Sonntag, 30. September 2012

Musical Allstars 2012

Die ehemalige Musical-Gala zum Discountpreis

Zum vierten Mal in Folge veranstalte AB Records in der Grugahalle Essen am Samstag, 29. September 2012 „Musical Allstars“, und zum vierten Mal konnte die Halle, die bestuhlt über etwa 7.700 Plätze verfügt, bei weitem nicht gefüllt werden. Im Gegenteil, während zur Veranstaltung am 8. Oktober 2011 nach Angaben des Veranstalters 2.800 Besucher gekommen waren, war der Innenraum der Grugahalle nun mit Vorhängen nach eigener Zählung auf etwa 2.000 Plätze zugehängt worden, was einem Besucherrückgang um knapp 30% entspricht. Und um direkt noch ein wenig Statistik zu betreiben: Die ersten 23 (!) Reihen im nicht ansteigenden Parkett waren kurzerhand in die teurere Preiskategorie A (29,95 EUR) gegenüber dem früheren Einheitspreis von 19,95 EUR bei freier Platzwahl hochgestuft worden, diese Tickets wurden als Special Fan-Tickets bezeichnet. Die ersten 23 Reihen im Parkett machten allerdings mehr als die Hälfte der gesamten Sitzplatzkapazität aus, und welcher Fan etwa 30 Meter von der Bühne entfernt in Reihe 23 zu einem erhöhten Preis sitzen möchte, entzieht sich meiner Kenntnis. Den Ticketverkauf über den Haushaltswaren-Discounter KODi hatte man beibehalten, und da auf diesem Vertriebsweg keine Sitzplatzreservierung möglich ist, war auf den Eintrittskarten ein Einlass drei (!) Stunden vor Veranstaltungsbeginn angegeben. Leider hatte ich diesen Hinweis zu spät entdeckt, nämlich nachdem ich das Ticket bereits gekauft hatte. Andernfalls hätte mich ein Einlass drei Stunden vor Veranstaltungsbeginn sicher vom Kauf des Tickets abgehalten. Wann die Besucher, die in den ersten Reihen im Parkett saßen, tatsächlich gekommen sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber ich frage mich, wie der Betreiber der Grugahalle einem Veranstalter zum wiederholten Male eine Veranstaltungs-Organisation erlauben kann, bei der es aufgrund der freien Platzwahl zu chaotischen Verhältnissen kommt, bei denen Menschen gegen Wände und Türen gedrängt werden, dass es beinahe an ein Wunder grenzt, dass bisher niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist. Offensichtlich muss erst jemand zu Schaden kommen, damit solche Verhältnisse unterbunden werden. Ich habe das Gedränge beim Einlass dreimal selbst erlebt, spreche also aus Erfahrung, und bin genau aus diesem Grund diesmal erst zu fortgeschrittener Stunde in die Grugahalle gegangen. Zu der Zeit saßen bereits vereinzelt Besucher mit dicken Romanen in den Reihen, um sich die über Gebühr ausgedehnte Wartezeit bis zum Beginn der Veranstaltung zu vertreiben.


Grugahalle Essen

Von den sechs Gesangssolisten waren Andreas Bieber und Nigel Casey bereits bei „Musical Allstars“ am 7. Juni 2010 mit von der Partie, Roberta Valentini war bei den beiden letzten Veranstaltungen am 8. Januar 2011 und 8. Oktober 2011 auch schon dabei. Yngve Gasoy-Romdal dürfte dem Publikum im Rhein-Ruhrgebiet noch von seinem Engagement in „Disney´s Die Schöne und das Biest“ im Metronom Theater in Oberhausen ein Begriff sein. Patricia Meedens letzte Engagements im Rhein-Ruhrgebiet als Laura im Musical „Miami Nights“ und Gigi im gleichnamigen Musical am Düsseldorfer Theater an der Kö liegen schon eine Weile zurück, in Hamburg war sie als alternierende Deloris van Cartier im Musical „Sister Act – Ein himmlisches Musical“ engagiert, und Lucy Scherer hat in der Region bisher noch in keiner Musicalproduktion mitgewirkt, zuletzt stand sie als Ich im Musical „Rebecca“ auf der Bühne des Palladium Theaters in Stuttgart, seit Juli 2012 spielt sie in der deutschen Telenovela „Sturm der Liebe“ die Rolle der Marlene Schweitzer.

Somit standen drei Gesangssolisten auf der Bühne, die bisher noch nicht bei „Musical Allstars“ aufgetreten waren, was zumindest Hoffnung auf eine deutlich überarbeitete Songauswahl machte. Doch die Songauswahl bot gegenüber den ersten drei Veranstaltungen in der Grugahalle wenig Neues, die genaue Abfolge der einzelnen Songs – auch bei den Veranstaltungen am 7. Juni 2010, 8. Januar 2011 und 8. Oktober 2011 – kann den Setlisten entnommen werden. Eine Vorliebe für Andrew Lloyd Webber muss man sicher nicht mit einem identischen Block von Andrew Lloyd Webber-Songs bei jeder der vier Veranstaltungen manifestieren (diesmal fehlte lediglich „Nur ein Blick“ aus „Sunset Boulevard“ gegenüber den ersten drei Veranstaltungen), Andrew Lloyd Webbers Lebenswerk dürfte dann doch aus mehr bekannten Songs bestehen (u. a. 15 UK Top 10 Singles), und das Publikum würde eine Variation womöglich begrüßen und nicht mit Buhrufen und Pfiffen quittieren. Alle Gesangssolisten präsentierten ihre Songs zwar professionell, aber aufgrund der „Pflicht“ (O-Ton Veranstalter) waren auch Solisten in Partien zu hören, die für die entsprechenden Rollen doch eher nicht gecastet würden. Damit tut man den Solisten keinen Gefallen, die sich mit anderen Songs aus ihrem Repertoire bedeutend besser profilieren könnten.

Setlist des etwa 60-minütigen ersten Teils:
  1. Opening (Instrumental)
  2. Alle: „Lullaby of Broadway“ aus „42nd Street“
  3. Roberta Valentini: „Reise durch die Zeit“ aus „Anastasia“ (Zeichentrickfilm der 20th-Century-Fox-Studios)
  4. Patricia Meeden: „Das Farbenspiel des Winds“ aus „Pocahontas“ (Walt-Disney-Zeichentrickfilm)
  5. Yngve Gasoy-Romdal: „Dies ist die Stunde“ aus „Jekyll & Hyde“
  6. Andreas Bieber: „Wie vom Traum verführt“/„Schließt jede Tür“ aus „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“
  7. Lucy Scherer, Roberta Valentini: „Mrs. de Winter bin Ich!“ aus „Rebecca“
  8. Nigel Casey: „Crazy Little Thing Called Love“ aus „We Will Rock You“
  9. Lucy Scherer: „Be mine!“ von Robyn („Hand aufs Herz“)
  10. Patricia Meeden: „Somebody to love“ aus „We Will Rock You“
  11. Yngve Gasoy-Romdal, Roberta Valentini: „Wenn das wirklich Liebe ist“ aus „Bonifatius – Das Musical“
  12. Nigel Casey: „Sway“ von Pablo Beltrán Ruiz
  13. Patricia Meeden, Roberta Valentini: „Let me be your star“ aus „Smash“
  14. Andreas Bieber: „Pinball Wizard“ aus „The Who´s Tommy“
  15. „Ich war noch niemals in New York“-Medley: Alle: „Schöne Grüße aus der Hölle“/„Aber bitte mit Sahne“/„Ein ehrenwertes Haus“/„Siebzehn Jahr, blondes Haar“/„Vielen Dank für die Blumen“/„Ich war noch niemals in New York“/„Mit 66 Jahren“
Andreas Bieber, der 1996 selbst in der Titelrolle des Musicals „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ im Colosseum Theater in Essen auf der Bühne stand, wusste die Zuschauer auch diesmal mit einem Medley der beiden Songs „Wie vom Traum verführt“ und „Schließt jede Tür“ für sich einzunehmen, für die er nochmals in seinen bunten Träumer­mantel geschlüpft war. Neu im „Musical Allstars“-Repertoire war sein „Pinball Wizard“ aus „The Who´s Tommy“, Andreas Bieber stand ab 2. September 2001 selbst in der Titelrolle am Theater Dortmund auf der Bühne. Nigel Casey begab sich bei dem Mambo-Song „Sway“ von Pablo Beltrán Ruiz, dessen bekannteste Version Dean Martin 1954 aufgenommen hat und der auch von Michael Bublé auf seinem Debüt-Album gecovert wurde, auf die Suche nach einer Tanzpartnerin im Publikum, die er schließlich – sicher nicht ganz zufällig passend zu seinem Outfit ebenfalls schwarz-rot gekleidet – im Tribünen­block E fand, um mit ihr vor besagtem Tribünenblock eine kesse Sohle auf den Gang zu legen.

