Freitag, 15. Dezember 2017

Inhaltsverzeichnis 2017

Da sich das Inhaltsverzeichnis als Startseite in den vergangenen Jahren bewährt hat, gibt es auch in diesem Jahr wieder einen Index. Never touch a running system!


Vorschau: „Frieden. Von der Antike bis heute“

Großes Ausstellungsprojekt in Münster im Friedensjahr 2018

2018 liegt das Ende des Ersten Weltkriegs 100 Jahre zurück. Zugleich blickt Europa auf 370 Jahre Spanisch-Niederländischen Frieden, mit dem in Münster am 15. Mai 1648 als Teil des Westfälischen Friedens europäische Geschichte geschrieben wurde. In der Stadt des Westfälischen Friedens ist der Frieden im Jubiläumsjahr allgegenwärtig: In fünf Ausstellungen beleuchten das LWL-Museum für Kunst und Kultur, das Kunstmuseum Pablo Picasso, das Archäologische Museum der Universität Münster, das Bistum Münster sowie das Stadtmuseum Münster in einer noch nie dagewesenen Kooperation das Ringen um, die Sehnsucht nach und die Sicherung von Frieden. Aus kunst- und kulturhistorischer sowie stadtgeschichtlicher und christlicher Perspektive wird das Thema vom 28. April bis 2. September 2018 mit hochrangigen Exponaten aus internationalen Sammlungen der Öffentlichkeit präsentiert. Das Exzellenzcluster „Politik und Religion“ der Universität Münster hat bei der Ideenfindung und Konzeption beraten und begleitet die Ausstellung mit einem wissenschaftlichen Symposium im Mai 2018.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übernimmt die Schirmherrschaft für das Ausstellungsprojekt „Frieden. Von der Antike bis heute“. „Die Übernahme der Schirmherrschaft über die Ausstellung durch den Bundespräsidenten ist eine ganz besondere Auszeichnung“, betont Dr. Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster. Die Ausstellungskooperation freue sich außerordentlich über die Zusage aus Berlin. Schon in seiner Zeit als Außenminister habe Frank-Walter Steinmeier die Bedeutung historischer Friedensschlüsse, darunter besonders jenen des Westfälischen Friedens, und ihren Bezug für die Gegenwart herausgestellt. Der Bundespräsident ist gleichzeitig Schirmherr des Kulturerbejahres 2018, zu dessen Leitprojekten die Ausstellung zählt.

Fünf Ausstellungen – eine Kooperation

LWL-Museum für Kunst und Kultur: Wege zum Frieden
Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zeigt Bilder vom Frieden und jene, die die Wege zum Frieden veranschaulichen. Seit Menschengedenken weckt das Ideal einer aggressionsfreien Welt Sehnsüchte, Hoffnungen und Bilder, die in Bildthemen wie Das goldene Zeitalter, Paradiesvorstellungen und der Orpheus-Thematik als Friedensutopien lesbar sind. Namhafte Künstler wie Rubens, Delacroix, Lehmbruck, Dix, Kollwitz haben sehr unterschiedlich mit der Bedeutung von Frieden gearbeitet. Ebenso werden bedeutsame Friedensschlüsse gezeigt bis hin zu Friedensbildern der jüngeren Zeitgeschichte (z. B. Camp David, 1978).

Archäologisches Museum: Eirene/Pax – Frieden in der Antike
Das Archäologische Museum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zeigt mit Exponaten aus der Zeit vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis ins 3. Jahrhundert. n. Chr. die Bedeutung des Friedens in der griechischen und römischen Antike auf. Zu sehen sein wird der älteste erhaltene Friedensvertrag zwischen dem Hethiter-Reich und Ägypten (1259 v. Chr.). Die berühmte Statue der Eirene, die wohl 375 v. Chr. auf der Athener Agora aufgestellt wurde, wird ebenso gezeigt wie ein Altar des augusteischen Friedens.

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster: Picasso – Von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube
In der Ausstellung „Picasso – Von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube“ veranschaulicht das Picasso-Museum die künstlerische Auseinandersetzung des Spaniers mit Krieg und Frieden. Die Schau zeigt mit rund 60 hochkarätigen Werken Picassos kreativen Einsatz für die Ziele der Friedensbewegung, seine Auseinandersetzung mit politischen Parteien sowie seinen Versuch, die Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkriegs künstlerisch zu überwinden - in der Hoffnung auf die Errichtung eines friedlichen Europas. Im Mittelpunkt der Schau steht seine berühmte Friedenstaube, die er für den ersten Weltfriedenskongress entwarf.

