Montag, 30. April 2012

Sister Act – Ein himmlisches Musical

„Sister Act – Ein himmlisches Musical“ – nach dem Film „Sister Act“ von Joseph Howard mit Whoopi Goldberg; Musik: Alan Menken; Liedtexte: Glenn Slater; Buch: Cheri und Bill Steinkellner; Deutsche Übersetzung: Kevin Schroeder/Heiko Wohlgemuth (Songtexte) und Ruth Deny (Buch); Inszenierung: Carline Brouwer; Choreografie: Anthony van Laast; Musical Supervision/Arrangements: Michael Kosarin; Orchestrierung: Doug Besterman; Bühne: Klara Zieglerova; Kostüme: Lez Brotherton; Licht: Natasha Katz; Ton: Mick Potter; Musikalische Leitung: Bernhard Volk; Darsteller: Patricia Meeden (Deloris van Cartier), Sonja Herrmann (Mutter Oberin), Cusch Jung (Curtis Shank), Mathieu Boldron (Eddie Fritzinger), Anne Hoth (Schwester Mary Robert), Alex Avenell (Schwester Mary Patrick), Barbara Krabbe (Schwester Mary Lazarus), Detlef Leistenschneider (Bones), Dave Mandell (TJ), Pedro Reichert (Dinero), Uwe Dreves (Monsignore Howard), Peti van der Velde (Kay-T), Erdmuthe Kriener (LaRosa). Ensemble: Victor Hugo Barreto, Kristina da Costa, Kati Heidenbrecht, Karen Helbing, Erdmuthe Kriener, Martina Lechner, Sandro di Lucia, Anja Mattner, Lillemore Spitzer, Francisco del Solar, Stephanie Sturm, Katrin Taylor, Peti van der Velde, Susanne E. Walbaum, Vanessa Wilcek. Dirigent: Kevin Flavin. Uraufführung: 24. Oktober 2006, Pasadena Playhouse, Pasadena, Kalifornien. West End Premiere: 2. Juni 2009, London Palladium, London, UK. Deutschsprachige Erstaufführung: 2. Dezember 2010, Operettenhaus Hamburg. Besuchte Vorstellung: 29. April 2012, 19 Uhr.



„Sister Act – Ein himmlisches Musical“


Vor dem Abflug in südlichere Gefilde auf dem Kiez noch immer erfolgreich


17 Monate nach der deutschsprachigen Erstaufführung von „Sister Act – Ein himmlisches Musical“ am Operettenhaus wird hier sicher niemand mehr eine detaillierte Besprechung der Vorstellung erwarten, und daher werde ich mir auch gar nicht erst die Mühe machen, eine solche zu schreiben, die dann doch niemand liest. Dies ist eher die Anekdote, wie ich auf dem Kiez gestrandet bin und einen netten Abend verbracht habe, nicht mehr und auch nicht weniger. Inspiriert vom Besuch einer gewissen Queen Elizabeth in Hamburg nahm die Geschichte am frühen Sonntagmorgen ihren Lauf, als der Polizeihubschrauber über Hamburg kreiste und sich 13.000 Läufer beim 27. Haspa Marathon Hamburg 2012 am Millerntor auf den Weg gemacht haben, gleich vis-à-vis vom Operettenhaus. Als die ersten Läufer dann schon im Ziel angekommen waren, hatte auch die Kasse im Operettenhaus geöffnet, und es sah so aus, als sei der Angestellte outfitmäßig geradewegs vom Marathon an seinen Arbeitsplatz gekommen. Hätte ich so nicht erwartet … aber sei´s drum. Natürlich gab es für die Abendvorstellung keine Last Minute Tickets, die einzige „Ersparnis“ war der Wegfall der Vorverkaufs-, System- und „was weiß denn ich“-Gebühren. Das nennt man wohl „Angebot und Nachfrage“: Wenn man auch ohne Last Minute Tickets das Haus voll bekommt, so wird man eher über Preiserhöhungen nachdenken als über Ermäßigungen. Und die Ticketpreise für Plätze in der letzten Reihe schlagen bei diesem Veranstalter bereits ein tieferes Loch ins Budget als die teuersten Tickets für andere hochkarätige Theatervorstellungen wie Europapremieren o. ä. Immerhin war ein solches Ticket noch zu haben, allerdings kein Feldstecher zur Hand, so dass eine dezidierte Beurteilung der Leistung einzelner Darsteller von vornherein ausgeschlossen war. Nun werden „Kenner“ der Hamburger Musicalszene womöglich denken, Last Minute Tickets dieses Veranstalters kauft man ja auch nicht direkt im Theater, sondern in der Speicherstadt. Das mag wohl richtig sein, aber an diesem Tag wurden auch in der Speicherstadt die Tickets zum regulären Preis verkauft, derweil es für alle Abendshows nur noch wenige Restkarten gab. Zum Vergleich: Die Vereinigten Bühnen Wien verkaufen ihre Resttickets ab 14 Uhr um 25% ermäßigt, so dass man bei „Sister Act – Ein himmlisches Musical“ für den preiswertesten Sitzplatz ohne Sichteinschränkung gut 45% gegenüber den Ticketpreisen in Hamburg spart. Ab einer Stunde vor Vorstellungsbeginn gibt es sogar 50% Ermäßigung, so dass sich in Wien eine Ersparnis von gut 63% gegenüber Hamburg ergibt.