Setlist des etwa 70-minütigen zweiten Teils:
  1. Andreas Bieber: „Starlight Express“ aus „Starlight Express“
  2. Lucy Scherer: „Erinnerung“ aus „Cats“
  3. Yngve Gasoy-Romdal, Lucy Scherer: „The Phantom of the Opera“ aus „The Phantom of the Opera“
  4. Nigel Casey: „Song of the King (Seven Fat Cows)“ aus „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“
  5. Roberta Valentini: „Wein´ nicht um mich Argentinien“ aus „Evita“
  6. Nigel Casey, Backing Vocalists: Andreas Bieber, Roberta Valentini: „Superstar“ aus „Jesus Christ Superstar“
  7. Andreas Bieber: „Schau, was Liebe ändern kann“/Alle: „Love changes everything“ aus „Aspects of Love“
  8. Patricia Meeden: „Fabelhaft, Baby“ aus „Sister Act – Ein himmlisches Musical“
  9. Andreas Bieber: „Engel aus Kristall“ aus „3 Musketiere“
  10. Yngve Gasoy-Romdal: „When you´re smiling“ von Larry Shay, Mark Fisher und Joe Goodwin
  11. Roberta Valentini, Patricia Meeden: „Take me or leave me“ aus „Rent“
  12. Andreas Bieber: „Mister Zellophan“ aus „Chicago“
  13. Lucy Scherer: „Zuhause“ aus „Disney´s Die Schöne und das Biest“
  14. Nigel Casey: „Have you met Miss Jones“ aus „I´d Rather Be Right“/„Ain´t That a Kick in the Head?“ von Jimmy Van Heusen (Musik) und Sammy Cahn (Text)
  15. Patricia Meeden, Ensemble: „Zeig mir den Himmel“ aus „Sister Act – Ein himmlisches Musical“
  16. „Mamma Mia!“-Medley: Alle: „Mamma Mia“/„Money, Money, Money“/„Knowing Me, Knowing You“/„Dancing Queen“/„Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)“/„Thank You for the Music“
  17. Zugabe: Alle: „Ich wollte nie erwachsen sein“ aus „Tabaluga & Lilli“
Nigel Casey wollte den Zuschauern bei dem Song „Starlight Express“ scheinbar beweisen, dass er das Rollschuhlaufen noch nicht verlernt hat, er hatte in Bochum die Rolle der Diesellok Greaseball von Paul Kribbe übernommen und fuhr nun auf Rollschuhen einmal über die Bühne. Yngve Gasoy-Romdal war im zweiten Teil mit dem Song „When you´re smiling“ von Larry Shay, Mark Fisher und Joe Goodwin zu hören, der bereits 1929 von Louis Armstrong interpretiert wurde, aber auch in der Folge „Once Upon a Mattress“ der amerikanischen Serie „Glee“ von Lea Michele (Rachel Berry) gesungen wurde. Andreas Bieber brachte die Zuschauer mit dem Song „Mister Zellophan“ durch deutliche Überzeichnung der Rolle des nicht beachteten Amos Heart bis ins Groteske zum Lachen.

Leider überwogen an diesem Abend für meinen Geschmack die negativen Eindrücke, so dass ich am Ende doch ein wenig enttäuscht auf die Veranstaltung zurückblicke. Schaue ich mir die öffentlichen Äußerungen anderer Besucher an, so scheine ich mit dieser Enttäuschung auch nicht allein dazustehen.

Waren Sie selbst bei der Veranstaltung? Wie hat Ihnen der Abend gefallen?

Freitag, 28. September 2012

„Von A bis Z. Fotografie im Ruhr Museum, Teil 2“

Sonderausstellung in der Galerie des Ruhr Museums

Mit 3 Millionen Negativen, Abzügen und Diapositiven historischer und zeitgenössischer Fotografien der Region, ihrer Landschaften und Städte, der Menschen, der Arbeit und der Freizeit, des Alltags und der Feste besitzt das Ruhr Museum die größte und bedeutendste fotografische Sammlung deutscher Museen. Zu den Beständen zählen umfangreiche Fotografen-Nachlässe und Archive wie die von Ruth Hallensleben, Willy van Heekern, Josef Stoffels, Anton Tripp, Marga Kingler oder Peter Kleu. Außerdem sind wichtige Fotografen von Ludwig Windstosser und Albert Renger-Patzsch bis hin zu Bernd und Hilla Becher, Timm Rautert, Michael Wolf, Brigitte Kraemer, Manfred Vollmer oder Joachim Schumacher vertreten. Die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums (früher Ruhrlandmuseum) existiert seit 1989, der in den Fotografien dokumentierte Zeitraum reicht vom Beginn der Fotografie im 19. Jahrhundert (Daguerreotypie) bis heute. Dr. Sigrid Schneider hat die 1989 neu geschaffene Abteilung „Fotoarchiv“ am Ruhrlandmuseum Essen als erste und bis heute einzige Leiterin mit einem Bestand von ca. 350.000 Negativen und Abzügen übernommen und die Sammlung bis heute auf die eingangs erwähnten 3 Millionen Negative, Abzüge und Diapositive erweitert.

Eingang zur Galerie auf der 21 Meter Ebene der Kohlenwäsche

Das Fotoarchiv selbst und die Formen der Überlieferung sind nun das Thema der Sonderausstellung „Von A bis Z. Fotografie im Ruhr Museum“ in der Galerie auf der 21 Meter Ebene der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche Zollverein. Sie lässt die Besucher auf 300 m² hinter die Kulissen blicken und führt anhand konkreter Beispiele die fotografische Überlieferung vor. Die alphabetische Reihenfolge verzichtet bewusst auf eine hierarchische Struktur der Betrachtung und soll eine Einladung an den Besucher darstellen, die Sammlung aus ganz neuen Blickwinkeln kennenzulernen. Die Präsentation ist zweigeteilt, der erste Teil beschäftigte sich mit den Themen von A wie Anfänge bis I wie Inszenierung. Die Fortsetzung mit den Kapiteln von K wie Klassiker bis Z wie Zerfall wird nun im zweiten Teil vom 1. Oktober 2012 bis zum 14. April 2013 gezeigt.

Galerie auf der 21 Meter Ebene der Kohlenwäsche

Das Kapitel Klassiker versammelt die Motive, die sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit beim Publikum erfreuen. Manipulation liefert Beispiele für die Bearbeitung von Bildern schon vor den ersten Debatten über digitale Eingriffe. Montagen zeigt, dass schon früh aus zwei oder mehreren Bildvorlagen künstliche Bilder konstruiert wurden. Die in der Sammlung sehr umfangreich vertretene Pressefotografie ist mit Reportagen aus Sport, Politik und Gesellschaft vertreten. Beispiele für überwiegend freie Arbeiten zeitgenössischer Fotografinnen und Fotografen sind als Projekte zu besichtigen. Neben Fotografie im Dienste der Werbung ist Werksfotografie zu sehen – beides Gattungen, die eine Botschaft transportieren. Dagegen dient die Fotografie in der Wissenschaft zur Dokumentation und zu Forschungszwecken. Im Kapitel Zeitschnitte werden Veränderungen von Menschen und Objekten über einen längeren Zeitraum sichtbar, und wie sich die Bilder selbst trotz konservatorischer Bemühungen im Laufe der Jahrzehnte verändern, zeigt das Schlusskapitel Zerfall.

Dr. Sigrid Schneider, Leiterin des Fotoarchivs, Andreas Bomheuer, Kulturdezernent der Stadt Essen, und Heinrich Theodor Grütter, Direktor des Ruhr Museums

Bei den ausgestellten Arbeiten handelt es sich um Abzüge aus der Entstehungszeit, von den Fotografen selbst angefertigte oder von ihnen autorisierte Neuabzüge bzw. vom Museum beauftragte Abzüge von den Originalnegativen und Diapositiven. Die Ausstellung „Von A bis Z. Fotografie im Ruhr Museum“ ist der Beginn einer Ausstellungsreihe, in der das Ruhr Museum in den kommenden Jahren die besten Exponate seiner geologischen, mineralogischen, archäologischen und historischen Sammlungen zeigen wird. Die Bestände sind in der Regel von überregionaler, häufig sogar von internationaler Bedeutung und teilweise noch nie gezeigt worden.

Ruhr Museum in der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche Zollverein

Die Ausstellung ist bis 31. März 2013 täglich von 10 bis 18 Uhr und ab 1. April 2013 täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 2 EUR, ermäßigt 1 EUR, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren 0,50 EUR. Parallel ist noch bis zum 6. Januar 2013 die Sonderausstellung „200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“ auf der 12 Meter Ebene der Kohlenwäsche zu sehen. Ab 15. April 2013 soll dann dort die Ausstellung „Kohle.Global“ gezeigt werden, die sich dem die Welt bestimmenden Thema Kohle widmen wird. Nie wurde so viel Kohle abgebaut, befördert und verbraucht wie heute, nahezu alle Staaten der Erde sind Kohleverbraucher. „Kohle.Global“ wird die Besucher auf eine Reise in die Reviere der anderen begleiten.

Die nachfolgende Fotostrecke zeigt einen kleinen Einblick in den zweiten Teil der Ausstellung „Von A bis Z. Fotografie im Ruhr Museum“. Die restlichen 321 Fotografien sind im Ruhr Museum ausgestellt.


Zur Eröffnung des zweiten Teils der Ausstellung ist der Katalog „Von A bis Z. Fotografie im Ruhr Museum“ mit 304 Seiten und über 300 Abbildungen im Verlag der Buchhandlung Walther König zum Preis von 19,80 EUR erschienen. Es ist der erste einer Reihe von Katalgen zu den Sammlungen des Ruhr Museums. Ab Herbst 2013 wird die Sammlungsausstellung „Vormoderne im Ruhr Museum“ zu sehen sein, und in den darauffolgenden Jahren präsentiert das Ruhr Museum Ausstellungen zu seiner mineralogischen Sammlung, zur industriegeschichtlichen Sammlung, zur archäologischen Sammlung und zur geologischen Sammlung. Zu diesen Sonderausstellungen wird ebenfalls ein Katalog erscheinen, so dass 2017 alle Sammlungen auch in einem entsprechenden Katalog dokumentiert sind.

VBW geben Hauptdarstellerin von „Natürlich blond“ bekannt

Der Kartenvorverkauf ist eröffnet

„Natürlich blond“ – nach dem gleichnamigen Roman von Amanda Brown und der Hollywood Komödie „LEGALLY blonde“ (2001) mit Reese Witherspoon; Musik, Gesangstexte: Laurence O´Keefe und Nell Benjamin; Buch: Heather Hach; Deutsche Bearbeitung: Ruth Deny (Buch), Heiko Wohlgemuth und Kevin Schroeder (Songtexte). Darsteller: Barbara Obermeier (Elle Woods) u. a. Broadway Premiere: 29. April 2007, Palace Theatre, New York. Deutschsprachige Erstaufführung: 21. Februar 2013, Ronacher, Wien.

Mit dem Start des Kartenvorverkaufs für das Musical „Natürlich blond“, das am 21. Februar 2013 seine deutschsprachige Erstaufführung im RONACHER feiern wird, haben die Vereinigten Bühnen Wien auch die Hauptdarstellerin Barbara Obermeier bekanntgegeben, die ab Februar 2013 in der Rolle der Elle Woods zu sehen sein wird.

