Freitag, 20. Januar 2017

The next generation

Absolventen­präsentation Musical der deutsch­sprachigen Musik­hoch­schulen 2017

Historisches Rathaus der Stadt Osnabrück

Am Donnerstag und Freitag, 19. und 20. Januar 2017 fand die diesjährige Absolventen­präsentation Musical der deutsch­sprachigen Musik­hoch­schulen als Kooperation der deutschen ZAV-Künstler­vermittlung der Bundesagentur für Arbeit mit dem gastgebenden Institut für Musik der Hochschule Osnabrück statt, Insidern auch als Intendanten­vorsingen (IVO) bekannt. AbsolventInnen der Folkwang Universität der Künste Essen, Bayerische Theaterakademie August Everding München, Hochschule Osnabrück und der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (vormals Konservatorium Wien Privatuniversität) hatten zwei Tage lang Gelegenheit haben, ihr Können dem interessierten Fachpublikum zu präsentieren.

2003 unter Beteiligung der fünf Hochschulen in Berlin, Essen, Leipzig, München und Wien und mit tatkräftiger Unterstützung der WestLB (die ihr kulturelles Engagement 2010 leider eingestellt hat) aus der Taufe gehoben, hat sich die Absolventenpräsentation mittlerweile zum festen Bestandteil der deutschsprachigen Musicalszene entwickelt, sie fand 2017 zum 14. Mal statt. Da die Musicalausbildung in Leipzig zwischenzeitlich geschlossen wurde, war die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ 2014 zum letzten Mal bei der Absolventenpräsentation Musical vertreten. Das Institut für Musik der Hochschule Osnabrück nahm 2014 zum ersten Mal mit 11 Absolventen an der Präsentation teil.

Intendanten, Produzenten, Regisseure und Casting-Direktoren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum nutzen die einmalige Gelegenheit, alle Musical-AbsolventInnen der renommierten staatlichen Hochschulen in einer gemeinsamen Audition kennenzulernen und sowohl ihre Bühnenpräsenz als auch die künstlerische Leistung beurteilen zu können. Als „Jobbörse“ soll die Absolventenpräsentation den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Die AbsolventInnen können sich vielen Arbeitgebern gleichzeitig präsentieren und brauchen nicht ohne konkrete Aussichten auf ein Engagement von Audition zu Audition zu reisen. Gerade an Stadttheatern werden häufig keine zeitintensiven offenen Castings veranstaltet, stattdessen schauen sich die Verantwortlichen die AbsolventInnen beim IVO an und laden sie direkt zu einer Audition ein. Darüber hinaus ist diese für die deutschsprachige Hochschullandschaft einmalige Kooperation aber auch eine wunderbare Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch zwischen Lehrenden, mit dem Publikum und vor allem für die jungen Künstler selbst.

Absolventenpräsentation Musical 2017

Insgesamt kamen 30 AbsolventInnen, begleitet von ihren Lehrenden, in Osnabrück zusammen. Im Einzelnen waren dies:
  • Folkwang Universität der Künste Essen, Studiengang Musical: Alina Grzeschik, Florentine Kühne, Eva Löser, Karen Müller, Philipp Nowicki, Jan Rogler
  • Bayerische Theaterakademie August Everding München, Studiengang Musical: Valentina Inzko Fink, Robert Henry Lankester, Matias Lavall, Valerie Luksch, Benjamin Oeser, Laura Pfister, Lisa Rothhardt, Theresa Weber
  • Hochschule Osnabrück, Institut für Musik, Studiengang Musical/Vokalpädagogik: Sandra Bitterli, Maurice Daniel Ernst, Felix Freund, Joshua Hien, Kara Kemeny, Jasmin Reif, Tobias Rusnak, Lasarah Sattler, Eric Vilhelmsson, Mareike Kristin Zupp
  • Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, Studiengang Musikalisches Unterhaltungstheater: Daniel Eckert, Linda Fischer, Florian Sebastian Fitz, Conny Mooswalder, Cassandra Schütt, Simon Stockinger
An der Universität der Künste Berlin wurden vor vier Jahren keine Studierenden im Studiengang Musical/Show aufgenommen, dementsprechend gibt es dort 2017 auch keine AbsolventInnen.

