Freitag, 29. März 2013

Ankündigung: Internationaler Museumstag 2013

„Vergangenheit erinnern – Zukunft gestalten: Museen machen mit!“

Am 12. Mai 2013 sind alle Museen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgerufen, sich mit besonderen Aktionen am 36. Internationalen Museumstag 2013 unter dem Motto „Vergangenheit erinnern – Zukunft gestalten: Museen machen mit!“ zu beteiligen. Der Internationale Museumstag findet seit 1977 an einem Sonntag im Mai statt und verfolgt das Ziel, auf die Bedeutung und die Vielfalt der Museen aufmerksam zu machen. Gleichzeitig ermuntert er Besucherinnen und Besucher, die in den Einrichtungen bewahrten Schätze zu erkunden. 2012 haben sich mehr als 1.600 Einrichtungen am Internationalen Museumstag beteiligt, auch für 2013 zeichnet sich eine ähnlich hohe Beteiligung der Museen ab. Mit Sonderführungen, Workshops, Aktionen, Vorträgen, einem Blick hinter die Kulissen und Museumsfesten vermitteln sie gemäß des Mottos einen Einblick in ihre Arbeit und machen deutlich, wie Museen als Horte des kulturellen Erbes zugleich die Welt von morgen mitgestalten.

LWL-Industriemuseum Zeche Zollern, Alte Verwaltung

Mit dem Anliegen, die Museumslandschaft in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken, steht der Internationale Museumstag in Deutschland seit Jahren für die kulturelle Vielfalt und den Kulturföderalismus unseres Landes. Hierzu gehört auch, dass die Koordination der Kampagne in enger und gemeinschaftlicher Zusammenarbeit des Deutschen Museumsbundes und der Museumsverbände auf Länder- und Bundesebene geschieht. Unter www.museumstag.de sind alle Museen mit Aktionen zum Internationalen Museumstag 2013 zu finden.

Donnerstag, 28. März 2013

Unsere Stadt soll schöner werden

Wandgestaltung in der Essener U-Bahn-Station Bismarckplatz

Wandgestaltung in der U-Bahn-Station Bismarckplatz

Bereits im Dezember 2011 war die Wandgestaltung in der U-Bahn-Station Bismarckplatz an den Seitenwändes des Bahnsteigs Richtung Westen abgeschlossen worden. Tim Schild und Jan Schoch von „Farbwandel.com“ hatten die Wände mit mit Motiven aus der ehemals vom Steinkohlenbergbau geprägten Region gestaltet. In der „Skyline bei Nacht“ sind diverse Gebäude aus der Essener Skyline wiederzuerkennen.

„Durchbrochene Mauer mit Ausblick“

„Kohlenschacht mit Lore“

„Skyline bei Nacht“

In den vergangenen Monaten haben Tim Schild und Jan Schoch auch die gegenüberliegende Tunnelwand am Gleis Richtung Osten mit verschiedenen Motiven gestaltet. Die „Zeichnende Hand“ erinnert an Leonardo da Vinci und das Bild „Zeichnende Hände“ des holländischen Grafikers Maurits Cornelis Escher.

„Zeichnende Hand“

Am 23. August 1893 fuhr erstmals eine elektrisch betriebene Straßenbahn in Essen vom heutigen Hauptbahnhof bis zum Bahnhof in Altenessen und über Altendorf nach Borbeck. Noch heute ist der 1921 gebaute Triebwagen 144 – „Der grüne Vestische“ – erhalten und als als historischer Triebwagen im Einsatz.

„Essens erste Straßenbahn“

Das von den Architekten Reed and Stem und Warren and Wetmore entworfene Grand Central Terminal in Manhatten an der Ecke 42nd Street und Park Avenue wurde am 2. Februar 1913 eröffnet, die Uhr über dem Hauptportal an der Südseite ist mit über vier Metern Durchmesser die größte in Tiffany-Glaskunst erstellte Uhr der Welt.

„Uhr am Grand Central Terminal in Manhatten“

Die erste Metrolinie in Paris wurde am 19. Juli 1900 anlässlich der Weltausstellung eröffnet. Noch heute sind 86 im Jugendstil von Hector Guimard gestaltete Stationseingänge erhalten.

„Im Jugendstil von Hector Guimard gestalteter Stationseingang zur Pariser Métro“

1996 verkaufte die Londoner Docklands Light Railway 10 Stadtbahnwagen der Baureihe P89 nach Essen. Diese sind nach dem Umbau auf den drei Stadtbahnlinien U11, U17 und U18 im Einsatz.

„Stadtbahnwagen der Baureihe P89“, ursprünglich beim Londoner Stadtbahnsystem Docklands Light Railway im Einsatz

