Samstag, 30. Januar 2016

2016 ist das offizielle „Jahr der Trinkhalle“

Die Metropole Ruhr feiert ihre Buden-Kultur

Die kleine „Bude umme Ecke“, die wie kaum eine andere Institution für die Lebensweise der Menschen im Ruhrgebiet steht, wird gewürdigt, in den Fokus gerückt und mit außergewöhnlichen Events und Programmpunkten kulturell bespielt. Der 1. Kioskclub 06 erklärt 2016 zum Jahr der Trinkhalle: Die Metropole Ruhr feiert ihre Buden-Kultur. Das vielfältige Programm wurde vergangene Woche in Bochum vorgestellt: Die bewährte Trinkhallen-Tour-Ruhr bespielt die Buden mit guter Jazz-Musik, rund 250 Old- und Youngtimer werden zur ersten Budentour an über 50 Stops quer durchs Ruhrgebiet erwartet (23. bis 25. September 2016, www.oldtimer-budentour.de), Sonderausstellungen in den LWL-Industriemuseen Zeche Hannover in Bochum (14. August bis 2. Oktober 2016) und der Henrichshütte Hattingen („Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum“, 6. Mai 2016 bis 26. März 2017) stehen ebenso auf dem Programm wie eine Kioskwallfahrt oder der erste Tag der Trinkhallen am 20. August 2016.

Die originale historische Trinkhalle von Emmy Olschewski aus dem Jahr 1921 in der Ausstellung „Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum“

Die Bude – ein Ort mit Geschichte: Entstanden mit der Industrialisierung, siedelten sich die ersten Trinkhallen im Ruhrgebiet oft vor den Werkstoren der Kohlezechen und Stahlwerke an. Ursprünglich als Verkaufsstellen für Mineralwasser gedacht, um die Arbeiter vom Alkoholkonsum abzubringen, sind die heute schätzungsweise über 15.000 Trinkhallen im Ruhrgebiet unkonventionelle Stadtteil-Treffpunkte und lokale (Not-)Versorgung zugleich. Als „Dorfplatz der Großstadt“ laufen in den Kiosken oft Fäden zusammen: Man kann sein Herz ausschütten, über Weltpolitik diskutieren und weiß Bescheid über freie Wohnungen und vermisste Katzen. Durch die rund um die Uhr geöffneten Tankstellenshops und das erweiterte Ladenschlussgesetz mit Öffnungszeiten bis Mitternacht erwächst den Trinkhallen jedoch zunehmend Konkurrenz. 150 Jahre nach dem Entstehen der ersten Trinkhallen im Ruhrgebiet soll daher dieser Kiosk-Kultur durch das „Jahr der Trinkhalle“ ein Zeichen gesetzt werden.

Trinkhalle; © Ruhr Tourismus/Stefan Ziese

Freitag, 29. Januar 2016

Theater Hagen: Richard O´Brien´s „The Rocky Horror Show“

Richard O´Brien´s „The Rocky Horror Show“; Musik, Gesangstexte und Buch: Richard O´Brien; Inszenierung: Holger Hauer; Choreografie: Ricardo Fernando; Ausstattung: Sandra Fox; Lichtdesign: Achim Köster; Dramaturgie: Thilo Borowczak; Musikalische Leitung: Steffen Müller-Gabriel. Besetzung: Klaus Nierhoff (Erzähler), Jan Schuba (Brad Majors), Tanja Schun (Janet Weiss), Henrik Wager (Frank´n´Furter), Guildo Horn (Riff Raff), Marilyn Bennett (Magenta), Ellen Kärcher (Columbia), Tillmann Schnieders (Rocky Horror), Richard van Gemert (Eddie), Werner Hahn (Dr. Everett Scott), Opernchor des theaterhagen, balletthagen, Statisterie des theaterhagen, Die Orthopädischen Strümpfe. Uraufführung: 19. Juni 1973, The Royal Court Theatre Upstairs, London. Deutschsprachige Erstaufführung: 20. Januar 1980, Grillo-Theater, Essen. Premiere: 14. Januar 2012, Wiederaufnahme: 26. Januar 2016, Theater Hagen, Großes Haus



Richard O´Brien´s „The Rocky Horror Show“


„Let´s do the Time Warp again“ and again and again…


Sechs Jahre nach „Hair“ (Uraufführung 17. Oktober 1967, Anspacher Theatre, New York) entstand in London die makaber-unkonventionelle Show „The Rocky Horror Show“ – eine irrwitzige Parodie auf Horror- und Science-Fiction-Filme, Transvestiten, kleinbürgerliches Spießbürgertum und Rock´n´Roll-Musik der 1950er und 1960er Jahre. Und obwohl diese stellenweise die Grenzen des guten Geschmacks überschritt, wurde sie nach der Premiere auf der Studiobühne des Royal Court Theatres in London und mehrfachem Theaterwechsel allein in England 2.960 Mal aufgeführt. Am Broadway (Premiere 10. März 1975, Belasco Theatre) geriet das Werk mit nur 45 Vorstellung zu einem veritablen Flop, obwohl es zuvor am Roxy Theatre in Los Angeles (Premiere 24. März 1974) neun Monate erfolgreich gezeigt wurde, entwickelte sich aber seit der Verfilmung als „The Rocky Horror Picture Show“ (1975) zu einem international erfolgreichen Kult-Musical, das Dank seiner unverhohlenen Botschaft und der exzessiv-voyeuristischen Präsentation eine vorwiegend jüngere Fangemeinde gefunden hat. Seine Faszination und Wirkung auf das Publikum sind unvergleichlich. Auch bei Theateraufführungen kommt es immer wieder vor, dass nach ihren Vorbildern bizarr kostümierte und geschminkte Fans mit ihren Kommentaren und Mitmach-Aktionen die Show zu einem übermütigen Bühnen-Spektakel werden lassen.

