Sonntag, 25. Juni 2017

ExtraSchicht 2017 – Die Nacht der Industriekultur

„235.000 Besucher reisten in der vergangenen Nacht durch die Metropole Ruhr und erlebten in 21 Städten und an 46 Spielorten die 17. ExtraSchicht“, ist in der Pressemitteilung der Ruhr Tourismus GmbH vom 25. Juni 2017 zu lesen. Nimmt man als Bemessungsgrundlage die Metropole Ruhr („Die Stadt der Städte“) mit 53 Innenstädten und mehr als 5 Millionen Einwohnern, so fühlen sich also weniger als 5 Prozent der „Ruhris“ von der Veranstaltung „vor der Haustür“ angesprochen. Alles eine Frage des Standpunktes. „2.000 Künstler präsentierten den Gästen ein unterhaltsames Programm und zeigten ihr kreatives Schaffen einem gutgelaunten Publikum.“ Meine Laune war bereits gegen 20.30 Uhr auf dem Tiefpunkt angekommen, aber bekanntlich ist nichts so schlimm, dass es nicht noch schlimmer kommen könnte… Trotz des wechselhaften Wetters sollen sich viele Besucher versammelt und gemeinsam die Feuer-, Licht- und Lasershows und die Höhenfeuerwerke angeschaut haben. Auch diesen Punkt habe ich ein wenig anders empfunden: In Essen und Moers hat es ab 20 Uhr beinahe ständig geregnet, zumindest genieselt, so dass Gummistiefel und Ostfriesennerz die angemessene Bekleidung für diese Nacht gewesen wären… Ich persönlich mag Fotos mit weiß-blauem Himmel, gern auch mit „stahlblauem“ Himmel, nachts mit sternenklarem Himmel, ein bedeckter, grauer Himmel ist mir ein Graus, und Unterwasserkameras sind IMHO für den Einsatz unter Wasser – daher die Bezeichnung – gedacht, und nicht für den Besuch der ExtraSchicht…


UNESCO-Welterbe Zollverein

Installation von ILLUMINIST im Ehrenhof

Das UNESCO-Welterbe Zollverein ist ein ExtraSchicht-Spielort, an dem es einem sehr leicht passieren kann, dass man einfach „hängen bleibt“. Die Zeche und die Kokerei Zollverein sollten sich im Jahr der Grünen Hauptstadt Europas unter dem Motto „ExtraGrün“ in eine zauberhafte Welt voller Licht, Musik, ungewöhnlicher Ideen und traumhafter Gestalten verwandeln. Mir kam Zollverein an diesem Abend allerdings eher extra grau vor, angefangen vom grauen Himmel, okay, der hätte im besten Fall blau aussehen können und eben nicht grün, nicht einmal das Fördergerüst von Schacht XII war zu fortgeschrittener Stunde grün illuminiert, bis hin zu der Tatsache, dass sich kein Mensch an die angegebene Veranstaltungszeit bis 2 Uhr hält und stattdessen einzelne Stände bereits um 1 Uhr komplett abgebaut sind. Natürlich erfolgen die Angaben im Programmheft vorbehaltlich kurzfristiger Änderungen, aber warum gibt man dann nicht gleich im Programmheft an, Feierabend zu machen, wann es einem gefällt? Dann kann man sich nämlich als Besucher darauf einstellen. Dieser Punkt ist mir bereits im vergangenen Jahr auf der Schachtanlage 3/4/7 der Zeche Schlägel & Eisen unangenehm aufgefallen, und offensichtlich tritt er unabhängig vom Spielort jedes Jahr wieder in Erscheinung. Okay, der Laserstrahl, der von der Firmenzentrale der RAG Montan Immobilien zum Förderturm von Schacht 2 strahlte (Entfernung etwa 1.080 Meter), war offensichtlich grün, aber das hat die von angeregten Argon-Ionen emittierte Wellenlänge von 514,5 nm nun einmal so an sich. Es gab ja bei der Laserinstallation auch noch andere Farben zu sehen. Der Slogan „Viel Wirkung mit wenig Energie“ greift allerdings nicht, denn zum einem besitzt kontinuierliche Strahlung keine Energie, sondern Leistung, und zum anderen ist zur Erzeugung von 25 W kontinuierlicher Laserausgangsleistung mit Edelgas-Ionen-Lasern eine elektrische Leistung von einigen zig kW erforderlich.

Handbetriebenes Nostalgiekarussel mit Kaspar & Gaya und den Bardomaniacs

Handbetriebenes Nostalgiekarussel mit Kaspar & Gaya und den Bardomaniacs

Alpcologne

European Sign Spinning Championship

Kwaggawerk Kunstorchester

Alpcologne

Studierende im Studiengang Musical an der Folkwang Universität der Künste: Aline Bucher, Lina Gerlitz, Esther Conter, Jessica Trocha, Marvin Schütt, Florian Minnerop, Tomas Stitilis und Pascal Cremer

Auf der Bühne der Folkwang Agentur brachten die Studierenden des Studiengangs Musical neben anderen Auftritten ein „mitreißendes Programm mit bekannten und beliebten Musical-Songs“ zu Gehör, dazu zählten „Cabaret“, „Heut nacht um acht“, „Hopelessly devoted to you“, „Tonight“, „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ (aus „Goethe! Auf Liebe und Tod“), „One perfect moment“ oder „Wer viel wagt, der gewinnt“, aber auch andere Lieder wie beispielsweise „Ich bin verrückt nach total verrückten Männern“ von Gerhard Bronner.

„Elemente im Wandel“ – Gebäudeillumination bei der RAG Montan Immobilien

„Elemente im Wandel“ – Gebäudeillumination bei der RAG Montan Immobilien

„Viel Wirkung mit wenig Energie“ – Laserinstallation

„Viel Wirkung mit wenig Energie“ – Laserinstallation

Ehrlicherweise muss man gestehen, dass die Wetterbedingungen für die Lasershow natürlich ideal waren: In völlig trockener und staubfreier Luft wären die Laserstrahlen gar nicht sichtbar, hohe Luftfeuchtigkeit und kleinste Tröpfchen begünstigen die Streuung der Laserstrahlung und machen diese erst sichtbar.

„Viel Wirkung mit wenig Energie“ – Laserinstallation

Installation von ILLUMINIST im Ehrenhof


Maschinenhalle Pattberg in Moers-Repelen

„Mit Einbruch der Dunkelheit leuchtet auf der Maschinenhalle der revolutionäre Aufruf des hessischen Landboten von 1834: Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ (Programmheft ExtraSchicht 2017) Hätte geleuchtet, wenn es nicht geregnet hätte. Hätte man der Maschinenhalle Pattberg nicht zumindest von außen ein paar LED-Strahler spendieren können, wie dies regelmäßig bei der ExtraSchicht auf der Zeche Hannover der Fall ist? Hätte, hätte, Fahrradkette…

Laserinstallation im Umformerraum

Laserinstallation im Umformerraum

Laserinstallation im Umformerraum

Doppelbrückenkran

Kurioses am Rande: Gegen 23 Uhr, also passend zum Höhenfeuerwerk im Landschaftspark Duisburg-Nord, befuhr ich die Bundesautobahn 42 Richtung Osten, als Fahrzeuge vor mir im Baustellenbereich bremsten und auf der Autobahn anhielten, um das Feuerwerk zu beobachten. Das mag vielleicht für die Attraktivität des Feuerwerks sprechen, gefährdet aber den nachfolgenden Verkehr und sollte konsequent bestraft werden!

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