Die Handlung des Spielfilm „Sister Act“ von Joseph Howard mit Whoopi Goldberg, auf dem das Musical basiert, dürfte hinlänglich bekannt sein, das Musical verlegt diese in die Disco-Szene des Jahres 1978. Sängerin Deloris van Cartier wird Zeugin eines Mordes, den Gangsterboss Curtis Shank verübt. Fortan steht sie ebenfalls auf seiner „Abschussliste“, und der Polizeibeamte Eddie Fritzinger versteckt sie zu ihrem Schutz im Kloster. Mutter Oberin „verdonnert“ die so gar nicht fromme Schwester Mary Clarence alias Deloris van Cartier zur Leitung des ausgesprochen unmusikalischen Nonnenchors. Unter ihrer Leitung wird daraus jedoch ein stimmgewaltiger Gospelchor, der auch das Interesse der Presse weckt. Prompt erfährt Curtis Shank von ihrem Versteck und spürt sie dort auf. Doch ihre Mitschwestern und Eddie Fritzinger können Schlimmeres verhindern, und die Gangster werden verhaftet. Am Ende hat sich natürlich alles zum Guten gewendet, Deloris van Cartier bekommt den erhofften Auftritt im legendären New Yorker Club „Studio 54“, und verhilft obendrein auch ihrem liebgewonnenen Nonnenchor zu einem erfolgreichen Auftritt für den Papst.

Mit Patricia Meeden als Alternierende Deloris van Cartier, Sonja Herrmann als Cover Mutter Oberin, Anne Hoth als Cover Schwester Mary Robert, Alex Avenell als Cover Schwester Mary Patrick, Barbara Krabbe als Walk-In Cover Schwester Mary Lazarus und Detlef Leistenschneider als Walk-In Cover Bones war die Abendvorstellung eine Show der Cover und alternierenden Darsteller, doch hätte ich auch die Gesichter der Erstbesetzung auf die Entfernung nur stecknadelkopfgroß gesehen, soll heißen, da hätte auch Whoopi Goldberg oder jemand anderes auf der Bühne stehen können, es wäre mir nicht weiter aufgefallen. Was mir dagegen aufgefallen ist, da spielt die große Entfernung zur Bühne nämlich keine entscheidende Rolle, ist die musikalische Umsetzung von Alan Menkens Partitur im Orchestergraben. Nun ist bei Discoklängen und Gospel der Einsatz eines mehr als 30-köpfigen Sinfonieorchesters sicher nicht zu erwarten, trotzdem erschien es mir doch etwas zweifelhaft, den Klangkörper in einigen Passagen lediglich durch lauteres Abmischen „voller“ erscheinen zu lassen. Doch damit genug gemeckert, das Operettenhaus war an diesem Abend „rappelvoll“, und die Musical Comedy kommt als Feelgood-Show beim Publikum auch ausgesprochen gut an, woran die Beliebtheit des Films nicht ganz unerheblichen Anteil haben dürfte. Auch ich habe mich an diesem Abend gut unterhalten gefühlt, zwar weder himmlisch noch teuflisch gut, aber man kann mit den singenden und tanzenden Nonnen schon einen unterhaltsamen Abend verbringen. So ist es eigentlich mehr als verwunderlich, dass die Nonnen bereits im August diesen Jahres am Kiez den Abflug machen und sich auf den Weg in südlichere Gefilde begeben, um einem gewissen Herrn Balboa auf der Bühne Platz zu machen. „Sister Act – Ein himmlisches Musical“ wird ab 9. Dezember 2012 im Apollo Theater in Stuttgart gezeigt.