Tanja Schun (Janet Weiss) und Jan Schuba (Brad Majors). Foto Klaus Lefebvre, © theaterhagen

Den Wissenschaftler Dr. Frank N. Furter als exzentrisch zu bezeichnen, wäre noch untertrieben. Die Wirkung seiner hemmungslosen Gier nach seelischer und körperlicher Erfüllung erleben die frisch und vorerst glücklich verlobten Brad Majors und Janet Weiss nach einer schicksalhaften Reifenpanne an einem verregneten Herbstabend. In dem Schloss, in dem sie nach Hilfe suchen, erleben sie statt des erhofften Telefongesprächs die Nacht ihres Lebens. Kaum haben sie sich mit der verstörenden Tatsache arrangiert, von Außerirdischen des Planeten Transsexual aus der Galaxie Transylvania umgeben zu sein, müssen sie die Geburt des unwiderstehlichen Retortenwesens Rocky miterleben. Im Laufe der folgenden Feierlichkeiten erlebt das Paar Verführungen, die jede Vorstellung sprengen, die ihr Bewusstsein in ungeahnte Galaxien schicken, sie zu neuen Menschen machen. Als der an den Rollstuhl gefesselte Wissenschaftler Dr. Everett Scott auf der Suche nach seinem vermissten Neffen Eddie im Schloss auftaucht, wittert Frank ein Komplott gegen ihn, fesselt die drei Besucher elektronisch an den Boden und inszeniert ein groteskes Bühnen-Happening. Das makabere Geschehen kommt zu einem abrupten Ende, als Riff Raff als Oberhaupt der Außerirdischen und Magenta in Raumanzügen auftauchen und Frank wegen seiner übermäßigen Dekadenz töten. Während die Außerirdischen bereits ins galaktische Transylvanien abheben, können Brad und Janet soeben noch entkommen.

Guildo Horn (Riff-Raff), Henrik Wager (Frank´n´Furter), Ellen Kärcher (Columbia), Marilyn Bennett (Magenta). Foto Klaus Lefebvre, © theaterhagen

Vier Jahre nach der Premiere am 14. Januar 2012 am Theater Hagen feierte Richard O´Brien´s „The Rocky Horror Show“ mit Guildo Horn und seiner Band „Die Orthopädischen Strümpfe“ am 26. Januar 2016 daselbst mit lediglich marginalen Umbesetzungen Wiederaufnahme, Klaus Nierhoff spielt anstelle von Orlando Mason den Erzähler, Jan Schuba anstelle von Jeffery Krueger (Brad Majors), und Ellen Kärcher anstelle von Susanna Mucha (Columbia). Ein gut gefülltes Auditorium rechtfertigt die Entscheidung, das Kultmusical auch in der vierten Spielzeit an sieben Terminen auf den Spielplan zu setzen. Unabhängig vom Geschehen auf der Bühne scheint es in Hagen viele Wiederholungstäter zu geben, die den Theaterbesuch nutzen, um exzessiv dem Anarchismus zu frönen und den Theatersaal in einen richtigen Saustall zu verwandeln: In der Ansage vor Beginn der Vorstellung wird explizit zum Gebrauch von Wasserpistolen und Toilettenpapier sowie zum Werfen von Reis aufgefordert, wofür der „The Transylvanian Observer“ betitelte Programmzettel zwar keine Gebrauchsanweisung bereithält, aber Fans wissen natürlich traditionell, an welchen Stellen der Show Reis zu werfen ist, und an welcher ganze Rollen Toilettenpapier. In Hagen scheint man offensichtlich keine Angst um den altehrwürdigen Theatersaal zu haben, und so kann man bereits vor der Vorstellung beobachten, wie im Rang mächtig aufgerüstet wird und das Parkett dementsprechend bereits zur Pause wie ein Schlachtfeld aussieht. Beim „Time Warp“ scheint dagegen selbst in der vierten Spielzeit erheblicher Nachhilfebedarf zu bestehen, lediglich ganz vereinzelt wird im Auditorium mitgetanzt. Möglicherweise liegt das ja einfach an der fehlenden visuellen Anleitung durch den Erzähler in der Hagener Produktion. So mag zwar mit dem „Time Warp“ der größte Hit des Musicals für Guildo Horn (Riff Raff) zu bleiben, aber der Funke springt einfach nicht über. Dessen scheint man sich womöglich auch bewusst zu sein, denn als Zugabe gibt es nicht nochmals den „Time Warp“, sondern „I´m Going Home“ von Henrik Wager (Frank´n´Furter).

Tillmann Schnieders (Rocky) und Ensemble. Foto Klaus Lefebvre, © theaterhagen

Tatsächlich hat man in der Inszenierung von Holger Hauer häufig den Eindruck, der Regisseur wolle mit seinem Kreativteam eine eigene Handschrift entwickeln und sich ganz bewusst von der übermächtigen Vorlage des Originals distanzieren, leider nicht immer zum Vorteil des Geschehens auf der Bühne. Das Bühnenbild von Ausstatterin Sandra Fox wird von schwarzen und weißen Streifen dominiert, und ihre Kostüme im Look der 1970er-Jahre – ursprünglich hatte Richard O´Brien die Handlung in den fünfziger Jahren angesiedelt – passen zwar zur Entstehungszeit des Musicals, sind aber für mein Empfinden eine Spur zu bieder ausgefallen. Den Appell zur sexuellen Befreiung („Don’t dream it – be it!“) sucht man hier vergebens. Ebenfalls nicht besonders mutig wirkt die Choreografie von Ricardo Fernando, in der das Ballett des Theaters Hagen in Erscheinung tritt, wobei auf eben jene Stepptanz-Nummer im „Time Warp“ verzichtet wird, in der Columbia solistisch im Vordergrund steht. Das alles kann dem Mitmach-Spaß nicht allzu viel anhaben, und von der Regie hinzugefügte Pointen wie beispielsweise die Bohr­maschine, die Orlando Mason (Erzähler) als Reaktion auf die „Boring“-Masche im zweiten Akt voller Unverständnis hervorholt, sind allemal für einen Lacher gut.

