Donnerstag, 5. Januar 2017

Warum weniger mitunter eben doch mehr ist

Museen und andere Veranstalter können mit besonderen Aktionen die Besucherzahlen erheblich steigern

Bereits seit Juni 2015 ist der Eintritt in die ständige Sammlung des Museum Folkwang frei. Dies gilt ebenso für alle Ausstellungen der Fotografischen Sammlung, des Deutschen Plakat Museums und der Grafischen Sammlung. Ermöglicht wird dies durch die Förderung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die für die nächsten fünf Jahre bis 2020 insgesamt 1 Mio. € zur Verfügung gestellt hat. Mit diesem Betrag werden die Einnahmen durch Eintrittskarten für die ständige Sammlung kompensiert. Für große Sonderausstellungen erhebt das Museum Folkwang auch weiterhin einen Eintrittspreis. Immerhin, im ersten Jahr haben sich die Besucherzahlen im Jahresdurchschnitt mehr als verdoppelt.

Freien Eintritt gibt es an bestimmten Tagen auch im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg und im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop, allerdings werden dort auswärtige Besucher diskriminiert: Der freie Entritt gilt im MKM jeden Donnerstag nur für Duisburger Bürger (gegen Vorlage des Personalausweises), und der freie Eintritt in die Wechselausstellung im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop gilt freitags nur für Bottroper Bürger. Der Einfluss auf die Besucherzahlen ist mir nicht bekannt.

Die Adventsaktion „ZOO wie du willst“, bei der Besucherinnen und Besucher selbst über die Höhe ihres Eintrittspreises bestimmen durften, bescherte dem Zoo Dortmund ein deutliches Besucherplus: Insgesamt 17.475 Menschen nutzten das Angebot und statteten dem Zoo bei zumeist bestem Wetter einen Besuch ab, in der Adventszeit 2015 waren es 7.041 BesucherInnen. Zwar haben die Zoo-Besucher durchschnittlich nur die Hälfte des angesetzten Eintrittspreises bezahlt, aber durch die stark erhöhte Besucherzahl konnten trotzdem um 71 Prozent höhere Einnahmen als im Vorjahr erzielt werden.

Einmal bezahlen, ein ganzes Jahr profitieren – das gilt ab Januar in den städtischen Museen in Dortmund. Wer im Jahr 2017 eine Eintrittskarte für das Museum Ostwall im Dortmunder U, das Museum für Kunst und Kulturgeschichte oder das Brauerei-Museum kauft, kann mit diesem Ticket nach dem Motto „Wiedersehen macht Freunde“ bis Ende Dezember 2017 die Dauerausstellungen aller drei Häuser kostenlos besuchen – und das beliebig oft. Der Eintritt ins Kindermuseum Adlerturm und in das Westfälische Schulmuseum in Marten ist künftig komplett frei. Ziel der auf zwei Jahre angelegten Aktion ist es, die Besucherinnen und Besucher häufiger in die städtischen Museen zu locken und neue Besuchergruppen zu erschließen.

Das Lehmbruck Museum in Duisburg setzt ab 6. Januar auf das „Pay what you want“ Konzept und überlässt den Besuchern am ersten Freitag im Monat die Höhe des Eintrittspreises, Jeder Besucher zahlt, was ihm der Besuch der Sammlung wert ist. Begleitet wird das neue Angebot jeweils von einer öffentlichen Führung, bei der Museumsmitarbeiter ihre Lieblingswerke vorstellen. Zur Premiere präsentiert Archivar Andreas Benedict u. a. die Installation „War (Vietnam Piece)“ (1967) von Duane Hanson und den „Raum 90000 DM“ (1981) von Joseph Beuys.

Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Museen, die ebenfalls an bestimmten Tagen freien Eintritt anbieten, beispielsweise das LWL-Industriemuseum, das am 6. Januar 2017 freien Eintritt in seine Standorte Zeche Zollern, Zeche Nachtigall, Henrichshütte Hattingen, Schiffshebewerk Henrichenburg, TextilWerk Bocholt, Ziegeleimuseum Lage und Glashütte Gernheim gewährt, oder das LWL-Museum für Archäologie, das anlässlich des vietnamesischen Têt-Neujahrsfestes am 29. Januar 2017 keine Gebühr für den Eintritt erhebt. Am zweiten Freitag im Monat ist das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster bis 22 Uhr geöffnet, der Eintritt ist an diesem Tag frei. In der Reihe KPMG-Kunstabende wird jeden ersten Mittwoch im Monat ab 18 Uhr in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ein abwechslungsreiches Programm mit verschiedenen Themenführungen und Veranstaltungen präsentiert. An den KPMG-Kunstabenden sind das K20 Grabbeplatz und K21 Ständehaus bis 22 Uhr geöffnet, ab 18 Uhr freier Eintritt. Voraussichtlich Ende Februar 2017 können mutige Kunstliebhaber im K21 wieder die Rauminstallation „in orbit“ des Künstlers Tomás Saraceno in schwindelnder Höhe besteigen. Die Aufzählung ließe sich womöglich beliebig fortsetzen…

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