Stadtmuseum Münster: Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden
Die Ausstellung widmet sich der Rezeptionsgeschichte des Westfälischen Friedens, wobei die Jubiläen 1748, 1848, 1898 und 1948 im Fokus stehen. Die Stadt Münster gedachte 1898 erstmals offiziell des Westfälischen Friedens. Doch das monumentale Friedensgemälde von Fritz Grotemeyer entstand 1902 allein aufgrund der Initiative des Künstlers. Die Nationalsozialisten planten den 300. Jahrestag 1948 für ihre Zwecke zu missbrauchen. Einen Einblick in die nie eröffnete Ausstellung und die politische Zielrichtung geben erhaltene, schon 1940 gefertigte Kopien sowie die fotografische Dokumentation. Erst in der Gedenkwoche 1948 erfolgte vor dem Hintergrund des verlorenen Zweiten Weltkriegs eine Umbewertung des Westfälischen Friedens zum Einigungsfrieden.

Das Bistum Münster zu Gast im LWL-Museum für Kunst und Kultur: Frieden. Wie im Himmel so auf Erden?
Das Bistum Münster blickt in einem eigenen Ausstellungsteil auf die Ideen des Friedens im Christentum von der Spätantike bis heute. Die Ausstellung beleuchtet den Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit. Die Präsentation mit 100 hochrangigen und internationalen Leihgaben aus Kunst- und Kulturgeschichte gibt Einblick in die Geschichte des schmerzhaft aktuellen Themas. Sie wirft die Frage auf, ob religiöse Werte heute zur Wahrung des Friedens beitragen können. Eine eigene Kinderebene vermittelt das Thema an die jungen Besucher. Ein Audioguide wird angeboten.

Umgestaltung einer Unterführung an der Arendahls Wiese

Abschluss des Projekts „Unten durch“

Die Unterführung der Köln-Mindener Eisenbahn zwischen Arendahls Wiese und Köln-Mindener-Straße, die das Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein mit dem Essener Stadtteil Katernberg verbindet, wurde in den letzten Wochen und Monaten als gemeinsames Projekt des Fachbereichs Gestaltung der Folkwang Universität der Künste, der Bezirksvertretung VI Zollverein und der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017 umgestaltet. Die Tunnel-Umgestaltung, die den Namen „Unten durch“ trägt, ist eines der Green Capital Day-Projekte der Stadtbezirke. Ziel ist es, Unorte mit Entwicklungsbedarf innerhalb der Stadt nachhaltig zu verschönern, zu pflegen oder zu begrünen. Die Bezirksvertretungen und das Projektbüro der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017 teilen sich die Kosten für den „Green Capital Day“: Das Projektbüro verdoppelt dabei den finanziellen Einsatz der einzelnen Bezirksvertretungen bis zu einem Betrag von maximal 25.000 €.

Unterführung der Köln-Mindener Eisenbahn „Unten durch“

Zum Beginn des Wintersemesters 2016/2017 wurde das Projekt „Unten durch“ gestartet, um gemeinsam mit Bürger*innen ein Konzept für die Umgestaltung der unbeliebten Unterführung an der Arendahls Wiese zu erarbeiten. Die Entwürfe wurden im Anschluss an das Projektbüro Grüne Hauptstadt Europas – Essen 201 und die Bezirksvertretung des Stadtbezirks VI Zollverein übergeben. Gut ein Jahr nach Projektbeginn ist das Resultat frappant…

Unterführung der Köln-Mindener Eisenbahn „Unten durch“

Unterführung der Köln-Mindener Eisenbahn „Unten durch“

Unterführung der Köln-Mindener Eisenbahn „Unten durch“

Unterführung der Köln-Mindener Eisenbahn „Unten durch“

Vorschau: „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“

Gemeinschaftsausstellung des Ruhr Museums und des Deutschen Bergbau-Museums Bochum zum Ende des Steinkohlen-Ära