„Passerelle im Essener Hauptbahnhof“

Vorschau: „We Will Rock You“ in Essen

Einbau des aufwendigen Bühnensets im Colosseum Theater läuft auf Hochtouren

„We Will Rock You“ – Musik: Queen; Lyrics: Queen, Ben Elton; Buch, Inszenierung: Ben Elton; Deutsche Dialoge: Jörn Ingwersen; Deutsche Songtexte: Wolfgang Adenberg; Choreografie, Musical Staging: Arlene Philips; Bühne: Mark Fisher; Kostüme: Tim Goodchild; Licht: Willie Williams; Videoanimation: Mark Fisher, Willie Williams; Sound Design: Bobby Aitken; Music Supervisors: Mike Dixon, Brian May, Roger Taylor; Musikalische Leitung: Jeff Frohner. Darsteller: Christopher Brose (Galileo Figaro), Tobias Bieri (Alternate Galileo Figaro), Alex Melcher (Walk-In Galileo Figaro), Jeannine Michele Wacker (Scaramouche), Jessica Kessler (Alternate Scaramouche), Vera Bolten (Walk-In Scaramouche), Brigitte Oelke (Killer Queen), Nicole Malangre (Alternate Killer Queen), Goele De Raedt (Walk-In Killer Queen), Martin Berger (Khashaggi), Sascha Th. G. Krebs (Walk-In Khashoggi/Brit/Dieter), Léon Van Leeuwenberg (Bap), Stefan Müller Ruppert (Walk-In Bap), Markus Neugebauer (Brit), Anna Lidman (Ozzy), Martin Werth (Dieter), Isabel Trinkaus (Lehrerin). Ensemble: Victor Bareto, Harrison Clark, Walesca Frank, Austin Garrett, Samantha Harris-Hughes, Nikolas Heiber, Jordan Laviniere, Sam Linscott, James-Paul McAllister, Marianna Neofitou, Leoni Kristin Oeffinger, Nathaniel Scott, Andrea Del Solar, Stuart Sumner, Marjolein Teepen, Lucy Wilkerson, Sarah Wilkie, Koco Zavaleta. Swings: Katie Allday, János Harót, Dan Keightley, Abbi Kennedy, Candy Marriott, Tom Nihill, Carl Richardson, Emily Tzivanidou. Band: Jeff Frohner, Kilian Haiber, Steve White (Keyboard), Jamie Humphries, Michel Santunione (Guitar), Robert Lindemann (Bass), Hannes Dullinger (Drums), Martin Hesselbach (Percussion). Uraufführung: 14. Mai 2002, Dominion Theatre, London. Deutschsprachige Erstaufführung: 12. Dezember 2004, Musical Dome, Köln. Premiere: 11. April 2013, Colosseum Theater, Essen.

Die Statue von Freddie Mercury in seiner typischen Pose bei Auftritten

Vom 11. April bis 30. Juni 2013 wird im Colosseum Theater in Essen gerockt: „We Will Rock You“, das Original Musical von QUEEN und Ben Elton mit den 21 größten Hits der Kultband, kommt für knapp 3 Monate bis 30. Juni 2013 in die Metropole Ruhr. Erstmals in Deutschland werden nun die technisch völlig überarbeiteten Videoanimationen zu erleben sein, die von Production Designer Mark Fisher in Zusammenarbeit mit Lighting Designer Willie Williams kreiert wurden. Fisher und Williams zeichneten für die Inszenierung vieler spektakulärer Rock-Shows verantwortlich, herausragend ist ihre gemeinsame Arbeit für die Band U2. Knapp 10 Tage arbeiten etwa 90 Bühnenmeister, Techniker und Aufbauhelfer rund um die Uhr, um die aufwendige Technik im Colosseum Theater einzubauen und dieses bis kommende Woche in den neuen „Olymp der Champions“ zu verwandeln.

Teile des „We Will Rock You“-Bühnenbildes

18 Sattelschlepper wurden benötigt, um das gesamte Bühnen-, Licht-, Video- und Sound-Equipment nach Essen zu transportieren. Eines der größten Kulissenteile ist der Thron der Killer Queen, der über einen hydraulischen Lift bewegt werden kann und bei seinen Abmessungen von 3 × 4 Metern alleine 2,4 Tonnen wiegt. Auch das Soundsystem mit 24 Lautsprecherboxen und 6 Subwoofern bringt 5 Tonnen auf die Waage und soll mit 40 Kilowatt Leistung für den perfekten Klang und die adäquate Rockatmosphäre sorgen. Doch wer möchte schon wissen, wie lang die Kabel sind, die das Licht- und Soundsystem verbinden, oder wie viele einzelne Scheinwerfer tatsächlich eingesetzt werden, um für die perfekte Lichtstimmung auf der Bühne zu sorgen… Was zählt, ist das Resultat. Und das kann man vom 11. April bis 30. Juni 2013 im Colosseum Theater in Essen in Augenschein nehmen. Für die ganz neugierigen Besucher, die es gar nicht mehr bis zur Premiere am 11. April 2013 abwarten können, gibt es vom 6. bis 10. April 2013 Previews, die gleichzeitig für die an der Produktion beteiligten Darsteller, Musiker, Techniker, Dresser und Maskenbildner als Einspielvorstellungen dienen. Wer sich womöglich doch für die hier nicht aufgeführten Details oder weitere Informationen interessiert, findet diese unter www.wewillrockyou.de. Dort können auch Eintrittskarten bestellt werden.

Unzählige Rollcontainer müssen in das Theater geschafft werden…

und werden dort auf der Seitenbühne zwischengelagert

Rainer Frenkel, der Technische Leiter der Produktion, hat ein waches Auge auf die Arbeiten

Blick aus dem Zuschauerraum auf die Bühne

Die Videowand mit einer Gesamtfläche von 2,60 × 10,40 Metern im Schnürboden

Einbau der Lichtanlage

Harley Davidson

Blick von der Bühne in den Zuschauerraum

Mittwoch, 27. März 2013

Die Spielzeit 2013/14 am Theater an der Wien


Sujet 13/14; © Vereinigte Bühnen Wien Ges.m.b.H.

Im traditionsreichen Theater an der Wien (seit 1801 Uraufführungsstätte zahlreicher Opern und Operetten, 1945 – 55 Ersatzquartier für das Ensemble der ausgebombten Wiener Staatsoper und nach der Renovierung 1962 durch die Stadt Wien von 1965 – 2005 eines der führenden Musicaltheater Europas und im Rahmen der Vereinigten Bühnen Wien ab 2006 wieder als Opernhaus mit Stagionebetrieb etabliert) stellte Intendant Roland Geyer am 26. März 2013 das Programm seiner inzwischen schon 8. Saison vor. Es sind mehrere zusammenhängende Themenblöcke geplant, die von Barock über die Klassik bis zur Neuzeit reichen.