Guildo Horn (Riff-Raff) und Marilyn Bennett (Magenta). Foto Klaus Lefebvre, © theaterhagen

Im gesamten Ensemble sind glücklicherweise keine Ausfälle zu verzeichnen. Ohne damit die Leistung der übrigen Darsteller schmälern zu wollen, seien an dieser Stelle Henrik Wager als dekadenter Transvestit Frank´n´Furter, Jan Schuba und Tanja Schun als Brad Majors und Janet Weiss, Guildo Horn als Butler Riff Raff und Tillmann Schnieders als Rocky Horror genannt. Henrik Wager erinnert mit der gewaltigen Haarpracht im Afro-Look an den jungen Michael Jackson und spielt seine Rolle deutlich weniger schrill als Tim Curry, Jan Schuba und Tanja Schun geben ein herrlich spießiges Paar ab, Janet erinnert nach ihrer Verwandlung allerdings eher an Sandy Dumbrowski aus „Grease“ als an einen sexbesessenen Vamp, Tillmann Schnieders kann – anders als Peter Hinwood, der Darsteller des Rocky in der „Rocky Horror Picture Show“, dessen Part vom australischen Sänger Trevor White synchronisiert wurde – auch gesanglich in seiner Rolle überzeugen. Guildo Horn lässt als grau geschminkte Butler von Anfang an erkennen, wie sehr Riff Raff das unmoralische Treiben im Schloss anwidert.

Henrik Wager (Frank´n´Furter). Foto Klaus Lefebvre, © theaterhagen

Der unterhaltsame Abend „funktioniert“ mit tollen Haupt­darstellern auch in der vierten Spielzeit am Theater Hagen, und das Publikum feiert diese nach zwei­ein­halb­stündiger Aufführung mit langanhaltendem Applaus. Richard O´Brien´s „The Rocky Horror Show“ steht am Theater Hagen noch bis zum 2. Juli 2016 mit sechs Folgevorstellungen auf dem Spielplan. Man darf gespannt sein, wie Johannes Reitmeier mit der übermächtigen Vorlage umgeht, dessen Inszenierung am 20. Februar 2016 im Musiktheater im Revier Premiere feiern wird.

Haben Sie selbst Richard O´Brien´s „The Rocky Horror Show“ am Theater Hagen schon gesehen? Wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?

130 Jahre Automobil

Am 29. Januar 1886 meldete Carl Friedrich Benz (* 25. November 1844 in Mühlburg, † 4. April 1929 in Ladenburg) sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an. Nach der Patentschrift DRP Nr. 37435 handelte es sich dabei um einen „kleinen Wagen nach Art der Tricycles“. Zum Antrieb heißt es: „Ein kleiner Gasmotor, gleichviel welchen Systems, dient als Triebkraft. Derselbe erhält sein Gas aus einem mitzuführenden Apparat, in welchem Gas aus Ligroin oder anderen vergasenden Stoffen erzeugt wird.“ Der 29. Januar 1886 kann daher als Geburtstag des Automobils angesehen werden. Daneben hatte Gottlieb Wilhelm Daimler (* 17. März 1834 in Schorndorf, † 6. März 1900 in Cannstatt) zusammen mit August Wilhelm Maybach (* 9. Februar 1846 in Heilbronn, † 29. Dezember 1929 in Stuttgart-Bad Cannstatt) einen Einzylinder-Viertaktmotor entwickelt, der im Oktober 1886 in eine von Wilhelm Wimpff gefertigte Kutsche eingebaut wurde, womit Gottlieb Daimler als Erfinder des vierrädrigen Kraftwagens gelten kann. Im August 1888 unternahm Bertha Benz (* 3. Mai 1849 in Pforzheim, † 5. Mai 1944 in Ladenburg) mit ihren Söhnen Richard und Eugen mit dem Patent-Motorwagen Modell III (einer Weiterentwicklung des Modells I mit zusätzlicher vorderer Sitzbank) die erste „Fernfahrt“ der Automobilgeschichte von Mannheim nach Pforzheim, was letzten Endes zu einer Steigerung der Verkaufszahlen führte. Die von Carl Benz 1883 gegründete Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim und die 1890 von Gottlieb Daimler gegründete Daimler-Motoren-Gesellschaft fusionierten 1926 zur Daimler-Benz AG.

Benz Patent-Motorwagen, 1886, Antrieb: 1-Zylinder-Benzinmotor, Hubraum: 954 cm³, Leistung: 0,55 kW (0,75 PS) bei 400 min -1, Höchstgeschwindigkeit: 16 km/h

Inzwischen sind seit der Patentanmeldung von Carl Benz 130 Jahre vergangen, niemand betankt mehr sein Auto mit Ligroin aus der Apotheke, und die Rohölpreise kennen seit Monaten nur eine Richtung, nach unten. Doch wenn dies zu einer Verminderung der Anstrengungen zur Verringerung des Ölverbrauchs und bei der Suche nach Alternativen zum Öl führt, so werden wir in ein paar Jahren alle dafür die Zeche zahlen. Es ist längst bekannt, dass seit der Einführung von Obergrenzen für den CO2-Ausstoß und damit den Spritverbrauch von Fahrzeugen durch die EU-Verordnung Nr. 443/2009 vom 23. April 2009 signifikante Abweichungen zwischen realem und offiziellem – im NEFZ gemessenem – Verbrauch auftreten, spätestens seit der Aufdeckung des VW-Abgasskandals durch das International Council on Clean Transportation (ICCT) hat jeder schon einmal davon gehört. Doch solange der Gesetzgeber nicht einschreitet und Messungen im realen Verkehr für die Typzulassung fordert, wird sich daran auch nichts ändern. So geht individuelle Mobilität immer auf Kosten aller, und womöglich werden irgendwann nur noch Fahrverbote in den Innenstädten helfen, ein Überleben der Menschen daselbst zu ermöglichen: Stuttgart löste im Januar 2016 erstmals Feinstaubalarm aus, der Apell an die Autofahrer, freiwillig auf ihr Auto zu verzichten, brachte aber nicht den gewünschten Erfolg. Und so kann man schon heute sagen, dass die Erfindung des Automobils Fluch und Segen zugleich ist.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Disneys Musical „Tarzan“ kommt nach Oberhausen

