Donnerstag, 10. August 2017

Halbzeit bei den Skulptur Projekten Münster 2017

Besucherzahlen

Die fünften Skulptur Projekte Münster wurden am 10. Juni 2017 eröffnet. Bereits am Eröffnungswochenende waren rund 1.000 internationale akkreditierte Journalist_innen und etwa 10.000 Besucher_innen in Münster, um die 35 neuen Kunstwerke zu sehen. Als Ausstellung im öffentlichen Raum erheben die Skulptur Projekte keinen Eintritt, somit entfällt die Anzahl von Ticketverkäufen als Bezugsgröße. Zählungen an den einzelnen Standorten lassen aber dennoch eine Hochrechnung zu – nach neun Wochen Laufzeit verzeichnen die Skulptur Projekte rund 350.000 Besucher_innen. Dabei variieren die an den einzelnen Projektstandorten gemessenen Besucherzahlen je nach Lage, Zugänglichkeit, Popularität und sinnlicher Erfahrbarkeit. Der Steg von Ayşe Erkmen, der Brunnen von Nicole Eisenman sowie die Werke rund um das LWL-Museum für Kunst und Kultur sind am stärksten frequentiert.

Ayşe Erkmen (* 1949 in Istanbul, lebt und arbeitet in Berlin und Istanbul), On Water (auf dem Wasser), Stadthafen 1

Kunstvermittlung

Die ausstellungsbegleitenden Angebote der Kunstvermittlung wurden von bisher rund 23.700 Besucher_innen in Anspruch genommen. Insgesamt 4.446 Besucher_innen nahmen an den 296 öffentlichen Touren in elf verschiedenen Sprachen, darunter Deutsche Gebärdensprache, Leichte Sprache und Deutsch mit multisensorischer Ausrichtung teil. Im Rahmen einer individuell gebuchten Tour haben mehr als 1.000 Gruppen die Ausstellung erkundet.

Cosima von Bonin (* 1962 in Mombasa, lebt und arbeitet in Köln) und Tom Burr (* 1963 in New Haven, lebt und arbeitet in New York), Benz Bonin Burr, Vorplatz des LWL-Museums für Kunst und Kultur

Neben der dialogischen Begegnung mit der Kunst in einer Tour haben zahlreiche Besucher_innen die Gelegenheit genutzt, im Rahmen von Workshops selbst aktiv zu werden. Das jeden Mittwoch stattfindende Trafo Lab für Erwachsene ist stets gut besucht – zuletzt lud der Künstler Aram Bartholl im Workshop „Killyourphone“ zum Fertigen signalblockierender Handytaschen ein.

Alexandra Pirici (* 1982 in Bukarest, lebt und arbeitet in Bukarest), Leaking Territories (Undichte Territorien), Friedenssaal im Historischen Rathaus Münster

Die kostenlosen Workshops für Schulen haben bisher 194 Gruppen genutzt. Es sind noch zahlreiche Termine im neuen Schuljahr zu vergeben. Das kostenlose Ferienprogramm lädt Kinder von Montag bis Samstag jeweils von 10 bis 13 Uhr und Jugendliche von Montag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr in die Trafostation ein. Die Anmeldung für alle Angebote läuft über den Buchungsservice (+49 251 2031 8200) oder den Webshop (shop.skulptur-projekte.de).

Kunstvermittlungsmedien bieten weitere Zugänge zur Ausstellung: Über die App der Skulptur Projekte und auf mitunseremblick.wordpress.com zeigen Jugendliche ihre Perspektiven auf die Skulptur Projekte. Die alternativen Stadtpläne, die im Projekt MAPPING SKULPTUR PROJEKTE entstanden sind, sind im Infopoint am LWL-Museum für Kunst und Kultur gebührenfrei erhältlich.

THE HOT WIRE

Die Kooperation mit dem Skulpturenmuseum Glaskasten Marl unter dem Titel THE HOT WIRE zieht eine positive Halbzeit-Bilanz: Mit mehr als doppelt so vielen Besucher_innen wie üblich in Marl ist die Kooperation mit den Skulptur Projekten Münster sehr erfolgreich und wird damit auch nachhaltig in Stadt und Region wirksam sein.