Spielplanpräsentation im Theater an der Wien

Im September 2013 kommt „The Rake´s Progress“ aus 1951 von Igor Strawinski/W. H. Auden in einer Neueinstudierung der schon 2008 bewährten Inszenierung auf die Bühne. Die junge Sopranistin Anna Prohaska, die derzeit in der Aufführungsserie von Beethovens „Fidelio“ als Marzelline gastiert, schilderte, wie sehr sie sich – nach ihrer intensiven schauspielerischen Probenarbeit mit Herbert Föttinger und Nikolaus Hanrnoncourt – freut, im Herbst die doch deutlich aktiveren Rolle der Anne Truelove zu gestalten, die ihren geliebten, aber auf Abwege geratenen Tom Rakewell retten will.

Anna Prohaska

Im Oktober folgt die Neuproduktion eines Auftragswerks zum selben Thema mit „A Harlot´s Progress“ (2013) von Iain Bell/Peter Ackroyd.
Im November folgt „Idomeneo“ aus 1771, ein Frühwerk von W. A. Mozart, mit dem Freiburger Barockorchester unter der musikalischen Leitung von René Jacobs, der sich schon darauf freut, nach seiner CD-Einspielung endlich die dramatische Umsetzung in einem passenden historischen Ambiente mitzugestalten.
Erst im Frühjahr, im Mai 2014, folgt Mozarts „Così fan tutte“ aus 1790, gestaltet von Nikolaus Harnoncourt/Martin Kušej.
Im Dezember 2013 schiebt sich mit „Lazarus“ von Franz Schubert ein Oratorium in der szenischen Aufbereitung von Claus Guth dazwischen, dessen Inszenierung von Händels „Messiah“ aus 2009 später im April 2014 wieder aufgeführt wird.
Im Januar 2014 startet Placido Domingo eine internationale Koproduktion von Verdis „I due Foscari“ (1844) im Theater an der Wien. Im Februar schließt in Koproduktion mit Paris ein barockes Ballet-bouffon „Platée“ (1745) von Jean-Philippe Rameau an, mit Les Arts Florissants unter William Christie in einer komödiantischen Inszenierung von Robert Carson.
Als Gastspiel des Hamburg Ballett folgt mit einer auf die Musik von Frédéric Chopin gesetzten Choreographie von John Neumeier im Mai „Die Kameliendame“ nach Alexandre Dumas d. J.
Mit demselben Sujet in Verdis „La Traviata“ (1853) im Gefolge der Grazer Inszenierung von Peter Konwitschny schließt im Juli die Saison.

Papagenogruppe von Jacob Schroth am ursprünglichen Hauptportal des Theaters an der Wien in der Millöckergasse

Informationen zu sonstigen konzertanten Aufführungen, einem kontrastierenden historischen Kabarettprogramm in der „Hölle“ (1906 ein eigener Kellersaal, nunmehr der Souterrain-Pausenraum) und vier weiteren Eigenproduktionen in der 2012 übernommenen Wiener Kammeroper können unter www.theater-wien.at/index.php/de/aktuelles/article/136882 nachgelesen werden.

Samstag, 23. März 2013

Earth Hour am UNESCO-Welterbe Zollverein

Licht aus für den Klimawandel

UNESCO-Welterbe Zollverein, Schacht XII, 20.19 Uhr

Bei der ersten Earth Hour am 31. März 2007 schalteten auf Initiative des WWF-Australia 2,2 Millionen Privatleute und 2.100 Unternehmen im Großraum Sidney, Australien zwischen 19.30 Uhr und 20.30 Uhr Ortszeit das Licht aus, um das Bewusstsein für den Klimawandel insbesondere in Australien zu stärken. Inzwischen weitete sich die Kampagne weltweit aus, 2012 beteiligten sich 150 Staaten und 6.525 Städte an der Initiative.

UNESCO-Welterbe Zollverein, Schacht XII, 20.29 Uhr

Die Aktion hat – da sollte sich niemand etwas vormachen – reine Symbolwirkung, aber als globale Gemeinschaftsaktion soll sie Menschen dazu motivieren, umweltfreundlicher zu leben und zu handeln. Auch das UNESCO-Welterbe Zollverein beteiligte sich an der diesjährigen Earth Hour und schaltete um 20.30 Uhr am Fördergerüst von Schacht XII das Licht aus.

UNESCO-Welterbe Zollverein, Schacht XII, 20.37 Uhr

UNESCO-Welterbe Zollverein, Schacht XII, 20.39 Uhr

In der näheren Umgebung des Fördergerüstes blieben jedoch auch in der Earth Hour genügend Leuchten eingeschaltet, so dass niemand völlig im Dunkeln stand und sich womöglich Gedanken machen musste, was wohl passiert, wenn irgendwann tatsächlich alle Lichter ausgingen.