Das Dschungel-Spektakel ab November 2016 in der Neuen Mitte Oberhausen

Disneys Musical „Tarzan“ – nach der Geschichte „Tarzan of the Apes“ (1912) von Edgar Rice Burroughs und dem Disney-Zeichentrickfilm „Tarzan“ (1999); Musik, Lyrics: Phil Collins; Buch: David Henry Hwang; Deutsche Songtexte: Frank Lenart; Deutsche Dialoge: Ruth Deny; Regie, Ausstattung: Bob Crowley; Choreografie: Sergio Trujillo; Luftchoreografie: Pichón Baldinu; Licht: Natasha Katz; Ton: John H. Shivers; Musikalische Leitung: N. N. Darsteller: N. N. (Tarzan), N. N. (Jane), N. N. (Kala), N. N. (Kerchak), N. N. (Terk), N. N. (Professor Porter), N. N. (Clayton), N. N. (Tarzan als Kind) u. a. Uraufführung: 10. Mai 2006, Richard Rodgers Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 19. Oktober 2008, Theater Neue Flora, Hamburg. Premiere: November 2016, Metronom Theater, Oberhausen.

Tarzan, © Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Musicalfans wissen es bereits seit dem letzten Jahr, mit dem heutigen Vorverkaufstart soll es aber ganz NRW erfahren: Ab November 2016 wird nicht mehr die Kopie des Kronleuchters aus der Pariser Opéra Garnier Christine als Warnung vor die Füße stürzen, sondern dann werden Tarzan und die Bewohner des Dschungels durch das Auditorium des Metronom Theaters fliegen. Natürlich nicht am Kronleuchter, sondern an „Lianen“. Die Darsteller agieren nämlich nicht nur auf dem Bühnen­boden, sondern auch in der Luft, über den Köpfen des Publikums, beinahe im ganzen Theatersaal. Insgesamt gibt es während der Show 360 Flugeinsätze, das Fliegen an „Lianen“ ist elementarer Bestandteil der Show. Für Disneys Musical „Tarzan“ wurde von Aerial Designer Pichón Baldinu eigens ein Fluggeschirr entwickelt, das den Darstellern Rotationen von 360 Grad ermöglicht, während sie an Nylonseilen durch den Raum fliegen. Bis zu 30 Meter lang sind die Flugbahnen, die sie mit enormer Geschwindigkeit zurücklegen – hoch in der Luft und dicht über den Köpfen der Zuschauer. Die Grenzen zwischen Publikum und Bühne verschwimmen wie bei keiner anderen Show: Mit atemberaubender Luftakrobatik, überraschenden Lichteffekten, fantasievollen Kostümen und mitreißender Musik lässt Disneys Musical „Tarzan“ die Wunderwelt des Dschungels lebendig werden. Erzählt wird die legendäre Geschichte des jungen Lord Greystoke, der nach seinen Wurzeln sucht und dabei die große Liebe findet. Phil Collins komponierte bereits die fünf Songs „Son of Man“, „Trashin’ the Camp“, „Strangers Like Me“, „You’ll Be in My Heart“ und „Two Worlds“ für den gleichnamigen Disney-Zeichentrickfilm, der Soundtrack wurde mit einem Grammy Award ausgezeichnet, „You’ll Be in My Heart“ mit einem Golden Globe Award und einem Academy Award („Oscar“). Für das Musical schrieb Phil Collins neun zusätzliche Songs.

Tarzan und Jane, © Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Während Disneys „Tarzan – The Broadway Musical“ am Broadway der große Erfolg verwehrt blieb, die Show wurde nach 486 Aufführungen am 8. Juli 2007 abgesetzt und ging bei den Tony Awards 2006 gänzlich leer aus, wurde die deutschsprachige Erstaufführung ab dem 19. Oktober 2008 fünf Jahre bis zum 2. Oktober 2013 im Theater Neue Flora in Hamburg gezeigt und war damit nach Disneys „Der König der Löwen“ das zweiterfolgreichste Musical für Stage Entertainment in Hamburg. (Zwar wurde „Das Phantom der Oper“ vom 29. Juni 1990 bis 30. Juni 2001 11 Jahre im Theater Neue Flora gezeigt, aber bekanntlich noch unter der Ägide der Hamburger Unternehmensgruppe Stella.) Am 21. November 2013 folgte die Premiere im Apollo Theater Stuttgart, und im November 2016 wird Disneys Musical „Tarzan“ schließlich in der Metropole Ruhr Premiere feiern.

Jane, © Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Tarzans Geschichte ist weltberühmt und hat bis heute viele Generationen begeistert: Nach einem Schiffbruch nahe der Küste Afrikas wird der junge Lord Greystoke mit seinen Eltern an einen menschenleeren Strand gespült. Vater und Mutter werden Opfer eines Leopardenangriffs, und das Kind bleibt als Waise zurück. Das Gorilla-Weibchen Kala nimmt sich seiner an, zieht ihn in der Gemeinschaft der Affen groß und nennt das Kind schließlich Tarzan. Nicht allen ist er gleichermaßen willkommen. Clan-Oberhaupt Kerchak sieht ihn als Eindringling, der eine Gefahr für seinen Stamm darstellt. Und auch Tarzan spürt, dass seine Wurzeln eigentlich woanders liegen. Jahre später trifft eine Expedition im Dschungel ein und Tarzan – mittlerweile ein junger Mann – steht zum ersten Mal Menschen gegenüber. Unter ihnen ist die hübsche Jane. Diese Begegnung ist der Anfang einer großen Liebe, die sie schon bald vor die wichtigste Entscheidung ihres Lebens stellt.

Tickets ab 49,90 Euro (Kategorie 4 unter der Woche) bis 155,90 Euro (Kategorie 0 am Samstagabend) zzgl. Service- und Versandkosten für Vorstellungen ab dem 15. November 2016 sind ab sofort im Verkauf.

