Donnerstag, 12. Januar 2017

Baumaßnahme Kokslöschturm 0 auf der Kokerei Hansa

Arbeiten zur denkmalgerechten Sanierung haben begonnen

Mit seiner stattlichen Höhe von 40 Metern prägt der hölzerne Löschturm die Silhouette der Kokerei Hansa. Seit Anfang Januar ist der Turm eingerüstet und die Arbeiten zu seiner denkmalgerechten Sanierung haben begonnen.

Kokerei Hansa, Fensterfront mit Spiegelbild des Löschturms

„Längst ist der Turm ein Wahrzeichen der Kokerei – nicht nur für die Huckarder Bürgerinnen und Bürger, sondern auch für die vielen Touristen, die unser Industriedenkmal alljährlich besuchen“. Aus Sicht der Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Ursula Mehrfeld, ist es deshalb sehr erfreulich, dass die dringend notwendige Sanierung des hölzernen Monuments, das auf einer Stahlbetonkonstruktion ruht, nun gestartet ist. Ende 2017 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Der Kokslöschturm 0, wie er präzise heißt, fällt schnell ins Auge. Anders als die Gebäude und Industrieanlagen aus Beton, Backstein und Stahl ist er aus Fichtenholz konstruiert. „Dieser Baustoff wurde gewählt, weil er preiswert war, eine Wartung vereinfachte und Holz bei Temperaturschwankungen nicht so stark arbeitet wie zum Beispiel Stahl“, erklärt Julia Moldenhauer, Architektin der Stiftung und mit diesem Instandsetzungsprojekt betraut. Die Verschalung war nötig, damit der Wasserdampf, der beim Löschen von Koks entstand, geregelt nach oben geführt werden konnte. Über Abtropf­platten im oberen Bereich des Löschturms wurde der Wasserdampf abgekühlt; er kondensierte und tropfte nach unten. Auf diese Weise konnte ein Teil des Wassers erneut dem Löschwasserkreislauf zugeführt werden.

Der Löschturm auf Hansa, entstanden Ende der 1970er-Jahre, weist insbesondere im oberen Teil und an den Balkonen schwere Schäden auf. Die Fichten-Holzbretter sind zerstört und zahlreiche Nägel haben sich aus den Befestigungsbohlen herausgezogen. Außerdem ist die Betonkonstruktion angegriffen. Die Baumaßnahme sieht die Instandsetzung nach historischem Vorbild vor. Hierfür stehen 716.000 Euro an Fördermitteln zur Verfügung.

Kokerei Hansa, Löschturm

Seitlich am Löschturm befinden sich große Tanks für Wasser, das nötig war, um den Koks, der in Koksöfen unter Luftabschluss gegart wurde, abzulöschen. Sobald der Koks aus dem Ofen gedrückt war und mit Sauerstoff in Kontakt kam, fing er Feuer. Damit er nicht verbrannte und zu Asche zerfiel, wurde er vom Ofen aus direkt in einen Löschwagen geschoben und über Gleise zum Löschturm bewegt. Bei einem Löschvorgang wurden 25 Tonnen Wasser aus den beiden Löschwasserbehältern herabgelassen, dies entspricht in etwa der Füllmenge von 180 Badewannen (mit einer durchschnittlichen Füllmenge von 140 Litern), und der Koks in 90 Sekunden von 1000 °C auf etwa 60 °C heruntergekühlt. Große Löschschwaden (Wasserdampfwolken) ließen weithin erkennen: eine Ladung Koks – etwa 12,5 Tonnen – war fertig. Nach diesem Prinzip wurden rund 120 Ladungen am Tag gelöscht und für den weiteren Transport vorbereitet.

Kokerei Prosper, Löschturm

Die Kokerei Hansa wurde in den Jahren 1927/28 errichtet, 1992 stellte sie ihren Betrieb ein. Seit 1999 ist die unter Denkmalschutz stehende Anlage für Besucher zugänglich. Der Löschturm auf Hansa bildet zusammen mit Kohlenturm, Ofenbatterien und Löschgleishalle eine bauliche und funktionale Einheit.

Am Abschluss der Sanierungsmaßnahme steht eine Inszenierung des Löschvorgangs für Besucher. Statt „Koks ist fertig“ heißt es dann künftig „Führung auf Hansa!“. Wer nicht so lange warten möchte, bekommt das Schauspiel live und in Farbe alle 10 Minuten in der Welheimer Mark geboten, wo die Kokerei Prosper als eine der drei in Betrieb befindlichen Kokereien im Ruhrgebiet noch heute nach dem gleichen Prinzip arbeitet wie seinerzeit die Kokerei Hansa.

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