UNESCO-Welterbe Zollverein, Schacht XII, 20.59 Uhr

Donnerstag, 21. März 2013

HIS MASTER’S VOICE: Von Stimme und Sprache im Dortmunder U

Neues Ausstellungsprogramm des Hartware MedienKunstVereins ab 23. März 2013

HIS MASTER’S VOICE: Von Stimme und Sprache
Gestaltung: www.laborb.de | Foto © Daniel Hofer

HIS MASTER’S VOICE: Von Stimme und Sprache ist eine Ausstellung über die Performativität von Stimme und Sprache, über die Uneigentlichkeit und Unheimlichkeit des Sprechens, über die Stimme als politischer Sprachakt sowie Sprache als performativer Sprechakt. Wie handeln wir durch Sprache – und wie handelt Sprache durch uns? In der Ausstellung HIS MASTER’S VOICE: Von Stimme und Sprache werden 28 Arbeiten von internationalen KünstlerInnen gezeigt, die sich mit unheimlichen, irritierenden und auch komischen Momenten befassen, die die menschliche Stimme und Sprache hervorbringen. In Performances, Videomontagen und Webprojekten wird das emotionale, soziale und politische Potential der Stimme erfahrbar: Wie hängt die Stimme mit dem Körper und der Identität eines Menschen zusammen? Was passiert, wenn sich das Gesprochene vom Sprecher löst, der Text vom Sinn oder der Ton vom Bild? Was, wenn eine Stimme gar nicht zu dem Körper gehört, der sie hervorbringt? Die KünstlerInnen lassen Bauchredner und Synchronsprecher, aber auch Propagandisten und Prediger zu Wort kommen. Sie untersuchen und reinszenieren historische und aktuelle Sprechakte, erforschen die emotionale und spirituelle Wirkung von Stimmgewalt und Wortakrobatik, spielen mit Sinn- und Identitätsverschiebungen.

Anette Hoffmann / Andrea Bellu / Matei Bellu / Regina Sarreiter: „Unerhörter Bericht über die deutschen Verbrechen in den kolonisierten Gebieten und über das fortwährende Wirken der Gewalt bis in die Gegenwart“, Digitale Tonaufnahme, Video, Wandtext, 2012

Die Arbeiten von Christophe Bruno (FR), Erik Bünger (SE), William S. Burroughs & Anthony Balch (US), Aslı Çavuşoğlu (TR), YOUNG-HAE CHANG HEAVY INDUSTRIES (KR), Dortmunder Sprechchor (DE), Jakup Ferri (KOS), Jochen Gerz (DE), Richard Grayson (UK), Asta Gröting (DE), Daniel Hofer (DE), Anette Hoffmann / Andrea Bellu / Matei Bellu / Regina Sarreiter (DE), International Institute of Political Murder (CH), Ignas Krunglevicius (LT/NO), Bruce Nauman (US), Stefan Panhans (DE), Julius Popp (DE), Laure Prouvost (FR/UK), Kathrin Resetarits (AT), Peter Rose (US), Manuel Saiz (ES), Anri Sala (AL), Richard Serra mit Nancy Holt (US), Katarina Zdjelar (SR/NL) und Artur Żmijewski (PL) u. a. widmen sich diesen Themen – und sie experimentieren dabei immer auch mit den Medien, die Stimmen aufzeichnen, zum Klingen oder zum Verstummen bringen. In der Ausstellung werden neben den künstlerischen Arbeiten auch weitere begleitende und kommentierende Materialien zur Performativität von Stimme und Sprache gezeigt (Bücher, Filmausschnitte, Videos, Zitate, usw.). Diese Materialien werden in Schaukästen präsentiert.

Erik Bünger, A Lecture on Schizophonia, 2007 – 2009, courtesy of the artist

Der Titel der Ausstellung erinnert nicht von ungefähr an den weltweit bekannten Markennamen His Master’s Voice verschiedener Plattenlabel. Der Name und das dazugehörige Logo gehen auf den Maler Francis Barraud (* 16. Juni 1856 in Liverpool, † 29. August 1924 in Kingston upon Thames, London) zurück, der 1898 seinen drei Jahre zuvor verstorbenen Hund Nipper, eine Foxterrier-Promenaden­mischung, beim Lauschen eines Edison-Phonographen porträtiert hatte. Die unter anderem durch Emil Berliner (* 20. Mai 1851 in Hannover, † 3. August 1929 in Washington, DC) neu gegründete Gramophone Company kaufte ihm das Bild inklusive Urheberrecht im Jahr 1899 für insgesamt 100 Pfund ab, 50 Pfund für das Bild und 50 Pfund für die Rechte an der Verwertung des Bildes zu Werbezwecken. Dafür musste allerdings der ursprünglich dargestellte Edison-Phonograph durch ein Berliner-Grammophon übermalt wurde, was auch geschah. Am 6. Februar 1900 beantragte die Gramophone Company den Schutz als Bildzeichen, das eines der erfolgreichsten Konzepte in der Produktwerbung wurde. Der schwedische Künstler Erik Bünger hat mit seinem Video A Lecture on Schizophonia (2007 – 2009) eine beeindruckende Arbeit über den Zusammenhang von Schizophonie (Ablösung der Geräusche/Stimmen von den sie hervorbringenden Körpern) und der Unheimlichkeit technischer Medien wie z. B. des Phonographen oder des Telefons produziert.


Aslı Çavuşoğlu: „191/205“, Druck auf 12ʼʼ LP, Edition von 100 signierten Platten, 7ʼ16ʼʼ + offizielle Dokumente (gerahmt), 38 × 122 cm, 2009, Dauer: 7:19 Min.

Anlässlich der Ausstellung entsteht eine Radiosendung mit dem Titel: „Über die Uneigentlichkeit und Unheimlichkeit des Sprechens“ von Inke Arns und Ingo Kottkamp in Zusammen­arbeit mit der Featureabteilung von Deutschlandradio Kultur. Sendetermin: 15. Mai 2013. Sie ist Teil der Feature-Reihe Die zweite Stimme.

Ignas Krunglevicius: „Interrogation“, Zweikanalige Videoinstallation, 13:00 Min., 2009

Während der Laufzeit der Ausstellung erscheint ein Katalog (de/en) mit Beiträgen von Inke Arns, Florian Cramer, Bojana Kunst, Liesbeth de Mol, Katarina Zdjelar und Fabian Saavedra-Lara, inkl. einer Dokumentation der künstlerischen Arbeiten in der Ausstellung, der Performances und der kommentierenden Zusatzmaterialien in den Schaukästen.