Mittwoch, 27. Januar 2016

Solinger Industriekultur – rund um das LVR-Industriemuseum

Die Klingenstadt Solingen ist das Zentrum der deutschen Schneidwarenindustrie, insbesondere bei der Herstellung von Klingen sind Unternehmen aus Solingen weltweit führend. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts bestimmte die Schneidwaren­industrie die gesamte Solinger Wirtschaft. Noch heute sind große Teile der deutschen Schneidwaren- und Besteck­branche in Solingen ansässig. Zur Zeit der Hoch­in­dustri­a­li­sierung hatten sich rund um den Solinger Hauptbahnhof die großen und führenden Unternehmen der Schneidwaren- und Metallindustrie angesiedelt. Die damalige Stadtrandlage bot gute Expansionsmöglichkeiten. Die Rheinchaussee am Grünewald war die Hauptverbindung zum bedeutenden Hitdorfer Rheinhafen und ab 1890 gab es einen Eisen­bahn­an­schluss. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts veränderten gewaltige Umstrukturierungsprozesse den Stadtteil. Viele Firmen mussten schließen und oft mehrere hundert Beschäftigte entlassen. Die Regionale 2006 machte sich deswegen zur Aufgabe, das Gebiet wieder zu einem lebendigen Ort für Arbeit, Wohnen und Freizeit zu entwickeln. Der frühere Hauptbahnhof nahe der Innenstadt wurde 2006 stillgelegt und durch die beiden neuen Haltepunkte Solingen Grünewald und Solingen Mitte ersetzt. Das ehemalige Bahnhofsgebäude wurde zur Regionale 2006 als Forum Produkt­design wiedereröffnet.

Ehemaliger Hauptbahnhof Solingen

Ehemaliger Hauptbahnhof Solingen, Bahnsteigbrücke

Museum Plagiarius im Südpark

Graffito am Südpark

Oberleitungsbus Berkhof Premier AT 18 am Haltepunkt Solingen Grünewald

Zwilling J. A. Henckels AG in Solingen-Höhscheid, Grünewalder Straße 14 – 22

Ehemaliges Verwaltungsgebäude der Firma Friedrich Herder Abraham Sohn, Grünewalder Straße 29 – 31

Eingang des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Firma Friedrich Herder Abraham Sohn, Grünewalder Straße 29 – 31

Grünewalder Straße, Gründer- und Technologiezentrum Solingen (links) und Zwilling J. A. Henckels AG (rechts)


Firma Friedrich Herder Abraham Sohn

Gründer- und Technologiezentrum Solingen im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma Friedrich Herder Abraham Sohn

Die 1993 endgültig geschlossene Firma Friedrich Herder Abraham Sohn war eine der ältesten Solinger Schneid­waren­fabriken überhaupt, am 27. Februar 1727 – dieser Tag galt fortan als das Gründungsdatum – wurde das Pick-Ass für Peter Herder als Warenzeichen reserviert. Später kamen noch das Gabelzeichen und der kreuzförmig angeordnete Doppelschlüssel hinzu. Am 13. Juni 1731 ließ sich der Solinger Messerschmied Peter Henckels den Zwilling als Handwerkszeichen in die Solinger Messer­macher­rolle eintragen.

Warenzeichen der Firma Herder: Pick-Ass, das Gabelzeichen und der kreuzförmig angeordnete Doppelschlüssel

Friedrich Herder, der das Geschäft 1839 von seinem Großvater Johann Abraham Herder (1761 – 1840) übernahm und 1841 auf den Namen Friedrich Herder Abraham Sohn umschreiben ließ, erwarb 1859 ein großes Grundstück an der Rheinchaussee gegenüber der Firma Henckels, ließ ein direkt an der Straße – der heutigen Grünewalder Straße – gelegenes Wohnhaus erweitern und errichtete etwas zurückliegend einen 1 1/2 geschossigen Fabrikbau. Ab 1888 übernahm Gustav Weyersberg (1869 – 1925) die Geschäftsführung, 1911 – 1913 wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg nach Plänen von Hermann vom Endt (* 18. Juli 1861 in Düsseldorf, † 27. September 1939 in Düsseldorf) an der Grünewalder Straße ein neues großes Verwaltungsgebäude errichtet, 1921 – 1923 folgte der Bau einer Kraftzentrale, in der ein großer Teil des in der Fabrik benötigten Stroms in Eigenproduktion erzeugt wurde. Als das Unternehmen 1927 sein 200-jähriges Jubiläum feierte, stand es mit 450 Beschäftigten auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Belegschaft bis zum Sommer 1946 zwar schon wieder auf 100 Personen angestiegen, in den folgenden Jahren wuchs sie auf 200 Beschäftigte, doch dem zunehmenden Preiswettbewerb bei rostfreien Schneidwaren hatte die Firma 1993 endgültig nichts mehr entgegenzusetzen und meldete Konkurs an. Sie wird seither als Friedrich Herder Abraham Sohn GmbH weitergeführt und verlegte die Produktions- und Ver­waltungs­räume 1995 in das Firmengebäude an der Obenitterstraße. Heute werden die erhaltenen Firmengebäude an der Grünewalder Straße von der Solinger Wirt­schafts­förderung als Gründer- und Technologiezentrum genutzt. Die Räumlichkeiten werden sowohl als Bürofläche als auch als vielseitiger Veranstaltungsraum für Seminare und Tagungen genutzt, eine Anmietung ist möglich.

Marmorne Schalttafel in der ehemalige Schaltzentrale der Firma Friedrich Herder Abraham Sohn

Ehemalige Schaltzentrale


Lieferkontor der Firma Friedrich Herder Abraham Sohn

Aufgang zum Lieferkontor der Firma Friedrich Herder Abraham Sohn

„Es ging dann rechts die Treppe hoch, eine Eichentreppe, die einen sehr imposanten Eindruck machte; im Vergleich zu anderen Lieferstuben war das da oben ein Palast. (…) Bei manchen Firmen waren die Lieferstuben regelrechte Verschläge. Ungeheizt, meist auch unsauber und so weiter“, beschrieb ein Schleifer in den 1930er-Jahren seine Eindrücke. Im Gründer- und Technologiezentrum Solingen ist das Lieferkontor im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma Friedrich Herder Abraham Sohn noch erhalten, wo früher die Rohwaren ausgegeben und die bearbeitete Ware kontrolliert und entlohnt wurde. Die Mehrzahl der Lieferanten waren Frauen, oft die Ehefrauen oder Töchter der Heimarbeiter. Die aufwendige Einrichtung mit Parkettfußboden, den Liefertheken für die verschiedenen Produkte, den Kassenschaltern und den eingepassten Bänken zeugt vom hohen Stellenwert, die der Heimarbeit zu der Zeit beigemessen wurde. Eine Ausstellung zeigt neben Elementen der originalen Einrichtung ausgewählte Objekte zur Geschichte der Firma Herder und der Liefertätigkeit. Das Lieferkontor kann im Rahmen der Bürozeiten des Gründer- und Technologiezentrums Solingen bei freiem Eintritt besichtigt werden, für Gruppen bietet das LVR-Industriemuseum Solingen Führungen an. Nähere Informationen unter www.gut-sg.de bzw. www.industriemuseum.lvr.de.