Freie und Hansestadt Hamburg

Größter Seehafen Europas und noch ein „bisschen“ mehr

Sonnenaufgang an der Baustelle Elbphilharmonie auf dem Kaispeicher A vom Architekturbüro Herzog & de Meuron


Queen Elizabeth

Für Sonntag, 29. April 2012 war der Besuch der Queen Elizabeth angekündigt, die als Nachfolger der R.M.S. Queen Elizabeth und Queen Elizabeth 2 am 11. Oktober 2010 von Königin Elizabeth II. (* 21. April 1926 in Mayfair, London) in Southampton getauft wurde. Das Kreuzfahrtschiff der Reederei Cunard Line mit einer Länge von 294 m und bis zu 2.068 Passagieren weist zwar die Cunard-typische Farbgebung – den schwarzen Rumpf mit weißem Aufbau und den roten Schornstein – und den lang vorgezogenen Bug auf, aber das ästhetische Erscheinungsbild der Queen Mary 2 wird dennoch nicht erreicht.

R.M.S. Queen Mary 2, Hafengeburtstag 2011

Typischerweise machen die Kreuzfahrtschiffe bereits gegen 7.00 Uhr am Cruise Center HafenCity fest, dementsprechend hatten sich an diesem Vormittag auch nur wenige Besucher auf der Terasse vor dem Unilever-Haus eingefunden, um das Schiff in Hamburg zu begrüßen. Und das Anlegemanöver war auch nur wenig spektakulär, denn statt in der Einfahrt zum Hansahafen auf der Stelle zu drehen, machte die Queen Elizabeth direkt am Cruise Center HafenCity fest.

Queen Elizabeth

Der Hersteller der diesel-elektrischen Anlage verweist in einer Pressemitteilung darauf, dass dank einer variablen Nockenwellensteuerung der Schiffsmotoren in allen Lastbereichen kein sichtbarer Rauch ausgestoßen werden soll. Dann hat also bei der Einfahrt der Queen Elizabeth in den Hamburger Hafen doch jemand sein altes Sofa durch den Schornstein „gejagt“, die Schiffsmotoren können es ja nicht gewesen sein.

Queen Elizabeth, „Feinstaubfilter? Brauchen wir nicht!“

Im Vergleich zur 51 Meter längeren Queen Mary 2 besitzt die Queen Elizabeth auch keine gestaffelten, stufenförmigen Decks am Heck, das eher an einen riesengroßen Container auf einem Schiffskörper erinnert als an die klassische Linie der R.M.S. Queen Elizabeth 2.

Queen Elizabeth

Neben dem Hafen ist die HafenCity – das größte innerstädtische Stadtentwicklungsprojekt Europas – sicherlich momentan das interessanteste Ziel in der Stadt, nicht nur für Architekturliebhaber. Auf 157 ha sollen bis Mitte der 2020er Jahre mehr als 2,32 Mio. m² Bruttogeschossfläche – nicht zu verwechslen mit der Brutto-Grundfläche (BGF) nach DIN 277 – neu gebaut werden, am 7. November 2011 wurde das neue Gebäude der SPIEGEL-Gruppe an der Ericusspitze mit der als „Fenster zur Stadt“ geöffneten Fassade eröffnet.