International Institute of Political Murder: „Hate Radio“, 2011 – 2012, Videodokumentation der Aufführung

Live-Performances von Erik Bünger am Mittwoch, 22. Mai 2013 um 20 Uhr in der Pauluskirche, Schützenstr. 35, 44147 Dortmund („The Empire Never Ended“, 2013 und „The Third Man“ (in englischer Sprache), 2010), die netzbasierte Wasserinstallation „bit.fall“ von Julius Popp vom 25. Juni bis 7. Juli 2013 auf der der Leonie-Reygers-Terrasse, Live-Performances „Human Browser“ von Christophe Bruno und das HMKV Sommerkino runden die Ausstellung als Rahmen­programm ab. Weitere Informationen unter www.hmkv.de.

Die Ausstellung HIS MASTER’S VOICE: Von Stimme und Sprache wird von Dr. Inke Arns, Künstlerische Leiterin des HMKV, kuratiert. Während der Laufzeit der Ausstellung vom 23. März bis 7. Juli 2013 ist diese dienstags, mittwochs, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie donnerstags und freitags von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 €, ermäßigt 2,50 €, jeden ersten Mittwoch im Monat besteht freier Eintritt. Ausstellungseröffnung ist am 22. März 2013 um 19.00 Uhr, an diesem Abend haben die Museen im Dortmunder U bis 23 Uhr geöffnet.

Dienstag, 19. März 2013

Zum Sterben schön – Ein Musical für die Ewigkeit

„Zum Sterben schön – Ein Musical für die Ewigkeit“ – nach der Filmkomödie „Grabgeflüster – Liebe versetzt Särge“ („Plots With A View“ („Undertaking Betty“)) von Nick Huran basierend auf einem Drehbuch von Frederick Ponzlov; Musik: Marc Schubring; Buch und Gesangstexte: Wolfgang Adenberg; Inszenierung: Jörg Gade; Choreografie: Annika Dickel; Ausstattung: Steffen Lebjedzinski; Musikalische Leitung: Andreas Unsicker. Darsteller: Alexander Prosek (Boris Plots), Magdalene Orzol (Betty Rhys-Jones), Jens Krause (Hugh Rhys-Jones), Jonas Hein (Frank Featherbed), Tim Müller (Delbert Butterfield/Colin Warburton), Karoline Goebel (Meredith Mainwaring), Jens Plewinski (Dick/Mr. Pryce/Dr. Owen), Michaela Linck (Dilys Rhys-Jones/Trauergast), Caroline Zins (Miss Gwynnffrt/Mrs. Pryce), Annika Dickel (Bankangestellte), Simon Böker, Malin Dyck, Ulricke Farbacher, Elias Krischke, Lothar Pick (DorfbewohnerInnen). Uraufführung: 23. Februar 2013, Theater für Niedersachsen, Großes Haus Hildesheim. Besuchte Vorstellung: 17. März 2013, Theater am Aegi, Hannover.



„Zum Sterben schön“


Eine neue Musicalkomödie im Bestattermilieu


2002 erschien die auf einem Drehbuch von Frederick Ponzlow basierende Filmkomödie „Grabgeflüster – Liebe versetzt Särge“ (Originaltitel „Plots with a View (Undertaking Betty)“) von Regisseur Nick Hurran mit Alfred Molina (Boris Plots), Brenda Blethyn (Betty Rhys-Jones), Christopher Walken (Frank Featherbed), Lee Evans (Delbert Butterfield), Naomi Watts (Meredith Mainwaring) u. a. Der Film erzählt mit dem für Britten bekannten Sinn für schwarzen Humor die Geschichte von zwei konkurrierenden Bestattungs­unter­nehmen in dem kleinen walisischen Dorf Wrottin Powys. Marc Schubring (Musik) und Wolfgang Adenberg (Buch und Gesangstexte) haben die Filmkomödie als Musical für die Bühne adaptiert, das Theater für Niedersachsen mit seinem Intendanten Jörg Gade sicherte sich für seine MusicalCompany die Uraufführung. Marc Schubring und Wolfgang Adenberg haben als Komponist und Autor bereits bei mehreren Musicals erfolgreich zusammengearbeitet:

Ensemble, Foto: Andreas Hartmann
  • „Fletsch – Saturday Bite Fever“ (zusammen mit Holger Hauer, der das Buch schrieb, Uraufführung am 8. Dezember 1993 im Theater Arnual, Saarbrücken, Regie Matthias Davids)
  • „Cyrano de Bergerac“ (Uraufführung am 22. Oktober 1995, Saarländisches Staatstheater Saarbrücken, Regie Gerhard Weber)
  • „Emil und die Detektive“ (Uraufführung am 12. November 2001 im Theater am Potsdamer Platz, Berlin, Regie Michael Pinkerton)
  • „Moulin Rouge Story“ (Uraufführung am 12. Dezember 2008, Altes Schauspielhaus Stuttgart, Regie Carl Philip von Maldeghem)
  • „Der Mann, der Sherlock Holmes war“ (Uraufführung am 23. Januar 2009, Staatsoperette Dresden, Regie Holger Hauer)
  • „Tell – Das Musical“ (zusammen mit Hans Dieter Schreeb, der das Buch schrieb, Uraufführung am 18. Juli 2012 auf der Walensee-Bühne, Walenstadt, Regie Nico Rabenald)
Tim Müller (Delbert) und Jonas Hein (Frank Featherbed)
Foto: Andreas Hartmann