Barbara Obermeier als Elle Woods
© VBW / Moritz Schell

Barbara Obermeier hat ihre Ausbildung an der Abraxas Musical Akademie in München im Sommer 2005 abgeschlossen und ist dem Wiener Publikum bereits aus verschiedenen Musical­produktionen der Vereinigten Bühnen Wien wie „Rebecca“, „Tanz der Vampire“ und augenblicklich „Sister Act“ bekannt, wo sie als stimmgewaltige Schwester Mary Robert zu sehen ist. Barabara Obermeier überzeugte beim Casting mit außergewöhnlichem Gesangs- und Schauspieltalent die komplette Castingjury, in der auch Jerry Mitchell, Regisseur und Choreograf von „Legally Blonde“ am Broadway, vertreten war.

„Natürlich blond“ erzählt mit viel Wortwitz und Charme die Geschichte der amerikanischen College Blondine Elle Woods, die nach Harvard geht, um Ihren Ex-Freund Warner Huntington III, der dort Rechtswissenschaften studieren will, zurückzugewinnen. Dort entwickelt sich Elle zu einer intelligenten und emanzipierten Jusstudentin und beweist mit Selbstbewusstsein und Herz, dass das Äußere oft zu täuschen vermag.

Mittwoch, 26. September 2012

Vorschau: „West Side Story“

„West Side Story“ – Musik: Leonard Bernstein; Liedtexte: Stephen Sondheim; Buch nach einer Idee von Jerome Robbins: Arthur Laurents; Inszenierung und Choreografie: Joey McKneely; Bühne: Paul Gallis; Kostüme: Renate Schmitzer; Lichtdesign: Peter Halbsgut; Tondesign: Rick Clarke; Musikalische Leitung: Donald Chan. Darsteller: Chris Behmke/Liam Tobin (Tony), Elena Sancho Pereg/Jasmina Sakr (Maria), Yanira Marin (Anita), Andy Jones (Riff), Rhett Aren Guter (Action), Brandon Hudson (A-Rab), Michael Bullard (Baby John), Fred P. Odgaard (Snow Boy), Ryan Fitzgerald (Big Deal), Drew Nellessen (Diesel), Nicholas Sipes (Gee-Tar), Tenealle Farragher (Graziella), Addie Tomlinson (Velma), Courtney Ortiz (Minnie), Sarah Blodgett (Clarice), Melanie A. Wildman (Pauline), Christie Partelow (Anybodys), Pepe Muñoz (Bernardo), Nikko Kimzin (Chino), Charles South (Pepe), Christian Elan Ortiz (Indio), Caleb Teicher (Luis), Michael Juan Bishop (Anxious), Jerimy Luis Rivera (Nibbles), Armando Reinaldo Yearwood Jr. (Moose), Maria Victoria Failla (Rosalia), NaTonia Monét (Consuela), Natalie Williams (Teresita), Kara Anne Duncan (Francisca), Emma Sofia Pfaeffle (Estella), Naomi C. Walley (Margarita), Joe Gioco (Doc), John Wojda (Lt. Schrank), Mel Shrawder (Officer Krupke), James Michael Reilly (Glad Hand). Broadway-Premiere: 26. September 1957, Winter Garden Theatre, New York. Tournee-Premiere: 26. Juni 2012, Deutsche Oper, Berlin.



„West Side Story“


Der Broadway-Klassiker mit der Original­choreografie von Jerome Robbins kommt im Oktober 2012 auch nach Essen



Die ‚Jets’ und ‚Sharks’; Foto: Nilz Böhme

Die „West Side Story“, nicht nur die bekannteste Vertonung von William Shakespeares „Romeo und Julia“, sondern auch eines der größten Werke des amerikanischen Musiktheaters, behandelt am Beispiel zweier rivalisierender Banden die Schwierigkeiten und Gegensätze zwischen den ein­ge­wan­derten Puertoricanern (‚Sharks’) und den Einheimischen der New Yorker West Side (‚Jets’) um 1955. Aus diesen rivalisierenden Banden verlieben sich Tony und Maria ineinander, doch angesichts der Feindseligkeiten ist ihre Liebe zum Scheitern verurteilt. Das Stück wurde 1961 verfilmt; der Film wurde für elf Oscars nominiert, wovon er immerhin zehn tatsächlich erhalten hat. Bei der „West Side Story“ verschmelzen Musik, Schauspiel und Tanz in nahezu unübertrefflicher Form, und die in der von Robert E. Griffith und Harold S. Prince produzierten Uraufführung von Jerome Robbins choreographierten Tanzsequenzen gerieten zum beinahe wichtigsten Stilmittel. Robbins erarbeitete mit jedem Tänzer ein individuelles Repertoire an Gesten und schuf damit ein stilisiertes Tanztheater, das die bedrohlichen Auseinandersetzungen der Jugendlichen überzeugender auf die Bühne brachte als jede realistische Darstellung.


Die ‚Sharks’, in der Mitte Pepe Munoz (Bernardo) und Yanira Marin (Anita)
Foto: Nilz Böhme

2012 ist der Broadway-Klassiker mit der Originalchoreografie von Jerome Robbins wieder an den großen Bühnen Deutschlands zu erleben, die Neuinszenierung vereint die unvergleichlich vitale Musik, die mitreißende Dramatik und die brennende Aktualität des Meisterwerks in einer aufwändigen Produktion mit 36 Darstellern und insgesamt über 80 Beteiligten. Joey McKneely, der als Tänzer in die Original Broadway Inszenierung involviert war, zeichnete für die choreografische Reproduktion der jüngsten Neuinszenierung der „West Side Story“ am Broadway unter der Regie von Arthur Laurents verantwortlich und hat die Tournee-Produktion inszeniert und choreografiert.

Die Mädchen der Sharks; Foto: Nilz Böhme

Nachdem Stage Entertainment mit der Derniere von „BUDDY – Das Buddy Holly Musical“ den En-suite-Spielbetrieb im Colosseum Theater, der ehemaligen „VIII. Mechanischen Werkstatt“ der Essener Krupp-Gussstahlfabriken eingestellt hat, wird die denkmalgeschützte Industriehalle heute für verschiedene Veranstaltungen vermietet, u. a. auch für Musical-Aufführungen. Die Verbindung von außergewöhnlicher Architektur und modernem Theater-Ambiente gibt es in dieser Form kein zweites Mal. Nachdem die aktuelle Tournee-Produktion der „West Side Story“ von BB Promotion in diesem Jahr bereits in Berlin, Leipzig, Köln und Hamburg gastierte, wird der Broadway-Klassiker vom 11. bis 20. Oktober 2012 im Colosseum Theater Essen zu sehen sein. Weitere Informationen und Tickets unter www.westsidestory.de.

Elena Sancho Pereg (Maria) und Liam Tobin (Tony)
Foto: Nilz Böhme

Dienstag, 25. September 2012

Stadttheater Bielefeld: The Who´s Tommy

„The Who´s Tommy“ – Musik, Gesangstexte: Pete Townshend; Libretto: Pete Townshend und Des McAnuff; Ergänzende Musik: John Entwistle und Keith Moon; Deutsche Bearbeitung: Anthony Gebler; Inszenierung und Choreografie: Götz Hellriegel; Musikalische Leitung: William Ward Murta; Bühne und Kostüme: Dietlind Konold; Licht: Peter Lorenz; Dramaturgie: Jón Philipp von Linden. Darsteller: Philipp Dietrich (Tommy/Erzähler), Can Rico Brand*/Leon Herbst*/Paul-Kolja Kordbarlag*/Kevin Lücke* (Tommy, 4 Jahre alt), Daniel Linde*/Aaron Möllmann*/David Puchelski* (Tommy, 12 Jahre alt), Carina Sandhaus (Mrs. Walker), Alexander Franzen (Captain Walker), Carlos Horacio Rivas (Uncle Ernie), Nicky Wuchinger (Cousin Kevin u. a.), Brigitte Oelke (Acid Queen/Zeitungsverkäuferin/Assistentin/Interviewerin u. a.), David Jakobs (1. Junge/Offizier/Clown/Harmonikaspieler/Spezialist/Security u. a.), Nico Gaik (2. Junge/Offizier/Richter/Hausierer/Security u. a.), Rebecca Stahlhut (Sally Simpson/Reporter u. a.), Johannes Brüssau (Geistlicher/Advokat/Reporter/Security u. a.), Alica Hubiak (Krankenschwester/Mrs. Simpson/Reporter/Filmcrew u. a.), Marleen Jakob (Mädchen/Reporter/Filmcrew u. a.), Fabian Kaiser (Soldat/Advokat/Double Mr. Walker/Reporter/DJ/Security u. a.), Johannes Kiesler (Liebhaber/Reporter/Security/Mr. Simpson u. a.) und Franziska Vosseler (Krankenschwester/Frau des Geistlichen/Double Mrs. Walker/Reporter u. a.). *Theaterballettschule, Ltg. Maria Haus. Uraufführung: 1. Juli 1992, Mandell Weiss Theatre, La Jolla Playhouse, San Diego. Broadway Premiere: 22. April 1993, St. James Theatre, New York City. Deutsche Erstaufführung: 28. April 1995, Capitol, Offenbach. Deutschsprachige Erstaufführung: 2. Juli 1999, Stadttheater Lübeck. Premiere: 23. September 2012, Theater Bielefeld.



