Montag, 13. März 2017

Ausstellungen im Rahmen der 38. Duisburger Akzente

„Bruckhausen – Beispiel oder Machtspiel“ in der Kulturkirche Liebfrauen

Am 17. Dezember 1891 wurde im Stahlwerk Bruckhausen, dem jetzigen Oxygenstahlwerk 1, in Gegenwart von Firmengründer August Thyssen der erste Stahl erschmolzen. Ab 1960 zogen vermehrt Gastarbeiter nach Bruckhausen, es entstand nach und nach ein äußerst multiethnisches Viertel. In Bruckhausen leben viele Bürger türkischer Herkunft, mit einem Ausländeranteil von über 50 % stellt Bruckhausen einen der ersten Stadtteile dar, in dem Deutsche zur Minderheit wurden. Traurige Bekanntheit erlangte Bruckhausen mit dem Buch „Ganz unten“ von Günter Wallraff, auch Teile der ARD-Fernsehreihe „Tatort“ mit Horst Schimanski wurden in Bruckhausen gedreht und verbreiteten das Bild des „schmuddeligen Ruhrgebiets“. Mit der Zeit kam es in Teilen von Bruckhausen und Beeck aufgrund der Nähe zur Industrie zum Fortzug von Teilen der Bevölkerung, was zum Wohnungsleerstand und gleichzeitigem Verfall der Wohngebäude führte. Daher wurde am 10. Dezember 2007 im Rat der Stadt Duisburg beschlossen, Teile der Wohngebäude zurückzubauen und das nicht unumstrittene Projekt Grüngürtel Duisburg-Nord zu starten. Baubeginn war im Mai 2014, am 14. Mai 2016 wurde der „Park vor der Haustür“ offiziell eröffnet. Insgesamt 165 Gebäude wurden hierfür „zurückgebaut“, überregional und unter Fachleuten hat diese „Sanierung“ Bruckhausens viel Kritik ausgelöst, auch wenn die Stadt Duisburg von einer erfolgversprechenden Strategie der Stadterneuerung spricht. Die eher kritisch angelegte Ausstellung „Bruckhausen – Beispiel oder Machtspiel“ von pressler-events und der Geschichtswerkstatt DU-Nord in Kooperation mit dem Ruhr Museum hinterfragt diese Entwicklung.

„Bruckhausen – Beispiel oder Machtspiel“, Blick in die Ausstellung

Die Fotografen Bernhard Langmack (1990 – 2015) und Katrin Gems (2008 – 2017) haben die Jahre des Abrisses in Bruckhausen dokumentiert. Frank Napierala (2011 – 2017) zeigt Panorama-Aufnahmen inzwischen abgerissener Straßenzüge. Jörg Boströms Fotos dokumentieren die Stimmung in den 1970er-Jahren und den Widerstand der Bürgerinitiative BiB gegen die damals bereits bestehende Abrissabsicht. ImBegleitprogramm der Ausstellung werden am 14. März 2017 um 19.30 Uhr von Paul Hoffmann, Kinemathek im Ruhrgebiet, ausgewählte Filmbeiträge über den Abriss im Stadtteil gezeigt. Am Dienstag, 21. März 2017 findet um 19.30 Uhr eine Podiumsdiskussion rund um den Abriss im Duisburger Stadtteil vor den Toren von ThyssenKrupp Steel mit Pfarrer Michael Höhn, Prof. Dr. Christoph Zöpel, Prof. Dr. Roland Günter, Turhan Senel, ehem. Bruckhausener Unternehmer, Katrin Gems, Historikerin, und Heiner Maschke, Geschäftsführer EG DU statt, Prof. Heinrich Theodor Grütter, Ruhr Museum Essen, wird die Moderation übernehmen. Am Freitag, 24. März 2017 gibt es ein Konzert mit Protest- und Heimatliedern von und mit Klaus der Geiger, Köln, dem Duo FolkaPolka und Frank Baier, Eintritt 4,99 €. Die Ausstellung „Bruckhausen – Beispiel oder Machtspiel“ ist bis 18. April täglich außer montags von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

„Bruckhausen – Beispiel oder Machtspiel“, Blick in die Ausstellung

„Bruckhausen – Beispiel oder Machtspiel“, Blick in die Ausstellung


„Welt im Umbruch“ auf dem Akzente-Festivalplatz Mercator Quatier

„Welt im Umbruch“, im Vordergrund ein Bild aus dem Fotobuch „Via PanAm“ von Kadir van Lohuizen

Die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft und das PhotoBookMuseum bringen anlässlich der 38. Duisburger Akzente das mobile Ausstellungsprojekt „Welt im Umbruch“ nach Duisburg. Beim Kick-Off Duisburg ’17 auf dem Akzente-Festivalplatz Mercator Quatier kann man sich über das Projekt informieren und mit einem Bild zum Umbruch auch direkt mitmachen. Den Höhepunkt des Projekts in Duisburg wird eine mobile Ausstellung in 5 Schiffscontainern im Innenhafen bilden, in der 22 Fotobücher von international renommierten Fotografinnen und Fotografen gezeigt werden, die die großen gesellschaftlichen Umbrüche unserer Zeit bearbeiten. Das Kick-Off Duisburg ’17 ist bis 26. März 2017 täglich von 15 bis 20 Uhr geöffnet.

„Welt im Umbruch“ auf dem Akzente-Festivalplatz Mercator Quatier

„Welt im Umbruch“, im Vordergrund ein Bild aus dem Fotobuch „The Raw and the Cocked“ von Peter Bialobrzeski

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