Zum Inhalt:
Hätte er sie damals bloß gefragt! Nur weil sich Boris beim Schulabschlussball nicht getraut hatte, Betty zum Tanzen aufzufordern, leidet er noch immer unter seinem verhängnisvollen Fehler und lebt allein, während Betty den inzwischen amtierenden Bürgermeister von Wrottin Powys, Hugh Rhys-Jones geheiratet hat. Boris arbeitet als der geschätzte, wenn auch beruflich bedingt allgemein gemiedene Bestattungsunternehmer des Städtchens. Erst als Bettys tyrannische Schwiegermutter Dilys überraschend an einer Portion Vollkornpops erstickt und nun von Boris beerdigt werden soll, kommen sich Betty und Boris wieder näher. Schließlich gestehen sie einander ihre Liebe. Aber Betty hat gelernt, sich mit dem zu arrangieren, was sie hat. Außerdem würde sie ihrem Mann niemals eine Scheidung zumuten, noch dazu so kurz vor der nächsten Wahl. Da hat Boris eine Idee: „Bist du erst mal tot, fängt unser Leben an!“ Gemeinsam fingieren sie mithilfe des örtlichen Arztes Dr. Owen Bettys „tödlichen“ Sturz von der Klippe beim Dorffest. Boris soll Betty offiziell beerdigen, damit sie anschließend zusammen in die Südsee fliehen können. Zu dumm nur, dass einige Dorfbewohner Bettys Geist gesehen haben wollen und ihr Ehemann auf einer offenen Aufbahrung besteht. Und dann ist da noch Boris’ exzentrischer Konkurrent, der amerikanische Eventbestatter Frank Featherbed, mit seinem Gehilfen Delbert. Frank sieht es als seine Lebensaufgabe an, die gesamte Bestattungskultur mit seinen Show-Ideen zu revolutionieren. Und welche Gelegenheit wäre dazu geeigneter, als die Beerdigung der Bügermeistergattin auszurichten? Diesen Auftrag muss er unbedingt an Land ziehen! Was Betty nicht ahnt: Ihr Mann Hugh ist mitnichten der liebende Ehemann, für den sie ihn hält. Längst betrügt er sie mit seiner Sekretärin Meredith Mainwaring. Die beiden hatten sogar geplant, Betty zu ermorden. Betty erfährt davon, während sie im offenen Sarg liegend ihre eigene Beerdigung zu überstehen versucht. Jetzt sinnt sie auf Rache… Schließlich raufen sich die beiden Kontrahenten Boris und Frank doch noch zusammen, und gemeinsam mit Betty und Delbert erteilen sie Hugh und Meredith eine Lektion, so dass am Ende jeder bekommt, was er/sie verdient hat.

Magdalene Orzol (Betty Rhys-Jones) und Alexander Prosek (Boris Plots); Foto: Andreas Hartmann

TfN-Intendant Jörg Gade war bereits im September 2011 bei einem Reading des Stückes im Ballhaus Rixdorf, bei dem das Werk in einer Inszenierung von Holger Hauer mit Kevin Kraus (Boris Plots), Mirjam Zipf (Betty Rhys-Jones), Nik Breidenbach (Frank Featherbed), Katharine Mehrling (Meredith Mainwaring) u. a. konzertant aufgeführt wurde, entschlossen, „Zum Sterben schön“ aufführen und auch selbst inszenieren zu wollen. In seiner Inszenierung arbeitet Jörg Gade die Charaktere prägnant heraus und macht von Beginn an deutlich, dass man das Geschehen keinesfalls zu ernst nehmen sollte. Während Frank Featherbed im Film eine Kundin als heimlichen Star-Trek-Fan in einem Captain Spock-Outfit zum Himmel fahren lässt und damit „Star Trek II: Der Zorn des Khan“ parodiert, gibt es im Musical mit dem Song „Vom Tode gibt es keine Wiederkehr“ das Pendant: In einer Parodie auf „Das Phantom der Oper“ fährt Frank mit Unterstützung seines Gehilfen Delbert die verstorbene Mrs. Pryce als heimlichen Musical-Fan in einer Barke über den „unterirdischen See“, wobei Tim Müller den Gesangspart der Christine Daaé übernimmt und Caroline Zins lediglich den Kopf bewegen lässt. Das hat für den geneigten Musicalbesucher etwas von einem „Schenkelklopfer“.

Karoline Goebel (Meredith Mainwaring) und Jens Krause (Hugh Rhys-Jones); Foto: Andreas Hartmann

Mit „Begin the Beguine“ wurde seinerzeit ein Song von Cole Porter für die Filmmusik von „Grabgeflüster – Liebe versetzt Särge“ verwendet. Auch die Komposition von Marc Schubring, die von einer achtköpfigen Band unter der Musikalischen Leitung von Andreas Unsicker gekonnt umgesetzt wird, knüpft mit einer Mischung aus lateinamerikanischen Rhythmen, Swing und Balladen an die Swingära an, wobei aber lediglich der Titelsong „Zum Sterben schön“ mit einer Reprise im zweiten Akt und das Finale des ersten Akts, „Tanz den Totengräber“ im Ohr bleiben, in dem Frank Featherbed mit seinem Liedtext „Tanz auf den Tischen, denn im Sarg, da hat noch nie einer getanzt“ für sein Bestattungsinstitut wirbt. Die schmissigen Choreografien von Annika Dickel verleihen den Songs rein optisch zusätzlichen Schwung, lassen aber auch Anleihen beim Bewegungsrepertoire anderer bekannter Musicals erkennen. Wer nur gelegentlich Musicalaufführungen anschaut, dem werden diese Feinheiten aber womöglich gar nicht auffallen. Das einfach gehaltene Bühnenbild von TfN-Ausstattungsleiter Steffen Lebjedzinski besteht aus einer mit Wolken bemalten Rückwand mit den Umrissen eines stilisierten Sarges und einer erhöhten Spielfläche mit Treppen davor. Durch dreh- und verschiebbare Elemente in der Rückwand, ergänzt durch passende Requisiten, wird die Bühne zur Wohnung von Betty und Hugh Rhys-Jones, zum Bestattungsunternehmen von Boris Plots, zur Trauerhalle, zum Festplatz an den Klippen… oder eben zum „unterirdischen See“. Während die Filmvorlage in der Gegenwart spielt, scheinen die Kostüme auf der Bühne verschiedene Jahrzehnte zu repräsentieren. Alles ordentlich und adrett, aber auch ein klein wenig verwirrend. Der tiefere Sinn wollte sich mir leider nicht erschließen.