In ihren Präsentationen legten die Hochschulen unter­schied­liche Schwerpunkte auf die Sparten Schauspiel, Tanz und Gesang, auch persönliche Vorlieben der Studierenden waren zu erkennen. Das Programm der Shows war facettenreich und unterhaltsam, insgesamt bewiesen die AbsolventInnen ein durchwegs hohes Niveau ihrer Ausbildung.

Natürlich könnte ich an dieser Stelle schreiben, dass mir diese oder jener Studierende/r besonders gut gefallen hat, was aber IMHO unfair den anderen Studierenden gegenüber wäre, die dann nicht namentlich erwähnt sind. Und bei typgerechter Besetzung im Musical kann es durchaus vorkommen, dass jemand herausragend singen, schauspielen und tanzen kann, dem Besetzungsverantwortlichen aber einfach zu groß/klein ist. Ein Stück weit ist jede Besetzung auch immer subjektiv. Von daher möge man es bitte nachsehen, wenn ich an dieser Stelle eben nicht auf die Leistung einzelner Studierender eingehe.

Hochschule Osnabrück, Institut für Musik, Studiengang Musical/Vokalpädagogik

Hochschule Osnabrück, Institut für Musik, Studiengang Musical/Vokalpädagogik

Hochschule Osnabrück, Institut für Musik, Studiengang Musical/Vokalpädagogik

Folkwang Universität der Künste, Studiengang Musical

Die Studierenden der Folkwang Universität der Künste Essen präsentierten bei der diesjährigen AbsolventInnen­präsentation Musical eine leicht gekürzte unplugged-Version ihrer Musical Eigenarbeit „RESET“, die sie im Februar 2016 in Eigenregie mit musikalischer Begleitung einer fünfköpfigen Combo auf den Weg gebracht haben. Ein kleiner Seitenhieb auf die „Einsparorchester“ bei kommerziellen Musicalproduktionen? Wohl kaum, wobei Patricia Martin an allen Instrumenten versiert genug ist, auch so eine Aufgabe „mit links“ zu erledigen. „RESET“ stellt selbst George Orwells düstere Zukunfts-Dystopie „Nineteen Eighty-Four“ in den Schatten… kennt die heutzutage überhaupt noch jemand?

Folkwang Universität der Künste, Studiengang Musical

Folkwang Universität der Künste, Studiengang Musical

Bayerische Theaterakademie August Everding München, Studiengang Musical

Bayerische Theaterakademie August Everding München, Studiengang Musical

Bayerische Theaterakademie August Everding München, Studiengang Musical

Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, Studiengang Musikalisches Unterhaltungstheater


„Next Generation – Die Show der Musical-Stars von morgen“

Gesangssolisten: Maciej Bittner, Kiara Brunken, Sophia Euskirchen, Merlin Fargel, Dorina Garuci, Nicolas Huart, Carolina Walker, Anna Winter. Absolventen der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (Piano: Michael Schnack), Folkwang Universität der Künste Essen (Piano: Patricia Martin), Hochschule Osnabrück, Institut für Musik (Piano: Martin Wessels-Behrens). Das WDR Funkhausorchester Köln unter der Leitung von Rasmus Baumann. Die „Schlag auf Schlag“-Band mit Daniel Prandl (p), Daniele Aprile (g), Matthias Dörsam (reeds), Dirk Schilgern (dr), Stephan Schmolck (b). Moderation Axel Naumer.

