Sonntag, 25. Dezember 2016

Sonderausstellungen 2017

Auch im kommenden Jahr zeigen die Museen wieder zahlreiche Sonderausstellungen. Dabei reicht das Spektrum von der „Revolution Jungsteinzeit“ über die Reformation im Ruhrgebiet bis hin zu Henry Moore und zur Energiewende.

LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach, Bergisch Gladbach

In China ist Papier nicht nur vor über 2000 Jahren erfunden worden, sondern es spielt dort bis heute bei den Ritualen zum Tod von geliebten Menschen eine wichtige Rolle. Dinge, die der Verstorbene für ein gutes Leben im Jenseits braucht, werden ihm in Form von Nachbildungen aus Papier gesandt. Sie werden verbrannt und nehmen dabei den Weg in die Welt der Toten. Die Gaben orientieren sich an der Lebensweise und den Vorlieben des Verstorbenen – Kleidung und Speisen, Geld, aber auch Parfümflakons, Computer, Autos oder Musik­instrumente. Die Ausstellung Kleidung, Smartphone und Lieblingsspeise aus Papier. Wie die Chinesen ihre Liebe ins Jenseits senden zeigt vom 26. 12. März bis 17. Dezember 2017 die heutige Praxis dieses über 1000 Jahre alten Rituals und präsentiert zahlreiche papierene Opfergaben.


Museum Ostwall im Dortmunder U, Dortmund

Das Museum Ostwall im Dortmunder U widmet der international bekannten franko-amerikanischen Künstlerin Niki de Saint Phalle mit „Ich bin eine Kämpferin“: Frauenbilder der Niki de Saint Phalle vom 10. Dezember 2016 bis 23. April 2017 eine umfangreiche Ausstellung. Auf einer Ausstellungsfläche von 1.000 m² in der 6. Etage des Dortmunder U veranschaulichen Skulpturen, Lithographien, Zeichnungen sowie Foto- und Filmmaterial den Besuchern die verschiedenen Facetten ihres Lebens und Werks.


LWL-Industriemuseum Zeche Zollern, Dortmund

Die Ausstellung Erich Grisar. Ruhrgebietsfotografien 1928 – 1933 präsentiert vom 24. Februar bis 8. Oktober 2017 Fotografien des Dortmunder Schriftstellers Erich Grisar, die überwiegend in seiner Heimatstadt entstanden sind. Sie zeigen das Revier der späten 1920er-Jahre, den städtischen Alltag, die harte körperliche Arbeit und die Siedlungen mit den mächtigen Industrieanlagen im Hintergrund. Zusätzlich sind Bilder namhafter Fotografen wie August Sander, Albert Hennig und Heinrich Zille zu sehen. Ergänzt wird die Präsentation durch Arbeiten von Dortmunder Schülern, die sich – inspiriert von Erich Grisars Fotografien – mit Alltag und Heimat auseinandersetzen. Die Ausstellung ist ein Kooperations­projekt von LWL-Literaturkommission, Stadtarchiv Dortmund, Fritz-Hüser-Institut, Stiftung Geschichte des Ruhrgebietes, Ruhr Museum, LWL-Industriemuseum Zeche Zollern und den beteiligten Schulen.


Ruhr Museum, Essen

Der geteilte Himmel. Reformation und religiöse Vielfalt an Rhein und Ruhr lautet der Titel einer großen Ausstellung im Essener Ruhr Museum, die am 3. April 2017 startet. Die Schau zeigt bis zum 31. Oktober 2017 die Entwicklung der Religionen und Konfessionen an Rhein und Ruhr vom Spätmittelalter bis heute auf. Knapp 1.000 zum Teil erstmals gezeigte Exponate aus über 150 Museen, Kirchen, Bibliotheken und Archiven veranschaulichen die politischen, sozialen und kulturellen Aspekte dieser Geschichte. Die Ausstellung ist der Höhepunkt des gemeinsamen Programms von Forum Kreuzeskirche Essen, Martin Luther Forum Ruhr und Ruhr Museum zum 500. Reformationsjubiläum.


LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen

Bier für das Ruhrgebiet, Schnaps für Westfalen – was ist dran an den regionalen Vorlieben für spezielle Getränke? Mit zahlreichen Exponaten, Fotos und Dokumenten zeichnet die Sonderausstellung „Zum Wohl! – Getränke zwischen Kultur und Konsum“ vom 6. Mai 2016 bis 17. April 2017 eine „Landkarte“ der Trinkkultur nach. Wasser, Schnaps, Bier, Limonade, Milch, Tee und Kaffee – das sind die Getränke, die in den letzten 150 Jahren Westfalen-Lippe prägten. Die Ausstellung beleuchtet die Prozesse der industriellen Produktion sowie die gesellschaftlichen Zuschreibungen und Konjunkturen der Getränke, die wir (fast) täglich zu uns nehmen. Welche Rolle spielen Getränke in unserem Alltag, wie haben sich Trinkgewohnheiten in den letzten Jahrhunderten verändert? Die Ausstellung „Zum Wohl! – Getränke zwischen Kultur und Konsum“ ist vom 7. Mai 2017 bis 14. Januar 2018 im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop zu sehen.

„Technophobia“: „Wohin kommen wir? Wohin gehen wir? II“, Ton, Schwarzbrand, und „Wohin kommen wir? Wohin gehen wir? I“, gebrannter Ton

Anlässlich der Eröffnung des historischen „Gebläsehauses“ präsentiert die Henrichshütte Hattingen in der Sonderausstellung Technophilia – Gerhard Hahn in der Henrichshütte Hattingen vom 13. September 2016 bis 26. Februar 2017 Objekte aus Keramik und Eisen des Ingenieurs und Künstlers Gerhard Hahn. Seine Arbeiten verknüpfen die in aller Regel getrennten Ebenen menschlichen Schaffens: hier das anonym erzeugte Industrieprodukt, dort das authentische Kunstwerk.


LWL-Museum für Archäologie, Herne

Kein Land in Südostasien hat in den letzten Jahrzehnten so viele Ausgrabungen durchgeführt, so viele Museen gebaut wie Vietnam. Anhand der archäologischen Entdeckungen der vergangenen sechs Jahrzehnte begibt sich der Besucher in der Sonderausstellung Schätze der Archäologie Vietnams vom 7. Oktober 2016 bis 26. Februar 2017 auf eine faszinierende Reise durch mehr als zehn Jahrtausende Kulturgeschichte Vietnams von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Aus acht Museen des Landes hat die Sonderausstellung archäologische Kostbarkeiten zusammengeführt: älteste Steinzeitfunde, Beispiele exzellenten Bronzehandwerks und Goldobjekte. Sie stammen aus bizarren Höhlen-Landschaften, aus Gräbern versteckt im Dschungel, aus Siedlungen in Flusstälern und Hochebenen.

„Schätze der Archäologie Vietnams“, Siegelstempel des Kaisers Minh Mạng aus Gold, 4,731 kg, Fundort Huế, 1827, Hà Nội, Nationalmuseum für die Geschichte Vietnams

Die Sonderausstellung REVOLUTION jungSTEINZEIT stellt vom 3. Juni 24. Mai bis 22. Oktober 2017 eine der faszinierendsten Epochen der Menschheitsgeschichte vor und erklärt die Anwendung modernster Methoden in der Archäologie. 2,5 Millionen Jahre lebte der Mensch als Jäger und Sammler. Mit dem Ende der letzten Eiszeit vollzog sich jedoch ein fundamentaler Wandel: Der Mensch wurde sesshaft und begann, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Diese jungsteinzeitliche Revolution ist für die Menschheits­geschichte noch bedeutender als die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts.


Stiftung Kloster Dalheim, Lichtenau

Zum Auftakt des 500. Reformationsgedenkens widmet sich die Stiftung Kloster Dalheim mit der Sonderausstellung Luther. 1917 bis heute im LWL-Landesmuseum für Klosterkultur vom 31. Oktober 2016 bis 12. November 2017 der Figur Martin Luther in der jüngeren Geschichte und zeigt, was den Reformator bis heute zu einer Schicksalsfigur der Deutschen macht.


Neanderthal Museum, Mettmann

Noch bis zum 23. April 2017 ist die Sonderausstellung PLAYMOBIL-Spielgeschichte(n) mit detailreichen Szenen aus der Geschichte der Menschheit zu sehen. Die Besucher können in die Welt des Alten Roms blicken, Ritterturniere und mittelalterliches Stadtleben erleben und Piraten auf ihren Raubzügen sehen. PLAYMOBIL-Archäologen werden auf ihrer Forschungssafari begleitet, Astronauten weisen den Weg ins All. Außerdem laden Spieltische dazu ein, eigene Szenarien zu kreieren. Zu sehen sind historische Themenwelten, die der Hamburger Künstler Oliver Schaffer individuell und eigens für die Ausstellung vor Ort aufgebaut hat. Oliver Schaffer hat seit seiner Jugend über 20.000 PLAYMOBIL-Figuren zusammen getragen und ist ein Sammler der ersten Stunde.