„The Who´s Tommy“


Die Rockoper am Stadttheater Bielefeld


Am 23. Mai 1969 veröffentlichte die britische Rockgruppe The Who ihr Konzeptalbum „Tommy“, das weltweit über 20 Millionen Mal verkauft wurde. Bereits vom 28. April bis 16. Mai 1971 zeigte die Seattle Opera unter der Intendanz von Richard Pearlman „Tommy“ zum ersten Mal als komplettes Bühnenstück mit Steve Curry in der Titelrolle am Moore Theater, Bette Midler spielte die Rolle der Acid Queen und Mrs. Walker. Ken Russel verfilmte die Geschichte mit dem Leadsänger von The Who, Roger Daltrey in der Titelrolle, und Stars wie Ann-Margret Olsson als Nora Walker Hobbs, Tina Turner als Acid Queen, Elton John als Pinball Wizard, Eric Clapton als Prediger und Jack Nicholson als Spezialist. Am 19. März 1975 kam der Film in die amerikanischen Kinos, Ann-Margret wurde 1976 mit dem Golden Globe Award in der Kategorie „Best Actress – Motion Picture Musical or Comedy“ ausgezeichnet. 24 Jahre sollten nach der Veröffentlichung des Konzeptalbums bis zur Broadway Premiere der Rock-Oper „The Who´s Tommy“ in der Fassung von Pete Townshend und dem künstlerischen Leiter des „La Jolla Playhouse“ in San Diego, Des McAnuff am 22. April 1993 vergehen, verschiedene Versuche, das Werk in Großbritannien auf die Bühne zu bringen, blieben in den Jahren 1975 bis 1978 erfolglos. Am Broadway wurde das Stück dann in 899 regulären Vorstellungen bis 17. Juni 1995 gezeigt und mit 5 Tony Awards ausgezeichnet, u. a. für die Beste Originalmusik für Pete Townshend. Am 28. April 1995 erlebte „The Who´s Tommy“ in der zu einem Musicaltheater umgebauten ehemaligen Synagoge in Offenbach seine deutsche Erstaufführung und wurde dort bis 16. Juni 1996 aufgeführt, das Projekt endete in der Insolvenz. Daraufhin erstellte Anthony Gebler eine deutsche Fassung, die am 2. Juli 1999 am Stadttheater Lübeck mit Sven Olaf Denkinger in der Titelrolle ihre Erstaufführung erlebte.

Stadttheater Bielefeld

Als Captain Walker, der im Zweiten Weltkrieg als vermisst gemeldet wird, 1945 aus der Gefangenschaft zurückkehrt, findet er seine Frau mit ihrem neuen Liebhaber vor. Es kommt zu einer Prügelei, in deren Verlauf Captain Walker den Liebhaber erschießt. Der vierjährige Tommy sieht die Tat im Spiegel mit an, seine Eltern beschwören ihn, nichts gesehen oder gehört zu haben und auch auf keinen Fall darüber zu sprechen. Auf tragische Weise soll ihr Wunsch in Erfüllung gehen, der traumatisierte Junge reagiert fortan nicht mehr und ist blind, stumm und taub. Captain Walker wird vor Gericht zwar vom Vorwurf des Mordes freigesprochen, doch Tommy treibt seine von Schuldgefühlen geplagten Eltern zur Verzweiflung. Immer wieder starrt er in den Spiegel und sieht dabei sein älteres Ego, das als Erzähler in Erscheinung tritt und nur für ihn sichtbar ist. Tommy wird von einer ganzen Reihe von Ärzten vergeblich untersucht, niemand kann ihn kurieren. Als die Eltern abends wieder ausgehen, überlassen sie Tommy der Obhut seines Onkels Ernie, der ihn sexuell belästigt. Auch sein sadistischer Cousin Kevin, der auf Tommy aufpassen soll, tyrannisiert und missbraucht ihn. Als Kevin Tommy im Jugendzentrum an einen Flipperautomaten stellt, erzielt dieser zur Verwunderung aller Höchst­punkt­zahlen, so dass er schließlich zum Flipperwunder erklärt wird. Seine Eltern haben die Hoffnung auf Heilung noch nicht aufgegeben, doch auch ein weiterer Spezialist kann Tommy nicht heilen. Als Tommy, der inzwischen 21 Jahre alt ist, wieder nur in den Spiegel starrt und seine Mutter nicht zu ihm durchdringen kann, zerschlägt Mrs. Walker aus Wut und Verzweiflung den Spiegel. Wie durch ein Wunder kann Tommy wieder sehen, hören und sprechen, und wendet sich von seinen Eltern ab. Die Medien stürzen sich auf die Wunder­heilung und Tommy avanciert zum Medienliebling und Teenie-Idol, doch er ist sich seiner Rolle als Vorbild zunächst nicht bewusst. Onkel Ernie versucht, aus Tommys Ruhm Gewinn zu schlagen, indem er bei seinen Auftritten Souvenirs verkauft. Die Situation verändert sich grundlegend, als es ein fanatischer Fan, Sally Simpson bis zu Tommy auf die Bühne schafft und er sie unwissentlich von der Bühne stößt. Er begreift mit einem Mal den Rummel um seine Person und versucht, diesen zu unterbinden. Doch seine Fans sehen in ihm einen spirituellen Lehrer, verständlicherweise will und kann er diesen Erwartungen nicht standhalten …

In Bielefeld steht Philipp Dietrich in seinem ersten Engagement in der Titelrolle auf der Bühne, der in diesem Jahr seinen Abschluss an der Joop van den Ende Academy in Hamburg gemacht hat. Souverän meistert der junge Darsteller seinen Part und findet auch in leiseren Augenblicken den richtigen Ton. Glaubhaft verleiht er dem heranwachsenden Tommy Gestalt, der schließlich seinen eigenen Weg geht und die Vergangenheit hinter sich lässt. Paul-Kolja Kordbalg und Daniel Linde aus der hauseigenen Theaterballettschule stellten bei der Premiere überzeugend die Rolle des traumatisierten vier- bzw. zwölfjährigen Kindes dar, das sich apathisch an sein Spielzeughaus klammert. Carina Sandhaus ist als ihren Sohn liebende Mrs. Walker zunehmend von der Situation überfordert, ihre aufgestaute Wut und Verzweiflung entladen sich glaubwürdig in dem Song „Soll ich ihn zerschlagen“/„Smash the Mirror“. Alexander Franzen lässt als besorgter Familienvater Captain Walker keine Möglichkeit aus, seinem Sohn Hilfe angedeihen zu lassen, sei die Chance auf Heilung auch noch so klein. Missbrauch ist ein zentrales Thema der Handlung, seine lüsternen Spiele mit dem wehrlosen Neffen setzt Carlos Horacio Riva als Tommys pädosexueller Onkel Ernie in „Ich mach´ an dir rum“/„Fiddle about“ gekonnt verabscheuenswert in Szene, da rücken ihn seine Versuche, in „Tommys Feriencamp“ aus Tommys Ruhm Profit zu schlagen, beim Zuschauer wieder in ein positiveres Licht. Nicky Wuchinger, der sein Studium im Studiengang Musical/Show an der Universität der Künste Berlin ebenfalls dieses Jahr abgeschlossen hat, verkörpert u. a. die Rolle des boshaften Cousins Kevin, der seine sadistische Ader in „Wir sind allein, Cousin“/„Cousin Kevin“ ausleben kann. Gesanglich gefällt der junge Baritenor auch im Zusammenspiel mit David Jakobs und Nico Gaik, mit „Der taubstumme blinde Junge ist gut am Ball“ („Flipperwunder“/„Pinball Wizard“), dem wohl bekanntesten und erfolgreichsten Song der Produktion, können sie gemeinsam punkten. Für die Rolle der als Acid Queen bekannten Prostituierten konnte das Theater Bielefeld Brigitte Oelke verpflichten, dem breiten Musicalpublikum als die Killer Queen in den deutschsprachigen Produktionen von „We Will Rock You – Das Original Musical von Queen und Ben Elton“ bekannt. Mit ihrer Rockröhre beeindruckt sie in ihrem Solo „Acid Queen“, Tommy kann sie mit halluzinogenen Drogen aber auch nicht heilen. Brigitte Oelke ist dem Theater Bielefeld für die gesamte Spielzeit 2012/2013 verbunden und wird auch bei der Silvestergala und dem zweiten Musical in der laufenden Saison, „City of Angels“ (Premiere: 18. Mai 2013, Inszenierung: Thomas Winter) mitwirken.

Götz Hellriegel, selbst ausgebildeter Tänzer und Schauspieler, erzählt die Geschichte vom Heranwachsen des Teenagers ohne Umschweife oder Experimente in schneller Bildfolge, der die Zuschauer aber problemlos folgen können. Zur zeitlichen Einordnung der Szenen werden die jeweiligen Jahreszahlen mit Kreide auf den Bühnenboden geschrieben und gleichzeitig als Übertitel projiziert, da sie andernfalls im Parkett nicht zu sehen wären. Die Entscheidung, „The Who´s Tommy“ in der deutschen Übersetzung von Anthony Gebler aufzuführen, unterstreicht den Fokus auf das Bühnengeschehen. Götz Hellriegels Choreografien verleihen dem Handlungsablauf auf der Bühne zusätzlich die entsprechende Dynamik. Dietlind Konold zeichnet für die Ausstattung verantwortlich. Zwei bespielbare Traversenkonstruktionen in Form eines Spitzgiebelhauses rechts und links sowie ein drittes Spitzgiebelhaus in der Mitte, das sich durch Heraufziehen der Fassade in den Schnürboden in das Wohnzimmers der Walkers verwandelt, bilden das Bühnenbild, welches durch einige Flipperautomaten ergänzt wird. Die 17 Darsteller sind im Laufe der Vorstellung in 180 Kostümen auf der Bühne zu sehen, was durch teilweise sekundenschnelle, sorgfältig koordinierte Kostümwechsel ermöglicht wird. Instrumente werden im Orchestergraben nicht zertrümmert, und einen Schalldruckpegel von 120 dB, wie er bei einem Auftritt von The Who auf dem Charlton Football Ground gemessen wurde, strebt in Bielefeld selbstredend niemand an. Im Gegenteil: Die achtköpfige Rockband unter der Musikalischen Leitung von Musical-Kapellmeister William Ward Murta bringt die Partitur von Pete Townshend kraftvoll, aber weniger kantig als The Who und völlig bühnentauglich zu Gehör. Auch die Abmischung mit den Darstellern ist gut gelungen. Wer dennoch zu hohe Lautstärke befürchtet, kann sich vorsorglich im Foyer mit Ohrenstöpseln eindecken.

Operndirektorin Helen Malkowsky präsentiert das Ensemble bei der Premierenfeier

Nachdem das Theater Bielefeld in der vergangenen Spielzeit „Chess – Das Musical“ von Benny Andersson und Björn Ulvaeus gezeigt hat, wird mit „The Who´s Tommy“ erneut ein Musical mit kraftvollem Rocksound geboten, das mit ausgesuchten Darstellern überzeugend auf die Bühne gebracht wird. Das Premierenpublikum feierte Darsteller und Kreative nach der etwa zweistündigen, kurzweiligen Aufführung mit enthusiastischem Stehapplaus. „The Who´s Tommy“ steht noch bis 23. April 2013 am Stadttheater Bielefeld auf dem Spielplan, die nächsten Vorstellungen stehen am 30. September sowie am 6. und 28. Oktober 2012 auf dem Programm. Die Kartennachfrage war schon vor der Premiere so enorm, dass zwei zusätzliche Vorstellungen in den Spielplan aufgenommen wurden.