Tim Müller (Delbert), Jonas Hein (Frank Featherbed) und Caroline Zins (Mrs. Pryce); Foto: Andreas Hartmann

Alexander Prosek als Leichenbestatter Boris Plots kann ich mir beim besten Willen nicht als typischen Turniertänzer in den Lateinamerikanischen Tänzen vorstellen, auch wenn Caroline Zins als tanzsüchtige Miss Gwynnffrt ihn als Turniertanzpartner für sich gewinnen möchte. Seine Samba erinnerte mich eher ein wenig an den bekannten Song „The Bare Necessities“ aus dem Zeichentrickfilm „Das Dschungelbuch“ der Walt Disney Company als an eleganten Turniertanz. Tanzsport wird in den Medien sträflich vernachlässigt, aber wer sich davon selbst eine Vorstellung verschaffen möchte, schaue sich beispielsweise Fotos von Donnie Burns an, der mit seiner Partnerin Gaynor Fairweather vierzehnmal Weltmeister der Profis in den Lateinamerikanischen Tänzen wurde. Doch das Tanzen ist ja nur Boris´ heimliche Leidenschaft, und glücklicherweise liegt der Hauptfokus des Musicals nicht auf den Tanzszenen, auch wenn es einige davon gibt. Alexander Prosek schafft es als anfänglich eher schüchterner Junggeselle mit Leichtigkeit, die Sympathien des Publikums vom ersten Augenblick an zu gewinnen. Energisch und unnachgiebig nutzt er seine zweite Chance, die große Liebe seines Lebens doch noch für sich zu gewinnen. Dass er aber zusammen mit Magdalene Orzol als Betty Rhys-Jones vor 30 Jahren gemeinsam die Schulbank gedrückt haben soll, erscheint mir ein wenig zweifelhaft, dafür wirkt mir Magdalene Orzols Darstellung der braven Bürgermeistergattin zu wenig gereift, einfach noch zu jung. Sieht man über diesen Aspekt hinweg, harmonieren die beiden als Paar sehr gut miteinander. Insbesondere mit ihrem im halbdurchsichtigen Sarg intonierten Racheschwur „Bis ins Grab“ kann Magdalene Orzol im zweiten Akt beeindrucken.

Karoline Goebel (Meredith Mainwaring) und Magdalene Orzol (Betty Rhys-Jones); Foto: Andreas Hartmann

Besonders gut haben mir Jonas Hein als Eventbestatter Frank Featherbed und Tim Müller als sein Faktotum Delbert gefallen. Insbesondere Jonas Hein kann als exzentrischer Eventbestatter mit innovativen Marketingmethoden wie einem Nachlass von 50% auf das zweite Begräbnis schauspielerisch und auch gesanglich für sich einnehmen. Mit dem Titelsong und dem Pausenfinale sind die beiden natürlich auch mit den Glanznummern dieses Musicals gesegnet und wissen dies in der Tat entsprechend zu nutzen. Das dritte Paar wird von Jens Krause als Bürgermeister und Bettys Ehemann Hugh Rhys-Jones und Karoline Goebel als seine Sekretärin und Geliebte Meredith Mainwaring verkörpert. Jens Krause scheint in der TfN-MusicalCompany auf die Rolle des Bösewichts abonniert zu sein, auch in „Zum Sterben schön“ geht er als lüsterner und machtbesessener Politiker „über Leichen“, wird aber von seiner attraktiven, verführerischen Sekretärin dominiert. Karoline Goebel spielt diese Rolle sehr überzeugend, da ist es kein Wunder, dass Hugh seiner Ehefrau untreu geworden ist. Michaela Linck hat als Bettys tyrannische Schwiegermutter Dilys, die überraschend gleich zu Beginn an einer Portion Vollkornpops erstickt, zwar nur einen kurzen Auftritt, aus dem sie aber mit ihrer amüsanten Darstellung das Optimum herausholt.

Magdalene Orzol (Betty Rhys-Jones); Foto: Andreas Hartmann

„Zum Sterben schön“ ist aus meiner Sicht kein „Musical für die Ewigkeit“, wie es im Untertitel heißt, also eine Long-Run Produktion mit der Laufzeit von Musicals wie beispielsweise „Das Phantom der Oper“ von Andrew Lloyd Webber. Dennoch spricht es das Publikum mit seinem schwarzen Humor, einer ordentlichen Portion Romantik und der an die Swingära anknüpfenden Partitur von Marc Schubring an, das sich hier davon überzeugen kann, dass auch ein Sujet aus dem Bestattermilieu für eine unterhaltsame Musicalkomödie dienlich ist. Es wäre zu wünschen, dass Marc Schubring und Wolfgang Adenberg das Stück mit einer Aufführungsdauer von 2 Stunden 45 Minuten noch straffen und es danach Einzug in das Repertoire weiterer Staats- und Stadttheaters findet. In der laufenden Spielzeit steht „Zum Sterben schön“ noch bis zum 28. Juni 2013 am Stadttheater Hildesheim auf dem Spielplan.