Lieferkontor der Firma Friedrich Herder Abraham Sohn

Lieferkontor der Firma Friedrich Herder Abraham Sohn

Lieferkontor der Firma Friedrich Herder Abraham Sohn

Lieferkontor der Firma Friedrich Herder Abraham Sohn

Lieferkontor der Firma Friedrich Herder Abraham Sohn

Lieferkissen, LVR-Indsutriemuseum Solingen


Das Kraftwerk der Firma Friedrich Herder Abraham Sohn

Kessel- und Maschinenhaus

Um Versorgungsengpässe bei der Energieversorgung zu beseitigen, wurde 1921 – 1923 ein Dampfkraftwerk errichtet, in dem ein großer Teil des in der Fabrik benötigten Stroms in Eigenproduktion erzeugt wurde. Dieses wollte Gustav Weyersberg als „Musteranlage“ errichtet haben, weshalb bei fast allen Angeboten die aufwendigste und meist auch teuerste Variante in Erwägung gezogen wurde. Mit der Lieferung der Dampfmaschine wurde die Sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann in Chemnitz beauftragt, die seit 1848 Dampflokomotiven baute. Der Hochdruckzylinder in der liegenden Einkurbel-Verbundanordnung hat einen Durchmesser von 425 mm, der Niederdruckzylinder einen Durchmesser von 750 mm, die gemeinsame Hublänge beträgt ebenfalls 750 mm. Die Konstruktion der Tandem-Verbundmaschine beruht auf einem Patent der Firma van den Kerchove in Gent und zeichnet sich durch besonders günstigen Dampfverbrauch aus. Die Maschine wird über je zwei auf den Zylindern sitzende Einlaß- und je zwei unter den Zylindern angebrachte Auslaßventile gesteuert. Auf der großen gefliesten Freifläche in der Maschinenhalle war eine zweite, völlig gleiche, jedoch spiegelbildlich angeordnete Maschine als Ausbaustufe der Kraftwerksanlage vorgesehen, die aber nie realisiert wurde, so dass die freie Fläche nur für Betriebsversammlungen und Feiern genutzt wurde. Drei Zweiflammrohrkessel im Kesselhaus versorgten die Maschine mit Dampf, wobei die für den Betrieb der Dampfmaschine erforderliche Leistung von nur einem Kessel lieferbar gewesen wäre.

Hartmann-Kerchhove-Dampfmaschine, Sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, Chemnitz, № 1866, 1921, mit Schwungradgenerator, Bergmann-Elektricitäts-Werke, A.-G. Berlin

Hartmann-Kerchhove-Dampfmaschine, Sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, Chemnitz, № 1866, 1921, mit Schwungradgenerator, Bergmann-Elektricitäts-Werke, A.-G. Berlin

Hartmann-Kerchhove-Dampfmaschine, Sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, Chemnitz, № 1866, 1921, Schalttafel

Hartmann-Kerchhove-Dampfmaschine, Sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, Chemnitz, № 1866, 1921, Kolbenventil

Hartmann-Kerchhove-Dampfmaschine, Sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, Chemnitz, № 1866, 1921, mit Schwungradgenerator, Bergmann-Elektricitäts-Werke, A.-G. Berlin

Hartmann-Kerchhove-Dampfmaschine, Sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, Chemnitz, № 1866, 1921, mit Schwungradgenerator, Bergmann-Elektricitäts-Werke, A.-G. Berlin, Tropföler

Hartmann-Kerchhove-Dampfmaschine, Sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, Chemnitz, № 1866, 1921

Hartmann-Kerchhove-Dampfmaschine, Sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, Chemnitz, № 1866, 1921

Blick durch das Schwungrad auf die Erregermaschine, Bergmann-Elektricitäts-Werke, A.-G. Berlin

Hartmann-Kerchhove-Dampfmaschine, Sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, Chemnitz, № 1866, 1921, mit Schwungradgenerator und Erregermaschine, Bergmann-Elektricitäts-Werke, A.-G. Berlin

Hartmann-Kerchhove-Dampfmaschine, Sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, Chemnitz, № 1866, 1921, Kolbenventilsteuerung

Hartmann-Kerchhove-Dampfmaschine, Sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, Chemnitz, № 1866, 1921, Kolbenventilsteuerung

Maschinenhaus

Brückenkran im Maschinenhaus

Die überdimensionierte Kesselanlage mit den drei Zweiflammrohrkesseln ist leider nicht erhalten.