Haben Sie selbst „The Who´s Tommy“ am Stadttheater Bielefeld schon gesehen? Wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?

Montag, 24. September 2012

Udo Jürgens stellt die Hauptdarsteller für Oberhausen vor

NRW-Premiere von „Ich war noch niemals in New York“ am 5. Dezember 2012

„Ich war noch niemals in New York“ – mit den Songs von Udo Jürgens; Buch: Gabriel Barylli, Christian Struppeck; Regie: Carline Brouwer; Choreografie: Kim Duddy; Bühne: David Gallo; Kostüme: Yan Tax; Licht: Andy Voller, Richard G. Jones; Orchestrierung und Musikalische Leitung: Michael Reed. Darsteller: Charlotte Heinke (Lisa Wartberg), Karim Khawatmi (Axel Staudach), Gisela Kraft (Maria Wartberg), Ernst Wilhelm Lenik (Otto Staudach), Uli Scherbel (Fred Hoffmann), Vladimir Korneev (Costa Antonidis), Tom Bauditz/Louis Hohrath/Felix Jung/Leon Otto/Rafael Pavlidis/Tobias Württemberg/Nico Felix Zoll (Florian Staudach), Cemile Bakanyildiz (Frau Menzel), Susanna Panzner (Frau Alteisen, Cover Lisa Wartberg), Markus Düllmann (Kapitän), Eric Minsk (Steward), Vitesha Benda, Sanne Buskermolen, Alan Byland, Damian Czarnecki, Maria Einfeldt, Daniella Foligno, Julieta Anahi Frias, Máté Gyenei, Farid Halim, Hans-Dieter Heiter, Andrew Hunt (Dance Captain), Nic Ineson (Assistant Dance Captain), Nina Janke (Cover Lisa Wartberg), Christoph Jonas, Esther Mink, Alison J. Norwell, Jennifer Pöll, Tara Randell, Karina Rapley, Patrick John Rebullida, Patrick Schenk (Cover Axel Staudach, Cover Kapitän), Marc Schlapp, Wolfgang Schreiner, Florian Theiler (Cover Fred Hoffmann, Cover Costa Antonidis), Tobias Weis. Uraufführung: 2. Dezember 2007, Operettenhaus Hamburg. Premiere: 5. Dezember 2012, Stage Metronom Theater am CentrO Oberhausen.

Udo Jürgens stellte heute im Stage Metronom Theater am CentrO Oberhausen die beiden Hauptdarsteller seines Musicals „Ich war noch niemals in New York“ vor. Charlotte Heinke und Karim Khawatmi werden die Rollen der Fernsehmoderatorin Lisa Wartberg und des Fotografen Axel Staudach spielen. Beiden Darstellern sind ihre Rollen bereits aus der Stuttgarter Produktion von „Ich war noch niemals in New York“ vertraut, in der Charlotte Heinke als alternierende Lias Wartberg und Karim Khawatmi als Erstbesetzung Axel Staudach engagiert sind.

Udo Jürgens, Charlotte Heinke und Karim Khawatmi
© Stage Entertainment

Im Mittelpunkt des Musicals steht die erfolgreiche Fernsehmoderatorin Lisa Wartberg. Ausgelastet durch ihre Karriere vernachlässigt sie ihre Mutter Maria. Die lebenslustige alte Dame fühlt sich abgeschoben. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Otto Staudach schmiedet Maria Pläne, dem Alltag zu entfliehen. Beide wollen sich ihren größten Lebenstraum erfüllen: Eine Reise nach New York und Hochzeit unter der Freiheitsstatue. Heimlich besteigt das Paar ein Kreuzfahrtschiff. Bei dem Versuch, ihre Mutter aufzuhalten, trifft Lisa auf Ottos Sohn Axel und dessen Junior Florian. Das ungleiche Trio nimmt die Verfolgung auf. An Bord eines Kreuzfahrtschiffes nehmen die Verwicklungen ihren Lauf und es kommt zum turbulenten Höhepunkt im Aufeinandertreffen der drei Generationen auf hoher See.

„Ich war noch niemals in New York“, Ensemble
© Stage Entertainment


Street Scene

„Street Scene“ – nach dem gleichnamigen Drama von Elmer Rice; Musik: Kurt Weill; Gesangstexte: Langston Hughes und Elmer Rice; Buch: Elmer Rice; Deutsche Bearbeitung: Lys Symonette; Inszenierung: Gil Mehmert; Choreografie: Daniela Günther (nach einer Choreografie von Ramses Sigl); Musikalische Leitung: Heiko Mathias Förster; Bühne: Heike Meixner; Kostüme: Steffi Bruhn; Licht: Benjamin Schmidt; Sounddesign: Marc Schneider-Handrup; Dramaturgie: Johanna Mangold, Juliane Schunke. Darsteller: Joachim Gabriel Maaß (Frank Maurrant), Noriko Ogawa-Yatake (Anna Maurrant), Dorin Rahardja (Rose Maurrant), Marie Lumpp* (Willie Maurrant/Mae Jones/Polizist), Anke Sieloff (Emma Jones), Wolf-Rüdiger Klimm (George Jones/Polizist/Ein Mann), Oliver Morschel* (Vincent Jones/Marshall James Henry/Polizist), Almuth Herbst (Olga Olsen), Michael Tews (Carl Olsen/Polizist), Thomas Weber-Schallauer (Abraham Kaplan), Lars-Oliver Rühl (Sam Kaplan), Miriam Schwan (Shirley Kaplan/Graduationgirl), William Saetre (Lippo Fiorentino), Christa Platzer (Greta Fiorentino), Wiltrud Maria Gödde (Laura Hildebrand), Silvia Oelschläger (Jennie Hildebrand/Mrs. Buchanan), Richard Salvador Wolff* (Charlie Hildebrand/Polizist), Vera Weichel* (Mary Hildebrand), Charles E. J. Moulton (Henry Davis), Yvonne Forster* (Grace Davis/Polizist), Sabina Detmer (Homeless Woman/Eine Frau), Matthias Kumer* (Dick McGann/Fred Cullen/Polizist), Michael Dahmen (Harry Easter/Dr. John Wilson/Officer Harry Murphy), Mark Weigel (Steve Sankey), E. Mark Murphy (Daniel Buchanan), Elise Kaufman, Birgit Brusselmans (Kindermädchen/Frauen von der Heilsarmee), Inga Krischke* (Joanna/Graduationgirl/Violinschülerin/Polizist), Katrin Bewer/Isabella Sonsala (Myrtl/Graduationgirl), Ann-Kristin Kuhn/Kira Skender (Joan/Graduationgirl), Matthias Günzel/Moritz Lidzbarski (Joe/Polizist). *Studierende im Studiengang Musical an der Folkwang Universität der Künste. Erste Tryout-Aufführung: 16. Dezember 1946, Schubert Theater, Philadelphia. Broadway Premiere: 9. Januar 1947, Adelphi Theatre, New York City. Deutsche Erstaufführung: 26. November 1955, Theater am Worringer Platz, Düsseldorf. Premiere: 22. September 2012, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen.



„Street Scene“


Die „American Opera“ von Kurt Weill am Musiktheater im Revier



Wolf-Rüdiger Klimm (George Jones), Michael Tews (Carl Olsen), Almuth Herbst (Olga Olsen), Christa Platzer (Greta Fiorentino) und Anke Sieloff (Emma Jones)
Foto: Pedro Malinowski

Nachdem Kurt Weill, der aus einer jüdischen Familie stammte, am 21. März 1933 nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten aus Deutschland geflohen und im September 1935 nach Amerika emigriert war, war er auf der Suche nach einer Theaterform, die Drama und Musik, gesprochene Dialoge und Songs miteinander verbindet. Bereits 1930 hatte er das Drama „Street Scene“ von Elmer Rice gesehen, für das dieser 1929 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, und wollte es für die Musiktheater­bühne adaptieren, doch erst 1943 willigte Elmer Rice schließlich ein. So schrieb Kurt Weill 1946 die „amerikanische Oper“ „Street Scene“, in der europäische Oper und amerikanisches Musical miteinander verschmelzen und Dialog und Musik nahtlos ineinander übergehen, wodurch sich das Stück einer eindeutigen Genre-Zuordnung entzieht. Nach Tryout-Vorstellungen am Schubert Theater in Philadelphia, erlebte „Street Scene“ am 9. Januar 1947 am Broadway am Adelphi Theatre seine Uraufführung, wurde dort allerdings nur bis zum 17. Mai 1947 in 148 Vorstellungen gezeigt. Kurt Weill wurde für das Stück 1947 mit dem Tony Award für die beste Originalmusik ausgezeichnet, Lucinda Ballard erhielt den Tony Award für das beste Kostümdesign. „Street Scene“ zählt eher zu den selten gespielten Stücken, am 19. Juni 2011 erlebte „Broadways erste richtige Oper“ in der Regie von Bettina Bruinier seine Premiere an der Semperoper in Dresden, und am 25. und 26. September 2011 wurde „Street Scene“ in einer Inszenierung von John Fulljames im Theater an der Wien gezeigt. Bei der ersten Premiere der neuen Spielzeit 2012/2013 am Musiktheater im Revier am 22. September 2012 handelt es sich um eine Kooperation des MiR mit der Bayerischen Theaterakademie August Everding und der Hochschule für Musik und Theater München. Regisseur Gil Mehmert hatte „Street Scene“ auf Bestreben von Klaus Zehelein, seit 2006 Präsident der Bayerischen Theaterakademie August Everding, am 11. Februar 2011 als studienübergreifende Produktion unter der Musikalischen Leitung von Ulf Schirmer auf die Bühne des Prinzregententheaters gebracht, in der die Studenten der Studiengänge Musiktheater, Musical und Schauspiel gleichermaßen integriert waren. Mit 40 zu besetzenden Rollen, die am Musiktheater im Revier von 31 Darstellern auf der Bühne verkörpert werden, gehört „Street Scene“ zu den personell aufwändigsten Werken des 20. Jahrhunderts. Neben den fest am MiR engagierten Solisten ergänzen Studierende im Studiengang Musical an der Folkwang Universität der Künste das Ensemble und haben teilweise die Kinderrollen übernommen.


