Dienstag, 20. Juni 2017

Lutherstadt Wittenberg

500 Jahre Reformation – doch der „Ablasshandel“ treibt seltsame Blüten

Schlosskirche

Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther (* 10. November 1483 in Eisleben, † 18. Februar 1546 in Eisleben) seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Natürlich nicht an der zum 375. Geburtstag Martin Luthers am 10. November 1858 vom Preußischen König Friedrich Wilhelm IV. gestifteten, in Bronze gegossenen „Thesentür“, sondern an einer Holztür, die als „Schwarzes Brett“ der Universität fungierte und 1760 verbrannte. Jedenfalls gilt der Tag bis heute als der Beginn der Reformation. Die Luthergedenkstätten in Eisleben (Luthers Geburts- und Sterbehaus) und Wittenberg (Schlosskirche, Melanchtonhaus, Lutherhaus und Evangelische Stadtkirche St. Marien) wurden im Dezember 1996 als Kulturerbe der Menschheit anerkannt, da sie „als authentische Schauplätze der Reformation von außergewöhnlicher universeller Bedeutung sind.“ Das Label UNESCO-Welterbe scheint bei einigen Leuten allerdings das unstillbare Verlangen auszulösen, Besucher als Weihnachtsgänse zu betrachten, die man unter allen Umständen ausnehmen muss. Besonders unangenehm ist mir in dem Zusammenhang die Evangelische Stadtkirchengemeinde Wittenberg aufgefallen, doch dazu später mehr.

Schlosskirche, Thesentür

Die Reihenfolge der hier gezeigten Fotos folgt einem von der Tourist-Information empfohlenen Stadtrundgang, der auch vor Ort gut beschildert und leicht zu verfolgen ist. Da braucht man glücklicherweise kein Smartphone mit GPS, sondern läuft einfach immer der Nase oder der breiten Masse nach.

Schlosskirche, Thesentür

Recht häufig trifft man an der Schlosskirche vor der Thesentür Besucher an, die ungläubig nachfragen, ob Martin Luther tatsächlich an dieser Stelle seine Thesen angeschlagen habe.

Schlosskirche, Thesentür

Das Tympanon zeigt ein Kruzifix zwischen Martin Luther mit der deutschen Bibel und Philip Melanchthon mit der Augsburger Konfession vor dem Hintergrund Wittenbergs als enkaustische Malerei in Lava von August von Kloeber von 1851.

Schlosskirche, Thesentür

Die Bronetür enthält den Text der 95 Thesen.

Schlosskirche, Lutherrose

Schlosskirche, Grabmal Martin Luthers unter der Kanzel

Martin Luthers Leichnam wurde auf Befehl von Kurfürst Friedrich III. von Eisleben nach Wittenberg überführt und am 22. Februar 1546 in der Schlosskirche beigesetzt.

Schlosskirche, Bronzeepitaph für Martin Luther, Abguss von 1872, das Original befinddet sich in der Michaeliskirche in Jena

Schlosskirche

Sandmännchen im Haus der Geschichte

Schlossstraße

Cranach-Hof Schlossstraße 1

Cranach-Hof Schlossstraße 1, Denkmal Lucas Cranachs d. Ä. von Frijo Müller-Belecke

Markt mit Altem Rathaus und Evangelischer Stadtkirche St. Marien

Markt, Lutherdenkmal von Johann Gottfried Schadow

Markt, Denkmal Philipp Melanchthons von Friedrich Drake

Alte Universität Leucorea

Die Alma Mater Leucorea wurde am 18. Oktober 1502 als erste Universität nach der Leipziger Teilung auf dem ernestinischen Kurfürstentum Sachsen eröffnet. Napoleon Bonaparte ließ die Universität Wittenberg zum 5. Dezember 1814 schließen. Das Fridericianum wurde zur Kaserne umgebaut und in seiner späteren Entwicklung als Wohnraum genutzt.

Alte Universität Leucorea

Alte Universität Leucorea

Melanchthonhaus

Lutherhaus

Katharina von Bora, Bronzeplastik von Nina Koch, 1999

Lutherhaus

Lutherhaus, Katharinenportal

Lutherhaus, der aus Feldsteinen errichtete Wehrturm mit einem Brunnen im Inneren stammt wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert

Lutherhaus, das Untergeschoss des Bauwerks besteht aus zwei überwölbten Räumen. Im kleineren westlichen Raum befindet sich auf der Südseite eine Nische mit Latrinenschacht.

Augusteum

Augusteum

Augusteum

Grafitto

Colleg Wittenberg

Bugenhagenhaus

Evangelische Stadtkirche St. Marien

Die Stadtkirche war ein Hauptschauplatz des Reformationsgeschehens. Hier hielt Martin Luther seine berühmten Predigten und führte die neuen Gottesdienstformen ein. Die Kirche beherbergt den von Lucas Cranach d. Ä. und seinem Sohn Lucas Cranach d. J. gemalten „Reformations-Altar“, der Scharen von fernöstlichen Besuchern mit ihren an Selfie-Sticks befestigten Smartphones geradezu magisch anzuziehen scheint. Nun verlangt die Evangelische Stadtkirchengemeinde für eine Fotoerlaubnis Geld, das womöglich von den wenigsten Besuchern bezahlt wird. Obendrein möchte man für die Veröffentlichung von Fotos „Reproduktionsgestattungsgebühren“ eintreiben, und das gar nicht wenig. Ob die Herrschaften bei der Evangelischen Stadtkirchengemeinde schon darüber nachgedacht haben, dass Smartphones unter Umständen so konfiguriert sind, dass sie die aufgenommenen Fotos unmittelbar im Anschluss im Netz veröffentlichen? Jedenfalls gibt es von mir keine Geld, weder für eine Fotoerlaubnis noch als „Reproduktionsgestattungsgebühren“, sondern lediglich ein fettes Dislike!

Evangelische Stadtkirche St. Marien

Evangelische Stadtkirche St. Marien

Neues Rathaus (ehemalige Tauentzien-Kaserne)

Exerzierhalle

Der von der Tourist-Information emphohlene Wallanlagenrundweg führt gleichzeitig zu den Ausstellungsräumen der vom 20. Mai bis 10. September 2017 in Lutherstadt Wittenberg stattfindenden Open-Air Ausstellung „Weltausstellung Reformation“.

Luthereiche

Brunnen an der Luthereiche

„Weltausstellung Reformation“, „Perspektivwechsel“, ein als riesiges Buch gestalteter Aussichtsturm

„Weltausstellung Reformation“, „Boote auf dem Schwanenteich“

„Weltausstellung Reformation“, LichtKirche, die mobile Kirche der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

Wallstraße

„Platte“ in der Schillerstraße 32 – 43 („Künstlerhäuser“ der WBG-Wittenberg)

Auf dem Weg zur Hundertwasserschule befindet man sich mitten in einer Plattenbau-Siedlung. Inzwischen scheint man aber auch hier dahinter gekommen zu sein, dass sich solche Gebäude auch optisch mit ein wenig Farbe ansprechender gestalten lassen.

„Platte“ in der Schillerstraße 32 – 43, „Reformationsgarten“

Schillerstraße, Grafitto

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