Thomas Schütte (* 1954 in Oldenburg, lebt und arbeitet in Düsseldorf), Melonensäule, 2017, Eduard-Weitsch-Weg

Aktuell steht – neben den Skulpturen im Außenraum – die Ausstellung Mock-up im Vordergrund, die sich aus kleinformatigen Modellen aus Münsteraner und Marler Sammlungsbeständen zusammensetzt. Die Wiederaufführung der Reiter-Performance von Reiner Ruthenbeck, die er 1997 für die Skulptur Projekte entwickelte, findet weiterhin sonntags zwischen 11.30 und 13.30 Uhr statt. Jeden Sonntag wird um 11.30 Uhr eine öffentliche und kostenlose Führung angeboten. Der kostenlose Bus-Shuttle zwischen Münster und Marl, der jeden Sonntag um 10 Uhr in Münster startet und um 14 Uhr aus Marl zurückfährt, wird sehr gut angenommen.

Richard Artschwager (* 1923 in Washington, D. C., † 2013 in Albany, New York), Modell zu Ohne Titel [Fahrradständermonument B], 1987, Skulptur Projekte Archiv, LWL-Museum für Kunst und Kulter

Kunst im öffentlichen Raum

Kunst im öffentlichen Raum ist den Reaktionen der Besucher_innen viel direkter ausgesetzt als Kunst, die im Schutzraum Museum präsentiert wird. Seit der ersten Ausgabe der Skulptur Projekte gab es immer wieder Übergriffe auf die Werke. So versuchte zum Beispiel 1977 eine Gruppe von Menschen die Giant Pool Balls von Claes Oldenburg in den Aasee zu rollen, 1987 wurde die Madonna von Katharina Fritsch mehrmals beschädigt und sogar gestohlen; allerdings auch mit niedergelegten Blumenkränzen geehrt. 1997 verschwand wenige Wochen nach der Eröffnung die Arbeit von Ian Hamilton Finlay und tauchte erst fünf Jahre später wieder auf; heute hängt sie wieder an ihrem angestammten Platz. 2007 wurde der Caravan von Michael Asher gestohlen und nach zwei Tagen in einem Waldstück wiedergefunden, ebenso wurden die Lautsprecher beim Projekt von Susan Philipsz mehrfach entwendet.

Claes Oldenburg (* 1929 in Stockholm), Giant Pool Balls, Skulptur Projekte Münster 1977, Aaseeterassen am nördlichen Ufer des Aasees

Die Vorfälle, die sich bei den Skulptur Projekten 2017 in den vergangenen Wochen ereignet haben, sind unterschiedlich motiviert: bei dem Diebstahl eines LED-Bildes von Ei Arakawa handelte es sich vermutlich um einen Kunstraub, die Beschädigungen an den Gipsfiguren von Nicole Eisenman können als Fälle von Vandalismus verstanden werden und beim Projekt von Koki Tanaka wurde gezielt das technische Equipment entwendet. Im Vergleich zu 2007 ist bislang keine Zunahme von mutwilliger Zerstörung oder Einbruch zu vermelden.

Nicole Eisenmann (* 1965 in Verdun, lebt und arbeitet in New York), Sketch for a Fountain (Skizze für einen Brunnen), Wiese neben der Promenade

Zweite Auflage des Ausstellungskatalogs

In dieser Woche wird die zweite, überarbeitete Ausgabe des Ausstellungskatalogs, der bei Spector Books erscheint, in Münster angeliefert. Somit wurden in der ersten Hälfte der Laufzeit ca. 30.000 Exemplare des erschwinglichen Handbuchs (Museumsausgabe 15 €, Buchhandel 18 €) verkauft. Angelegt als Hybrid aus Kurzführer und Katalog stellt die offizielle Publikation allen Ausstellungsbesucher_innen die wichtigsten Informationen zur Verfügung und ermöglicht gleichzeitig ein tieferes Einsteigen in die Hintergründe der Ausstellung.

Die Orientierungskarte liegt in der dritten, verbesserten Auflage vor und ist für 3 € an allen Infopoints der Skulptur Projekte erhältlich. Mehr als 30.000 Mal wurde die offizielle und kostenfreie Info-App „SP17-Navi-Skulptur Projekte Münster 2017“ heruntergeladen.

Skulptur Projekte Münster in der zweiten Halbzeit

Neben den öffentlich zugänglichen Kunstwerken bieten die Skulptur Projekte ein umfangreiches Begleitprogramm, das sich auch in der zweiten Halbzeit fortsetzt.