Ende 2018 ist endgültig „Schicht im Schacht“, dann endet der (subventionierte) deutsche Steinkohlenbergbau und die letzten beiden aktiven Bergwerke Ibbenbüren und Prosper-Haniel in Bottrop werden geschlossen. Damit zeichnet sich nach 200 Jahren ein Ende des Zeitalters der Kohle in Deutschland ab, die in ganz Europa Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt entscheidend beeinflusste. Besonders im Ruhrgebiet hat Kohle die Arbeit, den Alltag und die Mentalität der Menschen stark geprägt. Doch Kohle war nicht nur der Treibstoff der Moderne und des Fortschritts, sie war auch Teil der Schattenseiten der Industrialisierung. 2018 findet nun im Ruhrgebiet, lange Zeit das größte und wichtigste Kohlerevier Europas, die erste europäische Ausstellung zur Kohle statt. Das Essener Ruhr Museum, das Regionalmuseum des Ruhrgebiets, und das Deutsche Bergbau-Museum Bochum, das Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen, zeigen mit „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“ eine große Gemeinschaftsausstellung auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein. Beide Ausstellungshäuser, die u. a. über große Sammlungen zur Bergbaugeschichte verfügen, präsentieren in den beeindruckenden Räumen der Mischanlage der Kokerei Zollverein die vielschichtige und faszinierende Geschichte der Kohle in Europa: ihre Förderung und Nutzung und die vielfältigen Auswirkungen bis in den Alltag hinein. Zudem bietet sich dem Deutschem Bergbau-Museum Bochum durch die Gemeinschaftsausstellung auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein die Möglichkeit, auch 2018 präsent zu sein: Nach der seit 2016 begonnenen Sanierung des Hauses und der Neugestaltung der Dauerausstellung soll diese im Dezember 2018 wiedereröffnet werden.

Ausstellungsplakat „Das Zeitalter der Kohle“. © Stiftung Ruhr Museum und Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Die Ausstellung „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“ behandelt den Zeitraum von ca. 1750 bis heute. Ausgangspunkt ist die Kohle selbst, ihre Stofflichkeit, die gespeicherte Sonnenenergie, die nicht nur das Industriezeitalter befeuerte, sondern in Form der Kohlechemie zunächst die Nachahmung und dann die künstliche Neuerschaffung der Welt möglich machte. Die Steinkohlenförderung in Europa brachte eine ganz spezifische Form der Arbeit und damit verbunden große technische, organisatorische und ökonomische Entwicklungen mit sich. In engem Zusammenhang damit steht die Frage nach dem Verhältnis von Kohle, Bergbau und der Entwicklung der demokratischen Industriegesellschaft. Die Ausstellung widmet sich zudem den Arbeitsbedingungen, thematisiert die Mitbestimmung in den Betrieben, die Teilhabe am gesellschaftlichen Fortschritt und die Entwicklung des europäischen Einigungsprozesses, angestoßen durch die Kohle und die Montanindustrie. Abschließend beleuchtet sie das Erbe des Steinkohlenbergbaus und die Hinterlassenschaften der Kohlenutzung , wie etwa die Naturzerstörung durch Bergsenkungen, Überschwemmungen, Rauch und Gase, die Veränderungen der Landschaft und den Ausstoß von CO2, aber auch die gesellschaftlichen Folgen des Strukturwandels und die Entstehung von Industriekultur.

Grubenfahrt Zeche Carl Funke, Juli 1952, Essen-Heisingen. © Ruhr Museum, Foto Josef Stoffels

Präsentiert werden rund 1.200 Exponate, vor allem aus den Beständen des Deutschen Bergbau-Museums Bochum (300) und des Ruhr Museums (200), sowie von 160 regionalen, nationalen und internationalen Leihgebern. Für die Ausstellungsgestaltung konnte das renommierte Büro SPACE4 aus Stuttgart gewonnen werden, das u. a. die im September 2014 eröffnete Dauerausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster gestaltet hat.