Moderator Axel Naumer

Im Anschluss an die Absolventen­präsentation Musical am Donnerstag gab es in diesem Jahr noch eine besondere Ergänzung: Im Theater am Domhof Osnabrück veranstaltete am Abend der Verein Der Musicalverein – Verein zur Förderung des Musicalnachwuchses e. V. eine Musical-Gala unter dem Titel „Next Generation – Die Show der Musical-Stars von morgen“, bei der sich Maciej Michael Bittner (Hochschule Osnabrück, Institut für Musik), Kiara Brunken (Universität der Künste Berlin), Sophia Euskirchen (Universität der Künste Berlin), Merlin Fargel (Folkwang Universität der Künste Essen), Dorina Garuci (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien), Nicolas Huart (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien), Carolina Walker (Hochschule Osnabrück, Institut für Musik) und Anna Winter (Folkwang Universität der Künste Essen) als MusicalabsolventInnen aus dem vergangenen Jahr sowie die diesjährigen MusicalabsolventInnen der Musik und Kunst Privatuniversität Wien (Daniel Eckert, Linda Fischer, Florian Sebastian Fitz, Conny Mooswalder, Cassandra Schütt, Simon Stockinger), Folkwang Universität der Künste Essen (Alina Grzeschik, Florentine Kühne, Eva Löser, Karen Müller, Philipp Nowicki, Jan Rogler) und Hochschule Osnabrück, Institut für Musik (Sandra Bitterli, Maurice Daniel Ernst, Felix Freund, Joshua Hien, Kara Kemeny, Jasmin Reif, Tobias Rusnak, Lasarah Sattler, Eric Vilhelmsson, Mareike Kristin Zupp) zusammen mit dem großen WDR Funkhausorchesters Köln unter der Leitung von Rasmus Baumann (Generalmusikdirektor der Neuen Philharmonie Westfalen) und der 5-köpfigen „Schlag auf Schlag“-Band dem Publikum im Theater Osnabrück sowie den vielen Radiohörern in der ganzen Welt präsentierten – das Programm wurde für den WDR aufgezeichnet und wird am 18. März 2017 um 20.05 Uhr auf WDR 4 augestrahlt. Das Repertoire umfasste mal eben auf die Schnelle die letzten 90 Jahre Musicalgeschichte von „Show Boat“ (UA 27. Dezember 1927) bis hin zu „Hamilton: An American Musical“ (UA 20. Januar 2015), wobei fast kein Klischee ausgelassen wurde. „Hamilton: An American Musical“ ist übrigens erst im November vergangenen Jahres durch den Besuch von Mike Pence in die Schlagzeilen geraten, als dieser von den Darstellern ausgebuht wurde und eine kleine Extra-Einlage bekam. Die Moderation der Musical-Gala hat Radiomoderator und Kabarettist Axel Naumer („Satire Deluxe“, „Schlag auf Schlag“, „Die beste ‚Best of Broadway‘ Radio-Show“) übernommen.

Maciej Bittner

Ich denke, das ein oder andere Detail aus der Musical-Gala darf an dieser Stelle durchaus noch verraten werden, schließlich sollen die Leser doch animiert werden, am 18. März 2017 WDR 4 einzuschalten und dem Programm dann im Radio zu lauschen. Was man auf jeden Fall ohne Einschränkungen sagen kann, die Veranstaltung schreit geradezu nach einer Fortsetzung im kommenden Jahr im Zusammenhang mit der Absolventen­präsentation Musical der deutsch­sprachigen Musik­hoch­schulen am 19. und 20. Januar 2018 in Essen. Stay tuned…

Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, Studiengang Musikalisches Unterhaltungstheater

Beim Verein Der Musicalverein – Verein zur Förderung des Musicalnachwuchses e. V. ist der Name natürlich Programm, ich könnte mir gut vorstellen, dass so manch gestandener Musicaldarsteller wohl auch nicht abgeneigt wäre, zusammen mit dem großen WDR Funkhausorchesters Köln plus 5-köpfiger Band aufzutreten, und für die acht letztjährigen Absolventen dürfte die Zusammenarbeit mit einem solchen fulminanten Klangkörper unter der versierten Leitung von Rasmus Baumann womöglich zusätzlicher Anreiz zu gesanglichen Höchstleistungen gewesen sein. Auch wenn das Thema in Fachkreisen schon lange niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockt, werde ich nicht müde zu betonen, dass mehr als 50 Musiker bei einer Musicalveranstaltung die absolute, rare Ausnahme darstellen, bei kommerziellen Musicalproduktionen sitzen mitunter nicht einmal 10 Musiker im Orchestergraben, wenn überhaupt. Insofern dürfte die Gala sowohl für die Zuschauer im Auditorium als auch für die Sängerinnen und Sänger aus der Bühne ein wahrer Genuss gewesen sein. Auf der anderen Seite tue ich mich regelmäßig mit der Bezeichnung „Musicalstar“ ein wenig schwer: Machen Musicaldarsteller, deren Name nicht in aller Munde ist, ihren Job deswegen schlechter? Sorgen sie nicht dafür, dass wir beim Besuch eines Musicals einen vergnüglichen, anregenden Abend erleben?