Überreste der Kesselanlage

Dienstag, 26. Januar 2016

Theater im Rathaus Essen: „Kiss me, Kate“

„Kiss me, Kate“ – in Anlehnung an William Shakespeares „The Taming of the Shrew“ („Der Widerspenstigen Zähmung“); Musik, Liedtexte: Cole Porter; Buch: Samuel und Bella Spewack; Regie: Hartwig „Hardy“ Rudolz; Choreografie: Marie-Christin Zeisset; Bühne: Eva Humburg; Kostüme: Claudia Kuhr; Lichtdesign: Rolf Spahn; Musikalische Supervision: Heiko Lippmann. Darsteller: Guido Weber (Fred Graham/Petruchio), Beatrix Reiterer (Lilli Vanessi/Katharina Minola), Sophie Blümel (Lois Lane/Bianca, Dance Captain), Marco Toth (Bill Calhoun/Lucentio), Reinhard Brussmann (Harry Trevor/Baptista Minola), Denis Edelmann (Ralph, Inspizient), Nils Schwarzenberg (Hattie, Lilli Vanessis Garderobiere), Fehmi Göklü (Paul, Fred Grahams Garderobier), Jan Reimitz (Erster Ganove), Guido Kleineidam (Zweiter Ganove), Reinhard Brussmann (General Harrison Howell), Timothy Roller (Gremio, erster Freier), Angelo Canonico (Hortensio, zweiter Freier), Lisandra Bardél, Vera Weichel, Marion Wulf. Piano: Andrew Hannan, Gela Megrelidze. Uraufführung: 18. Dezember 1948, New Century Theatre, New York City. West End Premiere: 8. März 1951, Coliseum Theatre, London. Deutsche Erstaufführung: 19. November 1955, Städtische Bühnen, Frankfurt am Main. Premiere: 25. Januar 2016, Theater im Rathaus Essen.



„Kiss me, Kate“


Der Broadway-Klassiker am Theater im Rathaus Essen


Die Musicals „Cabaret“, „Jesus Christ Superstar“, „Kiss me, Kate“ oder „My fair Lady“ werden an deutschen Stadt­theatern häufig auf den Spielplan gesetzt, weil sie vom Publikum geschätzt werden und entsprechend volle Häuser garantieren. Das dürfte auch bei der Produktion der Konzertdirektion Landgraf nicht viel anders aussehen, die vom 25. Januar bis 1. März 2016 im Theater im Rathaus Essen zu sehen ist. Nachdem „Kiss me, Kate“ von Cole Porter (Musik, Lyrics) und Samuel und Bella Spewack (Buch) am 30. Dezember 1948 am Broadway am New Century Theatre uraufgeführt wurde, wurde es bei der dritten Tony Awards Verleihungszeremonie im darauffolgenden Jahr – bei der erstmals Musicals ausgezeichnet wurden – mit fünf der begehrten Auszeichnungen geehrt: „Best Musical“, „Best Autor (Musical)“ an Samuel und Bella Spewack, „Best Original Score“ an Cole Porter, „Best Costume Design“ an Lemuel Ayers und „Best Producer of a Musical“ an Saint Subber und Lemuel Ayers. Es wurde im Juli 1950 an das Shubert Theatre transferiert, am 28. Juli 1951 fiel nach insgesamt 1.077 Aufführungen der letzte Vorhang. Musicals, deren Original­produktion im En-suite-Spielbetrieb mehr als 1.000 Aufführungen erreicht haben, waren in den 1950er-Jahren noch recht überschaubar. Am 19. November 1955 wurde das Musical im Frankfurter Börsensaal erstmals in Deutschland aufgeführt, und innerhalb nur weniger Monate kamen mehrere, höchst unterschiedliche Produktionen auf die deutsch­sprachigen Bühnen. In der Wiener Volksoper bevorzugte man eine neue Bearbeitung von Marcel Prawy (Premiere 14. Februar 1956), die sich aber gegenüber der Übersetzung des Berliner Kabarettisten Günter Neumann nicht durchsetzte. Die aktuelle Inszenierung von Hartwig „Hardy“ Rudolz basiert auf dem Broadway-Revival aus dem Jahr 1999 (Martin Beck Theatre, Premiere 18. November 1999, neue Orchestrierung von Don Sebesky), mit den deutschen Texten von Günter Neumann in einer Neufassung von Peter Lund. Sie wurde als Tournee-Produktion konzipiert und ist bereits seit November letzten Jahres im deutschsprachigen Raum zu sehen.

Guido Weber (Petruchio) und Ensemble; © Bernd Boehner

Während einer Aufführung einer musikalischen Version der Komödie über die Zähmung der widerspenstigen Katharina durch den Frauenhelden Petruccio in Baltimore fechten die Akteure um den Regisseur und Hauptdarsteller Fred Graham und dessen Ex-Frau Lilli Vanessi auch im privaten Leben ähnliche Zwistigkeiten hinter den Kulissen aus wie die Spielfiguren auf der Bühne. Es ist ein Spiel im Spiel, bei dem beide Handlungsstränge für den turbulenten Fortgang der Handlung sorgen. Während Fred Graham noch immer Gefühle für seine ehemalige Frau empfindet, flirtet er gleichzeitig mit Lois Lane, die die Rolle von Katherinas Schwester Bianca spielt. Deren Lebenspartner Bill Calhoun sorgt für einige Verwirrung, indem er beim Glücksspiel einen Schuldschein mit Fred Grahams Namen unterschreibt, woraufhin zwei Gangster die finanziellen Forderungen bei diesem einzutreiben versuchen. Fred wiederum hindert mithilfe der beiden Revolverhelden die eifersüchtige Lilli daran, die Show vorzeitig zu verlassen und dem Werben ihres Verlobten General Harrison Howell um ihre Gunst nachzugeben. Doch bevor sich Katherina auf der Bühne folgsam mit der weiblichen Gehorsamspflicht gegenüber dem Mann einverstanden erklärt, müssen erst etliche Missverständnisse und konfliktreiche Situationen geklärt werden.