Magdalene Orzol (Betty Rhys-Jones); Foto: Andreas Hartmann

Haben Sie „Zum Sterben schön“ in der Inszenierung von Jörg Gade selbst schon gesehen? Wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?

Montag, 18. März 2013

Hannover

Drei Tage vor dem astronomischen Frühlingsanfang tiefster Winter

Ehemalige Keksfabrik Bahlsen, davor die Feuerwache Podbielskistraße

Dank Rotationsprinzip eines großen Musical-Veranstalters braucht heute niemand mehr für einen Musicalbesuch durch die Lande reisen, in immer kürzerer Zeit bekommt man kommerzielle Musicals quasi vor die Haustür geliefert. Doch horrende Ticketpreise schrecken oftmals vom Besuch gerade dieser Shows ab, und Stadttheater beweisen immer noch nur zögerlich den Mut, neue Stücke oder sogar Uraufführung auf den Spielplan zu setzen. Wer also Neues sehen möchte, reist noch immer duch die halbe Republik. In der Regel lässt sich der Theaterbesuch mit einem Städtetrip und Sightseeing verbinden, doch in diesem Fall machte mir das Wetter mit einem erneuten Wintereinbruch drei Tage vor dem astronomischen Frühlingsanfang einen mächtigen Strich durch Planung. Sightseeing im dichten Schneetreiben entspricht nämlich nicht unbedingt meiner Idealvorstellung von einem Städtetrip.

Wandgemälde an der Feuerwache Podbielskistraße

1911 bezog Hermann Bahlsen mit seiner „Hannoverschen Cakesfabrik H. Bahlsen“ das neue Fabrikgebäude an der Lister Straße und das Verwaltungsgebäude an der Podbielskistraße, die 1912 in „H. Bahlsen Keksfabrik“ umbenannt wurde. Nachdem bereits 1974 die neue Hauptverwaltung an der Podbielskistraße 289 bezogen wurde, wurde 1987 auch die Produktion nach Barsinghausen ausgelagert. 2000 wurde die Konzernzentrale schließlich wieder in die Podbielskistraße 11 zurückverlagert.

Bahlsen TET Schornstein

Ehemalige Keksfabrik Bahlsen

Ehemalige Keksfabrik Bahlsen

Ende Januar 2013 war die Bahlsen GmbH & Co. KG durch das Verschwinden der vergoldeten Darstellung eines Leibniz-Kekses in die Schlagzeilen geraten. Nachdem das Unternehmen angeboten hatte, 52.000 Packungen Leibniz-Kekse an 52 soziale Einrichtung zu spenden, tauchte der goldene Leibniz-Keks am 5. Februar 2013 an der Statue des Niedersachsenrosses vor der Leibniz-Universität in Hannover wieder auf. Nachdem der goldene Keks vom Landeskriminalamt Niedersachsen untersucht und die Staatsanwaltschaft das Wahrzeichen am 6. März 2013 freigegeben hat, ist dieses aber bis heute nicht an den angestammten Platz an der Hausfassade des Stammhauses zurückgekehrt.

Brezelmänner von Georg Herting: Wo ist der entwendete Leibniz-Keks?

Altes Rathaus und Marktkirche

Das alte Rathaus, dessen erste Gebäudeteile an der Schmiedestraße bereits 1420 errichtet wurden, als ältester Profanbau der Stadt und die im 14. Jahrhundert errichtete Marktkirche (Wiederaufbau nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg von 1946 bis 1952) stellen die südlichste Gebäudegruppe Norddeutscher Backsteingotik dar.

Marktkirche

Marktkirche, Bronzeportal von Gerhard Marcks

Marktkirche, Innenansicht

Marktkirche, Triptychon des Passionsaltars

Kramerstraße

Ältestes Fachwerkhaus Hannovers von 1566 in der Burgstraße 12

Gehry-Tower in der Goethestraße, Entwurf von Frank Owen Gehry

Von 1990 bis 1994 sind als Teil eines Projekts zur Kunst im öffentlichen Raum zwölf halboffene Wartehäuschen für Stadtbahnen und Stadtbusse der üstra entstanden, ausgeführt wurde das Design-Projekt BUSSTOPS von renommierten Architekten und Designern, u. a. Andreas Brandolini (* 21. August 1951 in Taucha), Frank Owen Gehry (* 28. Februar 1929 in Toronto, Ontario), Alessandro Mendini (* 16. August 1931 in Mailand), Jasper Morrison (* 1959 in London) und Ettore Sottsass (* 14. September 1917 in Innsbruck, † 31. Dezember 2007 in Mailand). Das 1927 bis 1928 nach einem Entwurf von Fritz Höger (* 12. Juni 1877 in Bekenreihe, † 21. Juni 1949 in Bad Segeberg) erbaute Anzeiger-Hochhaus hat die Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs nahezu unbeschädigt überstanden, nach dem Zweiten Weltkrieg erschien hier erstmals am 4. Januar 1947 DER SPIEGEL mit einer Auflage von 15.000 Exemplaren, die Redaktion verlegte aber bereits 1949 ihren Sitz nach Hamburg. 1948 wurde im Anzeiger-Hochhaus der stern von Henri Nannen (* 25. Dezember 1913 in Emden, † 13. Oktober 1996 in Hannover) gegründet, die erste Ausgabe erschien am 1. August 1948.

BUSSTOPS-Haltestelle (Entwurf von Alessandro Mendini) neben dem Steintorplatz, dahinter das Anzeiger-Hochhaus

Opernhaus

Leineschloss (Sitz des Niedersächsischen Landtags)

Leibnizhaus am Holzmarkt

Altes Rathaus, jüngste Flügel zur Karmarschstraße

Neues Rathaus

Verwaltungsgebäude der Nord/LB

Neues Rathaus