Das neue Gebäude der SPIEGEL-Gruppe auf dem Ericus von Henning Larsen Architects

So entdeckt man bei einem Sparziergang durch die HafenCity augenblicklich ständig Neues, und seit meinem letzten Besuch in Hamburg anlässlich des Hafengeburtstages 2011 sind schon wieder eine ganze Reihe neuer Gebäude entstanden. In der Shanghaiallee 12-14 entsteht augenblicklich das Ökumenische Forum nach Plänen des Architekturbüros Wandel, Hoefer, Lorch + Hirsch aus Saarbrücken. Der Verein „Brücke – Ökumenisches Forum HafenCity e. V.“ wurde 2002 von insgesamt 17 verschiedene Kirchen mit dem Ziel gegründet, gemeinsam in der HafenCity präsent zu sein. Das Ökumenisches Forum soll am 18. Juni 2012 eröffnet werden.

Baustelle Ökumenisches Forum

Das Automuseum Prototyp – Personen. Kraft. Wagen. befindet sich ebenfalls in der Shanghaiallee, und zwar im denkmalgeschützten ehemaligen Fabrikgebäude der „Harburger Gummi-Kamm-Compagnie“ von 1902/1906.

Automuseum Prototyp – Personen. Kraft. Wagen.


Busanbrücke über den Magdeburger Hafen, rechts das Internationale Maritime Museum im historischen Kaispeicher B

Kein Museumsexponat, sondern vor dem Internationalen Maritimen Museum war eine BMW Isetta 300 geparkt, die Bayerischen Motorenwerke bauten das Rollermobil von 1955 bis 1962.

BMW Isetta 300 vor dem Internationalen Maritimen Museum


Wohn- und Geschäftsgebäude Sumatra


Coffee Plaza, Am Sandtorpark 4


Traditionsschiffhafen im Sandtorhafen, Blick über die Magellan-Terrassen

Die Fregatte Shtandart (russisch Штандартъ) war das erste unter Peter dem Großen 1702/03 gebaute Kriegsschiff der Russischen Ostseeflotte, der Nachbau lief 1999 vom Stapel.

Traditionsschiffhafen im Sandtorhafen, Fregatte Shtandart


Traditionsschiffhafen im Sandtorhafen, 2-Mast-Toppsegelschoner J. R. Tolkien und Barkentine Loth Lorien

Im Kesselhaus, einem historischen Backsteinbau von 1886/87, befindet sich das HafenCity InfoCenter, hier kann man sich über alle Planungen und Entwicklungen in der HafenCity informieren, und wenn man seine Blicke nach oben lenkt, so kann man in einen der Turmstümpfe schauen, auf die Stabgittertürme als Ersatz der im Krieg beschädigten Schornsteine aufgesetzt wurden.

Kesselhaus in der Speicherstadt

Zu der vom Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfenen Elbphilharmonie auf dem Kaispeicher A kann man sicher viel erzählen, gesichert scheint mir aber nur, dass seit der Grundsteinlegung am 2. April 2007 bereits mehr als fünf Jahre vergangen sind, ohne dass das Gebäude nicht in irgendeiner Form für negative Schlagzeilen gesorgt hätte. Die Fertigstellung verzögert sich immer wieder, die Kosten für das Projekt steigen ins Unermessliche, und die Vertragspartner haben sich wohl auch schon das ein oder andere Mal vor Gericht getroffen.