Beatrix Reiterer (Katharina Minola), Guido Weber (Petruchio) und Ensemble; © Bernd Boehner

„Kiss me, Kate“ spielt mit der typischen Rollenverteilung und den Geschlechter-Klischees in der patriarchalischen Gesellschaft, mit seiner Aussage „Die Frau sei dem Manne untertan“ ist das Stück typisch für seine Zeit. Regisseur Hartwig „Hardy“ Rudolz greift diese Klischees in seiner Inszenierung geistreich und mit viel Humor auf, um ihnen mit einem Augenzwinkern schlussendlich den Boden zu entziehen: Im Finale legt Katharina tatsächlich ihre Hand unter Petruccios Fuß, doch die steckt im Handschuh einer Ritterrüstung, der mit einer scharfen Spitze versehen ist. Eva Humburg zeichnet für das tourneetaugliche Bühnenbild verantwortlich, das mit vier Bühnenwagen sowohl als Kulisse für die Aufführung von „Der Widerspenstigen Zähmung“ als auch für den Bereich hinter der Bühne fungiert und mit zusätzlichen aufklappbaren Kisten auf Rollen in die Künstlergarderoben von Fred Graham und Lilli Vanessi verwandelt werden kann. Der Bühnenumbau zwischen den Szenen wird von den Darstellern selbst vorgenommen und wird, indem diese mit den Kulissen und Requisiten spielen, keinesfalls als störend empfunden. Claudia Kuhr hat die originellen Kostüme entworfen, in der Rahmenhandlung wähnt man sich tatsächlich in aktuellen Proben im Theater, wohingegen man in Padua, wo „Der Widerspenstigen Zähmung“ spielt, in eine bunte Phantasiewelt entführt wird, unterstützt durch das stimmige Lichtdesign von Rolf Spahn. Hardy Rudolz vertraut auf den hohen Unterhaltungswert der Choreografien von Marie-Christin Zeisset, die den Darstellern profunde Stepptanz-Kenntnisse abverlangen und beim Publikum für viel Begeisterung sorgen. Möglicherweise aufgrund der beengten Platzverhältnisse auf der Studiobühne ist das Ensemble für die Aufführungen in Essen um zwei Akteure reduziert worden, das fällt nur demjenigen auf, der weiß, dass bei der Tournee 17 Darsteller auf der Bühne agieren. Gela Megrelidze und Andrew Hannan bringen Cole Porters womöglich erfolgreichste Partitur auf zwei Keyboards am rechten Bühnenrand zu Gehör, die insgesamt 14 Musiker der Big Band des Bulgarischen Nationalen Rundfunks, die bei der Tournee spielen, wären unmöglich auf der Bühne unterzubringen, und einen Orchestergraben gibt es im Theater im Rathaus Essen nicht.

Beatrix Reiterer (Katharina Minola); © Bernd Boehner

Als Protagonisten stehen Guido Weber und Beatrix Reiterer in den Hauptrollen Fred Graham/Petruchio und Lilli Vanessi/Katherina Minola am Theater im Rathaus Essen auf der Bühne. Die beiden Darsteller harmonieren gesanglich sehr gut miteinander, das klingt nicht nur im gleichnamigen Duett der beiden wunderbar, eine Reminiszenz an den Wiener Walzer. Darstellerisch gibt Beatrix Reiterer als Katherina Minola mit ihren kratzbürstigsten Ausbrüchen und dem Besen ganz die „Hexe“, in ihrem Song „Kampf dem Mann“ macht sie unmissverständlich deutlich, was aus ihrer Sicht von der Spezies Mann zu halten ist. Guido Weber, der diese Rolle bereits im Sommermusical 2012 am Landestheater Linz gespielt hat (Premiere 16. August 2012, Regie Magdalena Fuchsberger), weiß als gewitzter, schlagfertiger Fred Graham/Petruchio mit nahezu grenzenlosem Selbstbewusstsein zu überzeugen, sei es, dass er auf offener Szene gegenüber seiner Bühnenpartnerin handgreiflich wird und sie zu domestizieren versucht, oder dass er sich auch noch die Anwesenheit der beiden Ganoven zunutze macht, um Lilli zum Bleiben zu zwingen. Die übrigen Rollen sind ausnahmslos mit ausgebildeten Musical-DarstellerInnen stimmig besetzt: Sophie Blümel als Freds neuer Schwarm Lois Lane/Katherinas Schwester Bianca, die besonders mit ihrem Song „Aber treu bin ich nur dir“ im zweiten Akt gefällt, aber auch im Ensemble eine gute Figur macht, Marco Toth in der nahezu bedeutungslosen Rolle des Glücksspielers Bill Calhoun/Edelmanns Lucentio, der aber im zweiten Akt mit seinem Song „Bianca“ und der dazugehörigen Stepptanz-Choreografie sowohl gesanglich als auch tänzerisch auf sich aufmerksam machen kann, Dennis Edelmann als Inspizient Ralph, Fehmi Göklü als Ankleider Paul, Timothy Roller und Angelo Canonico als Biancas Freier Gremio und Hortensio. Sie alle verstärken auch das spielfreudige Ensemble (Lisandra Bardél, Vera Weichel, Marion Wulf), das für den hohen Unterhaltungswert der choreografierten Szenen mitverantwortlich ist und den jazzig swingenden, von Fehmi Göklü angeführten Song „Es ist viel zu heiß“ zum eindeutigen Highlight der Aufführung gestaltet. Reinhard Brussmann ist als Harry Trevor/Baptista Minola sowie als General Harrison Howell in drei Sprechrollen zu sehen und macht in der Rolle des Generals einen stattlichen Eindruck.

Nils Schwarzenberg (Hattie) und Ensemble; © Bernd Boehner

Für ein weiteres Highlight – besser gesagt den Gag des Abends – sorgt neben Jan Reimitz und Guido Kleineidam, die als Ganoven mit „Schlag nach bei Shakespeare“ dem Schriftsteller Tribut zollen, Nils Schwarzenberg als Lilli Vanessis Garderobiere Hattie. Er spielt ebenfalls mit den Geschlechter-Klischees, legt die Rolle mal weiblich, mal tuntenhaft an, schlüpft im zweiten Akt in ein rotes Kleid und gibt mit Federboa den Song „Wenn man mich nur ließ“ zum Besten, während das Herrenensemble mit Zylindern um ihn herumtanzt. (Paul: „Lasst die alten Schlachtrösser wieder auf die Bühne.“) Die Szene wirkt wie das Pedant zur Szene im ersten Akt, als das Damenensemble mit Federboas um Fred Graham herumtanzt.

„Kiss me, Kate“ in der Inszenierung von Hardy Rudolz kann auch am Theater im Rathaus Essen überzeugen und bietet zweidreiviertel Stunden humorvolle Unterhaltung. Die Darsteller wurden zu Recht mit viel Applaus bedacht. „Kiss me, Kate“ steht noch bis zum 1. März 2016 auf dem Spielplan.