Sophia Euskirchen

Um an dieser Stelle einmal den Humor des Moderators Axel Naumer aufzugreifen: Die auf der Eintrittskarte abgedruckte Ankündigung „WDR Funkhausorchester und über 30 Sängerinnen und Sänger“ wurde tatsächlich nicht erfüllt, es waren genau 29 Sängerinnen und Sänger. Tut der Sache natürlich nicht den geringesten Abbruch, und wie heißt es so schön, traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast…

Nicolas Huart

Während vor Veranstaltungsbeginn an der Garderobe nachgefragt wurde, ob es denn eine Pause gebe, so waren nach der knapp zweistündigen Veranstaltung eher Stimmen zu hören, dass es viel zu kurz gewesen sei und ruhig noch länger hätte dauern können. Das Publikum im Theater Osnabrück war in jedem Fall begeistert und belohnte alle Mitwirkenden mit langanhaltendem Applaus. Auch diese Reaktionen dürften Grund genug sein, die Veranstaltung 2018 in Essen zu wiederholen.

Kiara Brunken

Abschließend die Setlist:
  • Opening: „It´s better with a band“ von Wally Harper/David Zippel
  • Caroline Walker: „Mitternachtsstunde (Last midnight)“ aus „Into the woods“ von Stephen Sondheim
  • Anna Winter: „Nur ein Schritt (Just one step)“ aus „Songs for a new world“ von Jason Robert Brown
  • Maciej Bittner: „Ol´ man river“ aus „Showboat“ von Jerome Kern/Oscar Hammerstein II, P. G. Wodehouse
  • Maciej Bittner: „If ever I would leave you“ aus „Camelot“ von Frederick Loewe/Alan Jay Lerner
  • WDR Funkhausorchester: Overture aus „Singin´ in the rain“ von Nacio Herb Brown
  • Studierende der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien: „That Smile“ aus „It´s only life“ von John Bucchino
  • Sophia Euskirchen: „Cabaret“ aus „Cabaret“ von John Kander/Fred Ebb
  • Dorina Garuci: Diven-Medley
  • Nicolas Huart: „Der alte Sünder“ aus „Der alte Sünder“ von Hans Lang
  • Nicolas Huart: „Heute Nacht um Acht beim Schottentor“
  • Nicolas Huart: „Heute Nacht um acht (Tonight at Eight)“ aus „She loves me“ von Jerry Bock/Sheldon Harnick
  • Merlin Fargel: „Believe in Steve“ aus „Noah war ein Archetyp“ von Bodo Wartke
  • Kiara Brunken: „Schau, ich lächle (See, I´m smiling)“ aus „The Last Five Years“ von Jason Robert Brown
  • Maciej Bittner: „Greased Lightnin´“ aus „Grease“ von Jim Jacobs, Warren Casey, John Farrar
  • WDR Funkhausorchester: Overture aus „On the town“ von Leonard Bernstein
  • Sophia Euskirchen: „Special“ aus „Avenue Q“ von Robert Lopez, Jeff Marx
  • Studierende der Folkwang Universität der Künste Essen: „Flight“ von Craig Carnelia
  • Dorina Garuci: „Diamonds are forever“ aus „James Bond – Diamentenfieber“ von John Barry/Don Black
  • Nicolas Huart: „Ich könnt mich küssen“ aus „Goscior – Der Zwischenweltler“ von Frank Felicetti
  • Anna Winter: „Der Zauberer und ich (The Wizard and I)“ aus „Wicked“ von Stephen Schwartz
  • Studierende der Hochschule Osnabrück, Institut für Musik: „Satisfied“ aus „Hamilton: An American Musical“ von Lin-Manuel Miranda
  • Kiara Brunken: „Der Makrobiot“ aus „Am Rande der Nacht“ von Katharine Mehrling
  • Merlin Fargel, Nicolas Huart: „When I drive“ aus „Bonnie & Clyde“ von Frank Wildhorn/Don Black
  • Finale: „(I sing) The Body electric“ aus „Fame – Der Weg zum Ruhm“ von Michael Gore/Dean Pitchford
Folkwang Universität der Künste, Studiengang Musical, Jan Rogler, Eva Löser, Florentine Kühne, Philipp Nowicki, Anna Winter, Alina Grzeschik

Dorina Garuci

Anna Winter

Hochschule Osnabrück, Institut für Musik, Studiengang Musical/Vokalpädagogik

Nicolas Huart und Merlin Fargel

„Next Generation – Die Show der Musical-Stars von morgen“

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