Marie Lumpp (Mae Jones) und Matthias Kumer (Dick McGann)
Foto: Pedro Malinowski

„Street Scene“ hat keine fortlaufende Handlung im eigentlichen Sinn, es ist vielmehr eine Milieustudie einer schmalen Straße vor einem der überbevölkerten Wohnblöcke in der Lower East Side von Manhattan Mitte der 1940er Jahre. Das Stück schildert in Gesprächen, Mei­nungs­ver­schie­den­heiten und ernsthaften Auseinandersetzungen bei drückender Sommerhitze die hoffnungslosen Lebensumstände und sozialen Aspekte einer benachteiligten Bevölkerungsschicht im Laufe eines Tages. Kurt Weill war von den alltäglichen Problemen der Bevölkerung in den weniger betuchten Gegenden von New York fasziniert und hat versucht, seine persönlichen Eindrücke so authentisch wie möglich in seine Oper einfließen zu lassen. Hier wohnen die Maurrants, Anna und Frank haben sich in ihrer Ehe schon längst nichts mehr zu sagen, so dass Anna Maurrant aus Enttäuschung heimlich eine Affäre mit dem Milchmann Steve Sankey beginnt und damit für ständigen Tratsch unter den Bewohnern in ihrer Straße sorgt, insbesondere bei ihren Nachbarinnen Emma Jones, Greta Fiorentino und Olga Olsen. Als Frank Maurrant von der Arbeit kommt, streitet er mit Anna darüber, dass ihre Tochter im Teenageralter immer noch nicht zu Hause ist. Anna hat ihren Glauben an eine bessere Zukunft noch nicht verloren, und als Steve Sankey auftaucht und kurz darauf wieder verschwindet, folgt ihm Anna unter dem Vorwand, nach ihrem Sohn Willie zu suchen, woraufhin der Tratsch von neuem beginnt. Frank stellt Anna bei ihrer Rückkehr noch ahnungslos zur Rede, und wird prompt misstrauisch, als auch Steve Sankey kurze Zeit später wieder in der Straße auftaucht. Am Abend wird Rose Maurrant von ihrem Chef Harry Easter nach Hause begleitet, der sie zu einer engeren Beziehung überreden möchte. Doch Rose träumt von einem besseren Leben und aufrichtiger Liebe, sie teilt ihre Träume am liebsten mit dem jüdischen Immigranten Sam Kaplan.


Matthias Günzel (Joe), Marie Lumpp (Willie Maurant), Kathrin Bewer (Myrtl), Richard Salvador Wolff (Charlie Hildebrand) und Kira Skender (Joan)
Foto: Pedro Malinowski

Am nächsten Morgen kommt es zu einem heftigen Streit zwischen Anna und Frank über sein Verhalten, in den sich Rose erschrocken einmischt und ihrem Vater Vorwürfe macht. Frank bricht wütend zu seiner Dienstreise nach New Haven auf und lässt seine Frau verzweifelt zurück. Sam und Rose malen sich aus, New York gemeinsam zu verlassen, und werden von Harry Easter unterbrochen, der Rose zu einer Beerdigung begleitet. Sam bemerkt, dass Steve Sankey das Haus betritt, und als Frank Maurrant früher als erwartet von einer Dienstreise zurückkehrt, versucht er die beiden noch zu warnen, doch Frank ertappt seine Frau mit dem Geliebten auf frischer Tat, erschießt beide und versucht, sich aus dem Staub zu machen. Als Rose von der Beerdigung zurückkommt und die betroffenen Menschen auf der Straße sieht, versucht Sam, sie zurückzuhalten, was ihm aber nicht gelingt. Bald darauf wird ihr Vater von der Polizei gefasst und abgeführt, er gesteht Rose, dass er Steve Sankey und seine Frau wie von Sinnen aus Eifersucht und Liebe getötet habe. Sam drängt Rose, die Stadt mit ihm zu verlassen, doch sie will ihren Weg lieber allein machen, um seiner Karriere nicht im Weg zu stehen. Die Wohnung, in der der Mord geschah, wird zu einer Attraktion, und schließlich ziehen neue Mieter ein. Für die Bewohner der Straße geht das Leben weiter wie bisher, und Emma Jones, Greta Fiorentino und Olga Olsen beklagen sich wie schon am Anfang über die unerträgliche Hitze: „Diese Hitze ist einfach die Hölle.“


Joachim Gabriel Maaß (Frank Maurrant), Noriko Ogawa-Yatake (Anna Maurrant) und Dorin Rahardja (Rose Maurrant)
Foto: Pedro Malinowski

Regisseur Gil Mehmert hat aus den fest am Musiktheater im Revier engagierten Solisten und den Studierenden im Studiengang Musical an der Folkwang Universität der Künste ein harmonisches Ensemble geformt, in dem jeder zu einem positiven Gesamteindruck beiträgt. Nicht nur vorlagengemäß können sich Noriko Ogawa-Yatake (Anna Maurrant) und Joachim Gabriel Maaß (Frank Maurrant), Lars-Oliver Rühl (Sam Kaplan) und Dorin Rahardja (Rose Maurrant), die mit dieser Spielzeit aus dem Jungen Ensemble als feste Solistin in das Ensemble des MiR aufgenommen wurde, sowie Mezzosopranistin Anke Sieloff (Emma Jones) als „Klatschweib“ stärker profilieren, die mit ihrem trunksüchtigen Ehemann, einem unzivilisierten Sohn und ihrer häufig den Partner wechselnde Tochter doch eigentlich genügend eigene Probleme hätte. Bassist Joachim Gabriel Maaß gibt sich als launischer Bühnenarbeiter Frank Maurrant gegenüber seiner Frau Anna gefühlskalt und lieblos, deren Rolle von der japanische Sopranistin Noriko Ogawa-Yatake warmherzig und liebebedürftig verkörpert wird. Sopranistin Dorin Rahardja konnte bei der Premiere als Rose Maurrant am nachhaltigsten überzeugen, was Generalintendant Michael Schulz im Anschluss sogar zu der Bemerkung „A Star is born“ veranlasste. Tenor Lars-Oliver Rühl beeindruckt als sanftmütiger Teenager Sam Kaplan, der ernsthaft in Rose verliebt ist. Auch wenn „Street Scene“ bei drückender Sommerhitze spielt, richtig „heiß“ geht es bei der Tanzeinlage von Marie Lumpp (Mae Jones) und Matthias Kumer (Dick McGann) zu „Dusslig und verhext“ („Moon-faced, Starry-eyed“) her, die beiden nutzen den flotten Swing gekonnt, um dem Publikum „einzuheizen“. Auch die Kinder, die von Studierenden im Studiengang Musical an der Folkwang Universität der Künste, unterstützt von drei Mitgliedern der Statisterie, dargestellt werden, haben zu Beginn des zweiten Akts mit dem „Kinderlied“ „Eins, zwei, drei, vier, Schuss ins Tor“ („Catch Me If You Can“) einen eigenen Auftritt, der in einer großen Rauferei endet.


Lars-Oliver Rühl (Sam Kaplan) und Dorin Rahardja (Rose Maurrant)
Foto: Pedro Malinowski

„Street Scene“ darf nach den Vorgaben der Kurt Weill Foundation for Music nur in einer Häuserfassade gespielt werden. Heike Meixner legte dafür eindrucksvoll ein Mietshaus mit vier Stockwerken schräg nach hinten ansteigend auf die Bühne, dessen Fenster und Balkone für Auf- und Abgänge genutzt werden und dessen gesamte Fassade bespielt wird – eine Metapher für den Mikrokosmos eines Mietshauses und den gesamten Planeten. Stefanie Bruhn hat dazu passend – wie Regisseur Gil Mehmert treffend bemerkte – mit „ungehemmtem Mut zur Hässlichkeit“ im positiven Sinne die Kostüme in zeitlosem Look entworfen. Dennoch lässt sich die Handlung anhand eines Details zeitlich einordnen, und zwar anhand der Satellitenschüsseln auf dem Dach des Mietshauses: Der erste kommerzielle nordamerikanische Satellit zur Fernsehübertragung wurde 1972 gestartet, erst Mitte der 1980er Jahre wurde der Empfang von Satellitenfernsehen im Direktempfang auch in Privathaushalten möglich. Daniela Günther hat am MiR die Choreografie nach der Vorlage von Ramses Sigl erarbeitet, die organisch in den Erzählverlauf einfließt. Die an Musikstilen reiche Partitur Kurt Weills ist bei der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Heiko Mathias Förster in besten Händen, deren Musiker haben an der Verbindung von Oper mit symphonischen Swing und Jazz offenbar auch Gefallen gefunden.


Ensemble, Foto: Pedro Malinowski

Das Premierenpublikum bedachte Darsteller und Kreativteam nach der etwa zweieinhalbstündigen Aufführung mit wohlwollendem Applaus. „Street Scene“ steht am Musiktheater im Revier mit insgesamt 10 Vorstellungen noch bis 15. Dezember 2012 auf dem Spielplan. Die nächsten Termine stehen am 28. und 30. September (15 Uhr), 3., 13. und 18. Oktober und 10., 18. und 22. November 2012 auf dem Programm.

Dienstag, 18. September 2012

„Zeig mir den Himmel“

Die „Nonnen“ aus dem Ronacher bringen den Steffl zum Swingen

Das Ensemble von „Sister Act“ im Stephansdom

Am 13. September 2012 wurde „Sister Act – Ein himmlisches Musical“ nach der Sommerpause im Ronacher wiederaufgenommen und wird dort noch bis 31. Dezember 2012 zu sehen sein. Nachdem Dompfarrer Toni Faber einer Einladung zur Premiere des Musicals im Ronacher am 15. September 2011 gern gefolgt war, hatte er im Gegenzug zur Wiederaufnahme die lieben Nachbarn aus dem Ronacher in den Stephansdom eingeladen, am 18. September 2012 die Mittagsmesse musikalisch mitzugestalten.