Letzte (reguläre) Schicht bei der Ausfahrt, Schachtanlage Zollverein, Essen, 23. Dezember 1986. © Ruhr Museum, Foto Manfred Vollmer


Der Ausstellungsort

Ausstellungsort ist die Mischanlage der ehemaligen Kokerei Zollverein, eines der spektakulärsten Gebäude auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein. Die gewaltigen Bunkeranlagen des ehemaligen Kohlespeichers, die der Ausstellungsparcours auf drei Ebenen erschließt, versinnbildlichen schon durch ihre Materialität und Monumentalität die visionären technischen Potentiale, aber auch die Gewalttätigkeit der industriellen Moderne. Bis zur Stilllegung der Kokerei 1993 diente die Mischanlage dazu, die für den Kokereiprozess bestimmten Kohlen zu sortieren. Die Mischanlage wurde bereits 1998 für die Abschluss­ver­anstaltung der Internationalen Bauausstellung Emscherpark 1999 – „Sonne, Mond und Sterne – Kultur und Natur der Energie“ – nach Plänen von Prof. Jürg Steiner (* 13. April 1950 in Zürich) umgebaut und ist mit der Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“, die wiederum von Prof. Jürg Steiner als Gestalter begleitet wurde, dauerhaft als Ausstellungsgebäude neu eröffnet worden. Nun wird der ehemalige Kohlespeicher zum Ort der großen Ausstellung „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“.

Standseilbahn

Die Besucherinnen und Besucher gelangen in die Ausstellung, indem sie vom südlich vorgelagerten Wiegeturm aus eine 150 Meter lange Fahrt mit einer Standseilbahn antreten. Sie folgen damit dem Weg der Anthrazit-, Fett- und Glasflammkohle, die vom Wiegeturm über die Bandbrücke nach oben auf die Verteilerebene kamen, dort sortenrein in die Bunker gefüllt und unten in der Trichterebene mit optimalem Mischungsverhältnis für die Kokerei wieder ausgefahren wurden.

Kokerei Zollverein, Verteilerebene der Mischanlage

Kokerei Zollverein, Bunkerebene der Mischanlage

Trichterebene der Mischanlage auf der Kokerei Zollverein, „Stairway to Heaven“

„Das Zeitalter der Kohle“, Ausstellungsleitung: v. l. n. r. Franz-Josef Brüggemeier, Heinrich Theodor Grütter und Michael Farrenkopf

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Kultur- und Veranstaltungsprogramm begleitet. Dazu gehört eine hochkarätige Vortragsreihe zum Steinkohlenbergbau aus europäischer Perspektive, die im Deutschen Bergbau-Museum Bochum stattfinden wird. Ergänzt wird das Programm durch eine umfangreiche Reihe zum Steinkohlenbergbau im europäischen Film in Kooperation mit der Kinemathek im Ruhrgebiet. Hinzu kommt ein breites Exkursionsprogramm zu den Originalstätten des Steinkohlenbergbaus nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch in den benachbarten Revieren, wie im Aachener Revier und im Saarland sowie zu den bergbaulichen Welterbestätten in Elsass-Lothringen, im Hennegau und in Nord-Pas-de-Calais. Vielfältige Führungen und Workshops für Schulklassen runden das umfangreiche Programm ab.

Die Ausstellung „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“ ist vom 27. April bis 11. November 2018 täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt 10 €, ermäßigt 7 €, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren sowie Schüler- und Studierendengruppen im Rahmen einer Führung haben freien Eintritt. Das Ruhr Museum wird im „Kohlejahr 2018“ außerdem die beiden Sonderausstellungen „Josef Stoffels. Steinkohlezechen – Fotografien aus dem Ruhrgebiet“ (22. Januar bis 2. September 2018) und „Albert Renger-Patzsch. Ruhrgebietslandschaften“ (8. Oktober 2018 bis 3. Februar 2019) in der Kohlenwäsche zeigen. In Kooperation mit der Stiftung Ruhr Museum zeigt das LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte in Oberhausen vom 6. Juli 2018 bis 22. September 2019 „Zechen im Westen“ mit Fotografien aus den Beständen des Ruhr Museums und des LVR-Industriemuseums.

Die Ausstellungen sind Bestandteil des Veranstaltungsprogramms der Initiative „Glückauf Zukunft!“. Mit „Glückauf Zukunft!" würdigen die RAG-Stiftung, die RAG Aktiengesellschaft und die Evonik Industries AG zusammen mit dem Sozialpartner IG BCE die Errungenschaften und Leistungen des deutschen Steinkohlenbergbaus. Weitere Informationen unter www.glueckauf-zukunft.de. Dort ist auch das Veranstaltungsprogramm online einsehbar.