„PLAYMOBIL-Spielgeschichte(n)“: „Das alte Rom“

In der Sonderausstellung Zwei Millionen Jahre Migration werden vom 13. Mai bis 5. November 2017 die unterschiedlichen Wurzeln der Menschen aus Afrika oder Westasien beleuchtet. Die Ausstellung verdeutlicht, dass Migration kein modernes Phänomen ist, sondern selbstverständlicher Bestandteil des Menschseins. Menschen waren zu allen Zeiten mobil. Auf der Suche nach Nahrung, Wasser und anderen Ressourcen haben sie sich stets sowohl kleinräumig bewegt als auch andere Regionen und Kontinente besiedelt.


LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, widmet Henry Moore (1898 – 1986) vom 11. November 2016 bis 19. März 2017 eine umfangreiche Werkschau. Niemand sonst hat die Bildhauerei der Nachkriegszeit so sehr geprägt, so radikal neu entwickelt und dabei viele europäische Künstler inspiriert. Es war vor allem sein Spagat zwischen Figuration und Abstraktion, der seine Sonderstellung bestimmte. 120 Arbeiten von Henry Moore und 16 weiteren Künstlern zeigen in der Sonderausstellung Henry Moore. Impuls für Europa in vier Kapiteln – die Liegende, Helme, Köpfe und Masken, Figuren und Abstraktionen – die Wechselbeziehungen der Künstler: die Inspirationen, die auf Henry Moore einwirkten und die von ihm ausgingen.

Seit 1977 finden im regelmäßigen Turnus von 10 Jahren die international ausgerichteten Skulptur Projekte Münster statt. Für die Skulptur Projekte entwickeln die beteiligten Künstler ortsbezogene Arbeiten in unterschiedlichen Medien – Materialien der klassischen Bildhauerei genauso wie temporäre Installationen und Performances – mit denen sie sich in die baulichen, historischen und gesellschaftlichen Kontexte der Stadt Münster einschreiben. Gleichzeitig weisen die Projekte weit über den konkreten Ort hinaus: Themen der globalen Gegenwart und Reflexionen über zeitgenössische Begriffe von Skulptur fließen in die künstlerischen Auseinandersetzungen genauso mit ein wie Fragen zum Verhältnis von öffentlichem und privatem Raum in Zeiten zunehmender Digitalisierung. Die Bedeutung der Ausstellung ist vergleichbar mit der documenta in Kassel. Die nächsten Skulptur Projekte finden vom 10. Juni bis 1. Oktober 2017 statt.


Gasometer Oberhausen

Bis zum 30. November 2017 ist im Gasometer Oberhausen die Ausstellung Wunder der Natur über die schöpferischen Kräfte der Tiere und Pflanzen zu sehen. In zehn Kapiteln erzählt sie von ungewöhnlichen sinnlichen Fähigkeiten und genialen Strategien im Kampf ums Dasein, von der Vielfalt der sexuellen Rituale, dem Reichtum sozialer Beziehungen und dem Vermögen, mit anderen Arten zusammen zu leben. Als Höhepunkt der Ausstellung schwebt im 100 Meter hohen Luftraum des Industriedenkmals eine Erdkugel mit 20 Metern Durchmesser. Seit ihrer Eröffnung am 11. März 2016 haben mehr als 750.000 Besucher die Ausstellung gesehen.

Erdskulptur im Gasometer Oberhausen


LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg, Oberhausen

Stahl ist ein vielseitiger Werkstoff, dessen Einsatz­möglich­keiten stetig weiterentwickelt werden. Die besten Innovationen der Stahlbranche werden alle drei Jahre im Rahmen des von der Wirtschaftsvereinigung Stahl veranstalteten „Stahl-Innovationspreises“ ausgezeichnet und im Rahmen einer Wanderausstellung präsentiert. 578 Projekte sind 2015 eingereicht worden, 13 Projekte in den Kategorien „Produkte aus Stahl“, „Forschung und Entwicklung“, „Stahl im Bauwesen“ und „Stahl-Design“ wurden ausgezeichnet, den Sonderpreis „Klimaschutz mit Stahl“ erhielt das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (Chemnitz) für die Entwicklung einer Fertigungskette für Strömungsprofile aus höherfestem Stahlblech für Windkraftanlagen. In der Ausstellung Stahl­innovations­preis 2015 sind die Gewinner des Jahres 2015 anhand von Fotos und Exponaten vom 1. Februar bis 30. April 2017 zu sehen.