Ana Milva Gomes (Deloris van Cartier) im Stephansdom

Bereits zur Eröffnung des Gottesdienstes begrüßte Toni Faber die Besucher mit den Worten: „Liebe ehrwürdige Schwestern, die ihr die Tracht durch Gelübde oder für das Schauspiel übernommen habt, liebe Freunde des Musicals SISTER ACT!“ Er entschuldigte sich dann zwar höflich bei den regelmäßigen Besuchern der Mittagsmesse für die ungewohnten Choreinlagen, betonte aber die guten Verbindungen zu den Nachbarn im Ronacher (nicht zuletzt dadurch, dass der Bruder des Kardinals, Michael Schönborn als Monsignore O´Hara im Musical mitspielt).

Ana Milva Gomes (Deloris van Cartier), Gabriela Ryffel, Barbara Obermeier (Sr. Mary Robert) und Christa Helige (Sr. Mary Lazarus) im Stephansdom

Dass die „Nonnen“ aus dem Ronacher keine richtigen Nonnen sind, störte im Stephansdom niemanden, und so kamen nicht nur die regelmäßigen Gottesdienstbesucher, sondern auch Musicalfans und Touristen in den seltenen Genuss, die Songs
  • „Singt hinauf zum Himmel“,
  • „Zeig mir den Himmel“,
  • „Lasst die Liebe rein“ und
  • „Schütz die Show“
aus dem Musical „Sister Act – Ein himmlisches Musical“ während eines Gottesdienstes dargeboten zu bekommen. Das Publikum akklamierte die Gesangseinlagen der Musicaldarstellerinnen spontan, und auch der Dompfarrer hat sich über die vielen Gottesdienstbesucher sichtlich gefreut und schloss die „Nonnen“, die ihm an diesem Tag ein „volles Haus“ beschert haben, mit den Worten „dass sie die Herzen erreichen“ in seine Fürbitten ein.

Das Ensemble von „Sister Act“ und Dompfarrer Toni Faber vor dem Haas Haus


Das Ensemble von „Sister Act“ und Dompfarrer Toni Faber vor dem Haas Haus

Montag, 17. September 2012

Theater Hagen: „Cabaret“

„Cabaret“ – nach dem Schauspiel „I am a Camera“ von John van Druten auf der Grundlage der Berliner Episoden-Romane „Mr. Norris Changes Trains“ (1935), „Goodbye to Berlin“ (1939) von Christopher Isherwood; Musik: John Kander; Gesangstexte: Fred Ebb; Buch: John Masteroff; Deutsche Bearbeitung: Robert Gilbert; Inszenierung: Thilo Borowczak; Choreografie: Barbara Tartaglia; Bühne: Jan Bammes; Kostüme: Christiane Lutz; Musikalische Leitung: Steffen Müller-Gabriel. Darsteller: Henrik Wager (Conférencier), Marysol Ximénez-Carrillo (Sally Bowles), Jeffery Krueger (Clifford Bradshaw), Sylvia Rentmeister (Fräulein Schneider), Werner Hahn (Herr Schultz), Richard van Gemert (Ernst Ludwig), Maria Klier (Fräulein Kost), Ann-Marie Lone Gindner, Milena Hagedorn, Maria-Lena Hecking, Janina Keppel (Kit-Kat-Girls), Emanuele Pazienza, Timo Radünz (Kit-Kat-Boys). Uraufführung: 20. November 1966, Broadhurst Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 14. November 1970, Theater an der Wien, Wien. Premiere: 1. September 2012, Opus, Theater Hagen.



„Cabaret“


„Willkommen, Bienvenue, Welcome“ im theaterhagen


„Cabaret“ ist nach „Flora, the Red Menace“ (Premiere: 11. Mai 1965, Regie: George Abbott) – in der Liza Minnelli als Flora ihr Broadway Debüt gab – das zweite gemeinsame Werk des kongenialen Duos John Kander und Fred Ebb, und es sollte ihr größter Erfolg werden. Harold Prince hatte die Rechte an „I am a Camera“ von John van Druten auf der Grundlage der Berliner Episoden-Romane „Mr. Norris Changes Trains“ (1935) und „Goodbye to Berlin“ (1939) von Christopher William Bradshaw Isherwood erworben und adaptierte das bereits 1951 erfolgreich am Broadway aufgeführte und 1959 verfilmte Drama zum Musical. Er beauftragte John Masteroff mit der Bearbeitung des Stoffes, John Kander verfasste die Musik und Fred Ebb schrieb die Songtexte. „Cabaret“ feierte am 20. November 1966 seine Uraufführung am Broadhurst Theatre, wurde 1967 mit acht Tony Awards ausgezeichnet und in 1.165 regulären Vorstellungen bis 6. Oktober 1969 aufgeführt. Allein am Broadway gab es zwei Revival-Produktionen (22. Oktober 1987 bis 4. Juli 1988 und 19. März 1998 bis 4. Januar 2004), am 9. Oktober diesen Jahres wird in London die vierte West End Revival Produktion am Savoy Theatre ihre Premiere feiern. Als Rolf Kutschera „Cabaret“ am 14. November 1970 im Theater an der Wien als Deutschsprachige Erstaufführung auf die Bühne brachte, reagierten Presse und Publikum mit Ablehnung darauf, nationalsozialistische Verbrechen im Rahmen des unterhaltenden Musiktheaters darzustellen. Hilfreich dürfte sich die Verfilmung des Musicals in der Regie von Bob Fosse mit Liza Minnelli in der Rolle der Sally Bowles erwiesen haben, die 1972 in die Kinos kam und mit insgesamt acht Oscars ausgezeichnet wurde.

Christopher Isherwood schildert in seinen Erzählungen seine Bekanntschaften und Erlebnisse während seines Aufenthalts in Berlin in den Jahren 1929 bis 1933. Eine seiner Episoden handelt von seiner Begegnung mit einer Nachtclubsängerin, der er den Namen Sally Bowles gab. Bereits im Schauspiel „I am a Camera“ lag der Fokus auf dieser Episode, das Musical übernimmt diesen und stellt ihm die erfundene Liebesgeschichte der Pensionswirtin Fräulein Schneider mit dem jüdischen Obsthändler Herr Schultz gegenüber. Für die Musicalfassung wurde der Kit-Kat-Club, ein anrüchiger Nachtclub, hinzugefügt, dessen Conférencier die Episoden zwischen Alltag und Nachtleben durch seine Kommentare zusammenführt. Das Musical reduziert den aufkommenden Nationalsozialismus zwar auf den Antisemitismus, dennoch schildert es eindringlich das Scheitern der Protagonisten an den gesellschaftlichen Umständen der damaligen Zeit.

Marysol Ximénez-Carrillo (Sally Bowles) und Jeffery Krueger (Clifford Bradshaw)
Foto Kühle, © theaterhagen


Der amerikanische Schriftsteller Clifford „Cliff“ Bradshaw fährt für Recherchen Ende 1929 nach Berlin und lernt im Zug den politisch engagierten Ernst Ludwig kennen. Auf dessen Empfehlung wendet er sich bei der Suche nach einer Bleibe an die Pensionswirtin Fräulein Schneider, die ihm schließlich mit der Miete entgegenkommt. Am Silvesterabend besucht Cliff den Kit-Kat-Club, wo die britische Nachtclubsängerin Sally Bowles auftritt. Sally bittet Cliff später zu sich an den Tisch und lässt sich seine Adresse geben. Am nächsten Tag erscheint Sally unerwartet bei Cliff, der Ernst Ludwig Englisch-Unterricht erteilt. Noch bevor Cliff Einwände erheben kann, hat sich Sally mitsamt Gepäck bei ihm einquartiert und ihn überzeugt, wie wundervoll alles sein wird. Im Kit-Kat-Club kommentiert der Conférencier mit seiner großen Nummer „Two Ladies“ die ungewöhnlich Lebensumstände von Cliff und Sally. Herr Schultz, ein älterer, jüdischer Obst- und Gemüsehändler, der ebenfalls in der Pension am Nollendorfplatz wohnt, hofiert Fräulein Schneider. Derweil deuten sich im Kit-Kat-Club erste Tendenzen des Nationalsozialismus an. Monate später wohnt Sally immer noch mit Cliff zusammen, und sie eröffnet ihm, dass sie ein Kind erwartet. Um Geld zu verdienen, nimmt Cliff das von Ernst Ludwig unterbreitete Angebot an, Devisen von Paris nach Berlin zu schmuggeln. Als Fräulein Kost, Cliffs freizügige Nachbarin, die zuvor wegen häufiger Männerbesuche von Fräulein Schneider gerügt wurde, Herrn Schultz beim Verlassen des Zimmers der Pensionswirtin ertappt, versucht dieser die Ehre von Fräulein Schneider zu retten, indem er ankündigt, sie in drei Wochen heiraten zu wollen. Bei der Verlobungsfeier taucht Ernst Ludwig mit einer Hakenkreuz-Armbinde auf, woraufhin sich Cliff weigert, den Lohn für den geleisteten Schmuggel anzunehmen. Der angeheiterte Herr Schultz versucht, mit einem Lied die Stimmung aufzuheitern, das ihn als Juden zu erkennen gibt, woraufhin Ernst Ludwig augenblicklich die Feier verlässt, nicht ohne Fräulein Schneider zuvor vor den Konsequenzen der Hochzeit mit einem Juden gewarnt zu haben.

