen Figuren – waren schon in Comics, Filmen und im Fernsehen ein großer Erfolg. Marshall Brickman und Rick Elice schrieben schließlich das Buch für das Musical, und Andrew Lippa Musik und Liedtexte. Bereits im August 2008 gab es einen Workshop mit Bebe Neuwirth als Morticia Addams und Nathan Lane als Gomez Addams. Nach Tryouts im Ford Center for the Performing Arts in Chicago feierte das Musical am 8. April 2010 am Lunt-Fontanne Theatre am Broadway seine Uraufführung. Trotz der größtenteils negativ rezensierten Broadway-Produktion, Ben Brantley hat sie in der New York Times als „tepid goulash of vaudeville song-and-dance routines, Borscht Belt jokes, stingless sitcom zingers and homey romantic plotlines“ beschrieben, wobei die Darsteller und insbesondere Nathan Lane durch die Bank für ihre Leistung gelobt wurden, waren die Vorstellungen am Broadway ständig ausverkauft, zumindest solange Nathan Lane mit an Bord war. Nun ist Familie Addams durch TV-Serien und Spielfilmadaptionen ein äußerst beliebter Bestandteil der amerikanischen Popkultur, aber Bad Gandersheim liegt im Landkreis Northeim in Niedersachsen und nicht in den USA, und so haben sich die Gandersheimer Domfestspiele in ihrer 60. Spielzeit der Herausforderung gestellt, dem Zuschauer mit einem eher mittelmäßigen Stück – das mag jeder für sich gern anders beurteilen – einen kurzweiligen, vergnüglichen Abend zu bereiten, das einen ziemlich unkonventionellen Blick auf die Frage „Was ist eigentlich normal?“ wirft.


„Fame – Das Musical“

„Fame – Das Musical“ – nach dem Film „Fame“ von Alan Parker (1980); Musik: Steve Margoshes; Liedtexte: Jacques Levy; Buch: José Fernandez; Inszenierung: N. N.; Choreografie: N. N.; Ausstattung: N. N.; Dramaturgie: N. N.; Musikalische Leitung: N. N. Darsteller: N. N. (Schlomo Metzenbaum), N. N. (Carmen Diaz), N. N. (José ‚Joe’ Vegas), N. N. (Tyrone Jackson), N. N. (Nick Piazza), N. N. (Serena Katz), N. N. (Jack Zakowski), N. N. (Mabel Washington), N. N. (Iris Kelly), N. N. (Grace ‚Lambchops’ Lamb), N. N. (Goodman ‚Goody’ King), N. N. (Miss Esther Sherman), N. N. (Ms. Greta Bell), N. N. (Mr. Myers), N. N. (Mr. Sheinkopf). Uraufführung: 21. Oktober 1988, Coconut Grove Playhouse, Miami, Florida. Deutsche Erstaufführung: 1. März 1997, Schiller-Theater, Berlin. Premiere: 2018, Gandersheimer Domfestspiele, Bad Gandersheim.

In der Spielzeit 2017 ist den Gandersheimer Domfestspielen mit „Saturday Night Fever“ äußerst erfolgreich der Schritt in die Welt der Tanzmusicals gelungen. An diesen Erfolg wollen die Theatermacher im Jubiläumsjahr mit „Fame – Das Musical“ anknüpfen: Das Musical nach dem gleichnamigen Film von Alan Parker (1980) erzählt den großen Traum von Glanz, Glück und Ruhm. Im Mittelpunkt des turbulenten Geschehens stehen die Schüler der New Yorker „High School of Performing Arts“ mit ihren Triumphen, Niederlagen, großen Karriereträumen und bitteren Enttäuschungen. Mit Humor und Zuversicht wird vom beschwerlichen Weg in das amerikanische Entertainment erzählt, ohne die Probleme junger Menschen von Heute auszusparen. Neben soften Musicalklängen begleiten fetzige Rhythmen aus Techno, Rap und Jazz die tempogeladene Show. Neben dem Titelsong „There She Goes/Fame!“ werden auch bekannte Hits wie „Dancin’ On The Sidewalk“ und „Hard Work“ (hoffentlich im englischen Original) erklingen. Musikalisch ist der von Michael Gore komponierte, mitreißende Titelsong leider das einzige Relikt aus dem Soundtrack des Films.

Damit nun keiner auf die Idee kommt, auf der Stelle Tickets bestellen zu wollen: Der Kartenvorverkauf für die 60. Gandersheimer Domfestspiele soll am 3. November 2017 beginnen.

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