Münster: Kur und Kür

Auf literarischer Ebene werden die Skulptur Projekte vom Projekt Münster: Kur und Kür begleitet. Kuratiert von der Berliner Autorin Monika Rinck verbringen insgesamt zehn Autor_innen jeweils zwei Wochen in Münster, angeboten wird auch eine Übernachtungsreise nach Marl. Alle zwei Wochen findet sonntags um 19 Uhr eine Staffelübergabe in Form einer Lesung im Freihaus ms (Hüfferstraße 20) statt. Alle Beiträge werden online in einem Blog veröffentlicht: www.kur-und-kuer.de

Bisher waren Valentinas Klimašauskas, Shane Anderson, Sabina Scho, Martina Hefter und Katharina Merten zu Gast, in der zweiten Ausstellungshälfte folgen Hendrik Jackson, Philipp Gehmacher, Daniel Falb und Orsolya Kalász.

Bar Talks/Peles Empire

Die Skulptur von Peles Empire ist Treffpunkt für Künstler_innengespräche: Für ihre Bar Talks haben Barbara Wolff und Katharina Stöver sieben Künstler_innen eingeladen, deren Arbeit sie in den letzten zwölf Jahren in ihren Ausstellungsräumen in London, Cluj oder Berlin gezeigt haben. Die Bar Talks führen damit die ersten wöchentlichen Salons von Peles Empire weiter, die sie in ihrer Studienzeit in Frankfurt etabliert haben.

Peles Empire (Barbara Wolff, * 1980 in Fogarasch, lebt und arbeitet in Berlin, und Katharina Stöver, * 1982 in Gießen, lebt und arbeitet in Berlin), Skulpture (Skulptur), Parkplatz des Oberverwaltungsgerichts

Die Bar Talks finden in unregelmäßigen Abständen freitags und samstags ab 19 Uhr statt. Nach Alexandre da Cunha und Maria Loboda begrüßen Peles Empire in den kommenden Monaten Mariechen Danz, Anthea Hamilton/Julie Verhoeven, Nicolas Deshayes, Oliver Osborne und Daniel Sinsel.

Blumenberg Lectures

In Kooperation mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster findet die Vortragsreihe Blumenberg Lectures: Metaphern des Gemeinsinns – Contesting Common Grounds statt. Die bisherigen Vorträge international bekannter Expert_innen wie Laura Kurgan, Thomas Keenan, Oliver Marchart, Gesa Ziemer, Alexander Alberro, Philipp Oswalt und Theo Deutinger wurden jeweils von lebhaften Diskussionen begleitet. Die Skulptur Projekte Münster freuen uns auf die kommenden Vorträge:
Donnerstag, 31. August 2017, Juliane Rebentisch, Die Performanz der Potenzialität. Über das Erscheinen im digitalen Netz
Mittwoch, 13. September 2017, Erhard Schüttpelz, Die Öffentlichkeit und ihre Veröffentlichungen. Einige Vergleiche von der Steinzeit bis heute
Freitag, 29. September 2017, Chantal Mouffe, The Affects of Democracy

Nothing Permanent Symposium

Das Symposium ist eine Kooperation mit dem Henry Moore Institute und findet am Donnerstag, 14. September 2017, 14 bis 18 Uhr im Auditorium, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster statt.

Die Skulptur Projekte sind seit ihrer ersten Ausgabe im Jahr 1977 ein projektorientiertes und temporäres Ausstellungsformat. Nach jeder Ausgabe sind trotzdem einige Skulpturen angekauft worden, so dass in Münster eine öffentliche Sammlung entstanden ist, die den Alltag der Stadt mitprägt – und im Zehn-Jahres-Rhythmus immer wieder neu befragt wird.

Den historischen und gesellschaftlichen Wandel von Kunst im Außenraum fokussierend, setzt sich das Symposium Nothing Permanent mit der Idee der Veränderung und dem Potenzial von Zeitlichkeit aus unterschiedlichen Perspektiven jenseits von Münster auseinander.

Die Einführung erfolgt durch Marianne Wagner, Kuratorin der Skulptur Projekte und für zeitgenössische Kunst am LWL-Museum für Kunst und Kultur, sowie Jon Wood, Forschungskurator am Henry Moore Institute. Als Referent_innen sind geladen: Brandon Taylor, Kunsthistoriker, Marilyn Douala Manga Bell, Gründungsmitglied von doual’art, Zentrum für zeitgenössische Kunst, Douala, Nancy Adajania, Kulturtheoretikerin und freie Kuratorin, Mumbai und Thomas Hirschhorn, Künstler, Paris.

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