Werner Hahn (Herr Schultz) und Sylvia Rentmeister (Fräulein Schneider)
Foto Kühle, © theaterhagen


Die nationalsozialistischen Tendenzen werden immer deutlicher. Der erste Stein fliegt in das Fenster von Herrn Schultz´ Obst- und Gemüseladen, und Fräulein Schneider löst aus Angst ihre Verlobung mit Herrn Schultz. Der Conférencier stellt im Kit-Kat-Club sein „Mädchen“ vor, einen Gorilla, sein Song endet mit den Worten „if you could see her through my eyes … she wouldn´t look Jewish at all.“ Cliff möchte mit der schwangeren Sally nach Amerika zurückkehren, doch sie träumt weiter von ihrer Karriere als Showgirl beim Cabaret. Als Cliff ihr in den Kit-Kat-Club folgt, wird er von Ernst Ludwigs Nazi-Freunden zusammengeschlagen. Am nächsten Morgen packt Cliff seine Koffer, als Sally ohne ihren Pelzmantel zurückkehrt und erklärt, dass sie ihre Schwangerschaft abbrechen lassen hat. Cliff gibt ihr wutentbrannt eine Ohrfeige, hinterlässt ihr aber eine Zugfahrkarte, für den Fall, dass sie sich doch noch entschließen sollte, mit ihm gemeinsam nach Amerika zu fahren. Er verlässt Berlin und hört noch einmal die Stimmen von Sally, Fräulein Schneider, Herrn Schultz und den anderen, die in der breiten Masse verschwinden.

Henrik Wager (Conférencier), Ensemble
Foto Kühle, © theaterhagen


Da die Bühne des Großen Hauses zu Beginn der neuen Spielzeit 2012/2013 wegen Brandschutzsanierungsarbeiten nicht bespielt werden kann, versucht das theaterhagen aus der Not eine Tugend zu machen und bringt „Cabaret“ in einer Aufführungsserie vom 1. bis 30. September 2012 mit 17 Vorstellungen im Opus zur Aufführung, das etwa 250 Besuchern Platz bietet. Die Zuschauer warten im Foyer, welches mit roten Vorhängen an den Wänden auf den Nachtclubbesuch einstimmen soll, auf den Beginn der Vorstellung. Die Kit-Kat-Girls und -Boys, die sich eine Viertelstunde vor Vorstellungsbeginn zu den Zuschauern gesellen, vertreiben diesen ein wenig die Wartezeit, bis der Conférencier schließlich aus dem Zuschauerraum des Opus herauskommt und die Gäste mit seinem Song „Willkommen, Bienvenue, Welcome“ begrüßt, die Kit-Kat-Girls tanzen dazu auf der Theke der Bar. Der Einlass der Zuschauer in den eigentlichen Zuschauerraum dauert dann allerdings eine gefühlte halbe Ewigkeit, so dass es noch zwei Reprisen von „Willkommen, Bienvenue, Welcome“ gibt, bevor es mit der Handlung auf der Bühne weitergeht. Auch im weiteren Verlauf des Abends kommt es immer wieder zu Auf- und Abtritten durch den Mittelgang des Zuschauerraums, wodurch Thilo Borowczak in seiner Inszenierung dem Zuschauer das Gefühl vermittelt – nicht nur durch die Nähe zur Bühne im Opus – hautnah dabei zu sein. Einfallsreichtum hat auch Bühnenbildner Jan Bammes bewiesen, um die Verhältnisse der Probenbühne bestmöglich zu nutzen. Die Musiker spielen auf einer Empore oberhalb der Bühne, das weitere Bühnenbild ist zwar minimalistisch, ermöglicht aber jederzeit eine leichte Zuordnung der Szenen zu den jeweiligen Handlungsorten wie den Zimmern in Fräulein Schneiders Pension, dem Obst- und Gemüseladen von Herrn Schultz oder dem Kit-Kat-Club. Christiane Lutz hat eine zeitgemäße Kostümauswahl getroffen, mit sexy Dessous und strengen Uniformen unterstreicht sie die ausgelassene Atmosphäre im verruchten Kit-Kat-Club und die Bedrohung durch den aufkommenden Nationalsozialismus. Barbara Tartaglia hat ihre Choreografie ebenfalls gut an die beengten Verhältnisse der Probebühne angepasst, besonders die ausgelassenen Tänze der Kit-Kat-Girls und -Boys und Sally Bowles mit Anspielungen auf Bob Fosse gefallen.

Emanuele Pazienza (Kit Kat-Boy), Marysol Ximénez-Carrillo (Sally Bowles) und Tim Radünz (Kit Kat-Boy)
Foto Kühle, © theaterhagen


Henrik Wager (Conférencier), Marysol Ximénez-Carrillo (Sally Bowles) und Sylvia Rentmeister (Fräulein Schneider) ergänzen als Gäste die Solisten des theaterhagen. Henrik Wager dürfte mit seinem Part eher unterfordert sein, ausdrucksvoll verleiht er dem androgynem Conférencier einen undurchschaubaren Charakter, allerdings könnte er sich für mein Empfinden mit seinem übertriebenem krächzenden Lachen, mit dem er diesem diabolische Wesenzüge einzuhauchen versucht, ein wenig zurückhalten. Marysol Ximénez-Carrillo besticht sowohl gesanglich, um die bekannten Ohrwürmer wie „Cabaret“ oder „Mein Herr“ zur Geltung zu bringen, als auch tänzerisch und mit ihrer emotionalen Darstellung des Möchtegern-Starlets Sally Bowles, deren Welt das Cabaret ist. Der Tenor Jeffery Krueger überzeugt als sympathischer, bislang erfolgloser Schriftsteller Clifford Bradshaw. Sylvia Rentmeister (Fräulein Schneider) und Werner Hahn (Herr Schultz) haben als älteres Liebespaar mit überzeugendem Schauspiel bewegende Momente, bei Silvia Rentmeisters Sprechgesang drängt sich mir allerdings ein klein wenig die Frage auf, warum sie als ausgebildete Schauspielerin in dieser Rolle ihr Musical-Debüt gibt, die gesanglich besser auszufüllen wäre. Glücklicherweise kompensiert der seit 1982 am theaterhagen engagierte lyrische Bariton Werner Hahn in den Duetten ihre gesanglichen Defizite. In kurzen Szenen tritt der Opernchor des theaterhagen in Erscheinung und lässt den Song „Der morgige Tag ist mein“ umso nachdrücklicher erklingen. Ana-Maria Dafova dirigierte das philharmonische orchesterhagen in der besuchten Vorstellung am 16. September 2012 souverän durch die facettenreiche Partitur (Musikalische Leitung: Steffen Müller-Gabriel).

Mit „Cabaret“ ist dem theaterhagen ein glänzender Auftakt in die neue Spielzeit gelungen, der gerade wegen der eingeschränkten Platzverhältnisse im Opus umso eindringlicher ausgefallen ist. Die Aufführungsserie bis 30. September 2012 ist bereits komplett ausverkauft.

Haben Sie selbst „Cabaret“ am theaterhagen schon gesehen? Wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?

Hagen

Großstadt an der Grenze zwischen Ruhrgebiet und Sauerland

Hauptbahnhof, Empfangsgebäude

Der Hauptbahnhof in Hagen kann gleich mit mehreren Besondernheiten aufwarten. Zum einen wurde er im Gegensatz zu anderen Bahnhöfen im Ruhrgebiet im Zweiten Weltkrieg nicht vollständig zerstört, weshalb man das am 14. September 1910 eingeweihte Empfangsgebäude noch heute in Augenschein nehmen kann.

„Der Künstler als Lehrer für Handel und Gewerbe“ von Jan Thorn Prikker

Der Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus (* 15. April 1874 in Hagen, † 25. März 1921 in Meran) ließ 1911 im Hauptfenster über dem Eingang die figürliche Farbverglasung „Der Künstler als Lehrer für Handel und Gewerbe“ von Jan Thorn Prikker (* 5. Juni 1868 in Den Haag, † 5. März 1932 in Köln) in einer Größe von 3,6 × 8,4 m einsetzen. Die den lehrenden Künstler im Zentrum umgebenden Figuren repräsentieren die für die Region typischen Gewerbezweige der Textil- und Metallindustrie.

„Der Künstler als Lehrer für Handel und Gewerbe“ von Jan Thorn Prikker

Die nach Entwürfen von Stephany errichtete zweischiffige Bahnsteighalle aus dem Jahre 1910 ist ebenfalls erhalten geblieben. Sie wurde in den 1990er Jahren restauriert und ist eine der wenigen erhaltenen Hallenkonstruktionen in Stahlbauweise.

Hauptbahnhof, Bahnsteighalle


Rathaus mit Turm

Von dem 1899/1903 nach Entwürfen des Architekten Hieronymus Nath errichteten neugotischen Rathaus sind nur noch der historische Rathausturm und der Seitentrakt zu großen Teilen erhalten, der Treppengiebel und das Hauptortal wurden 1960 – 65 durch einen Betonkubus ersetzt, und dieser wiederum durch einen 2003 eröffneten Konsumtempel, der so genannten Volme-Galerie.

Volme-Galerie und historischer Rathausturm


Zentralplastik des Planetenmodells im Volkspark

Das Planetenmodell Hagen nach einer Idee von Walter K. B. Holz (* 11. Mai 1908 in Hagen, † 24. Juni 1993) im Stadtgebiet von Hagen ist ein maßstäbliches Modell unseres Sonnensystems, das die kosmischen Größenverhältnisse verdeutlicht. Auf den 1971 verlegten Bronzeplatten sind Durchmesser der Planten und Abstand zur Sonne im Maßstab 1:1 Milliarde dargestellt.

Bronzeplatte mit der Modell-Bahn und den Daten der Erde


ehemalige Textilfabrik Elbers, Verwaltungsgebäude an der Dödter Straße

Die ehemalige Textilfabrik Elbers war neben der Eisenindustrie für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt von großer Bedeutung. In den letzten Jahren hat sich die ehemalige Textilfabrik zu einem attraktiven Freizeit- und Kulturstandort entwickelt.

Elbershallen, ehemalige Textilfabrik Elbers


„Wasser ist Leben“ von Xolile Mtakatya (Khayelitsha/Südafrika) und Werner Rappaport (gen. RappaPort, Hagen), 2000

Im Rahmen des weltweiten Wandmalprojekts „Mural-Global“ zur Agenda 21 haben Xolile Mtakatyka (* 1968 in Khayelitsha, Cape Town/Südafrika) und Werner Rappaport (gen. RappaPort, Hagen) die Fassade des alten Hochbunkers an der Ecke Dödterstraße/Tuchmacherstraße gestaltet.

„Wasser ist Leben“ von Xolile Mtakatya (Khayelitsha/Südafrika) und Werner Rappaport (gen. RappaPort, Hagen), 2000

Theater Hagen