Edelstahl-Fassade der „Kita Miniapolis“ in 3D-Optik, Stahl-Innovationspreis 2015 in der Kategorie „Stahl im Bauwesen“

2018 schließt die letzte Steinkohlenzeche Deutschlands. Dieses Ereignis hat Symbolcharakter in Zeiten der „Energiewende“ und ist für das LVR-Industriemuseum Anlass, nicht nur einen Rückblick auf die deutsche Steinkohle zu werfen, sondern Möglichkeiten, Chancen und Risiken des Wandels von Energiesystemen umfassend zu betrachten. Bezugsraum ist die Region an Rhein und Ruhr. Hier schlägt seit 200 Jahren das Herz des deutschen Energiesystems, hier wurden Machtkämpfe um Kohle, Öl, Strom und Kernkraft ausgetragen. Aber auch globale Aspekte der Energie, insbesondere auch parallele Energiewenden in anderen Ländern, werden in der Ausstellung „Energiewenden – Wendezeiten“ vom 20. Oktober 2017 bis 28. Oktober 2018 vorkommen.


LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford, Ratingen

Das weibliche Bein mit hauchzartem Strumpf gilt bis heute als Inbegriff des sinnlich Begehrenswerten. Die Ausstellung Deutsche Strumpfdynastien. Maschen, Mode, Macher nimmt die Besucher vom 21. Mai bis 23. Dezember 2017 mit auf eine packende Zeitreise durch 150 Jahre Strumpfmode – vom verführerischen Nylonstrumpf bis zur bequemen Socke. Sie erzählt die Geschichte des Strumpfes nicht nur aus mode- und kulturhistorischer Perspektive, sondern nimmt auch berühmte Hersteller in den Blick. Mitmachstationen laden Jung und Alt ein, so manches Geheimnis rund um den Strumpf aufzudecken: Wissen Sie, wie viele Kilometer eine Socke zurücklegt? Und wohin verschwinden eigentlich die Strümpfe in der Waschmaschine?


LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs, Solingen

Noch bis 25. Juni 2017 widmet sich die Sonderausstellung Die Welt im Kleinen – Baukästen aus der Sammlung Griebel der Geschichte des Baukastens im 20. Jahrhundert. Im Mittel­punkt der Ausstellung stehen neben Holz-, Stein- und Kunststoff­bau­kästen vor allem die faszinierenden Metall­bau­kästen und Modelle namhafter Hersteller wie Märklin, Trix, Stabil oder Meccano aus der Sammlung der Kölner Familie Griebel.

„Die Welt im Kleinen – Baukästen aus der Sammlung Griebel“, Cabrio mit Wohnwagen, Meccano, um 1920

Vom 8. September 2017 bis 25. März 2018 nähert sich die Ausstellung „Arbeitswelt und Industrialisierung in Anatolien“ dem Thema Industrialisierung mit dem Medium der Kunst. Junge türkische Künstler werfen einen Blick auf ihr Land, das sich in einem fortgeschrittenem Industrialisierungsstadium befindet. Dabei werden beispielsweise Auswirkungen der Modernisierung, der Arbeitsbedingungen oder der Umweltzerstörung aufgegriffen.


LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall, Witten

1977 endete der Einsatz von Dampflokomotiven bei der Deutschen Bundesbahn. Die Faszination für die majestätischen Schienenfahrzeuge ist bis heute geblieben. In den Schwarz-Weiß-Fotografien von Thomas Pflaum und Gerd Lübbering wird der Dampflok-Betrieb des vergangen Jahrhunderts wieder lebendig. Auf ihren Reisen durch Deutschland und Österreich entstanden eindrucksvolle Aufnahmen aus den letzten Betriebsjahren der rauchenden Lokomotiven, die in der Sonderausstellung Dampfzeit – Als die Loks noch rauchten vom 2. September 2016 bis 1. Oktober 2017 zu sehen sind.


LVR-RömerMuseum im Archäologischen Park Xanten

Die bis 18. Juni 2017 verlängerte Sonderausstellung Wasser für Roms Städte im LVR-RömerMuseum gibt verblüffende Einblicke in die Welt der Aquädukte als Meisterwerke der römischen Baukunst und des technischen Fortschritts.

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