Baustelle Elbphilharmonie auf dem Kaispeicher A vom Architekturbüro Herzog & de Meuron


„Hafenrathaus“, Hauptgeschäftssitz der Hamburger Hafen und Logistik AG

Neben den vielen neuen Gebäuden in der HafenCity sind die im Stil der Backsteingotik errichteten Häuser der Speicherstadt mit ihren Giebeln, Erkern und Zinnen ebenfalls einen Besuch wert. Sie erinnern an längst vergessene Zeiten, in denen die ehemaligen Kaianlagen von Sandtor-, Grasbrook- und Baakenhafen tatsächlich als Hafen genutzt wurden, für die modernen Riesen-Containerschiffe sind sie nicht tief und breit genug. Seinerzeit als Lagerhauskomplex im Freihafengebiet errichtet, um Importgüter zollfrei lagern und verarbeiten zu dürfen, liegt das gesamte Gebiet der Speicherstadt heute außerhalb des Freihafens, was dem Aufbau der HafenCity geschuldet ist.

Ford Modell T vor der Kaffeerösterei am Kehrwieder


Kehrwiederfleet in der Speicherstadt


Binnenhafen


Nicolaifleet


Haus der Patriotischen Gesellschaft

Der Laeiszhof an der Trostbrücke entstand 1897/98 nach Plänen von Bernhard Hanssen, Wilhelm Emil Meerwein und Martin Haller als repräsentatives Kontorhaus für die Hamburger Reederei F. Laeisz Schiffahrtsgesellschaft mbh + Co KG, die dort noch heute ansässig ist.

Laeiszhof

Das Chilehaus, 1922 bis 1924 nach Entwürfen von Fritz Höger (* 12. Juni 1877 in Bekenreihe bei Elmshorn, † 21. Juni 1949 in Bad Segeberg) im Stil des Backsteinexpressionismus errichtet, ist das erste und nach wie vor bekannteste Gebäude im Kontorhausviertel. Die Fassaden laufen spitz zu einem monumentalen Schiffsbug zu.

Chilehaus im Kontorhausviertel


Hulbe-Haus


Hulbe-Haus


Rathaus


„Michel“


„Tanzende Türme“ von BRT Architekten (Jens Bothe, Kai Richter und Hadi Teherani)

Auf dem Gelände der ehemaligen Bowlingbahn an der Reeperbahn 1 wird das Hochhausprojekt „Tanzende Türme“ sowie das Hotel „ARCOTEL Onyx Hamburg“ realisiert, letzteres soll am 1. Juni diesen Jahres eröffnet werden.

„Tanzende Türme“ von BRT Architekten (Jens Bothe, Kai Richter und Hadi Teherani)


Museumsschiff Rickmer Rickmers


FrauenFreiluftGalerie: „Prostituierte“ von Cecilia Herrero, 1995

Die FrauenFreiluftGalerie ist deutschlandweit die einzige Open Air-Galerie von Künstlerinnen zum Thema Frauenarbeit. Am nördlichen Elbeufer vom Fischmarkt bis Neumühlen erzählen die Wandbilder vom Wandel weiblicher Wirtschaftskraft im Hamburger Hafen seit 1900 bis heute.

FrauenFreiluftGalerie: „Wisch und weg – Die Putzfrauen“ von Hildegund Schuster, 1997


Altonaer Fischauktionshalle

9. „Tour de Rü“

Oldtimerausfahrt mit 138 Oldtimern, Baujahr 1927 bis 1965, und 7 historischen Motorrädern, Baujahr 1936 bis 1961

Bugatti Typ 49, Baujahr 1930

Zum neunten Mal fand am Samstag, 28. April 2012 die sowohl bei Fahrern als auch beim Publikum beliebte „Tour de Rü“ statt, eine von der Interessengemeinschaft Rüttenscheid e. V. veranstaltete Oldtimerausfahrt, die in diesem Jahr von Essen-Rüttenscheid über kleine Straßen, Feldwege und verwinkelte Gassen nach Schloss Ehreshoven in Engelskirchen im Bergischen Land und wieder zurück nach Rüttenscheid führte.

Invicta S Type Low Chassis, Baujahr 1930

Bei der abschließenden Präsentation und Aufstellung der Fahrzeuge auf der Rüttenscheider Straße („Rü“) bestand für das Publikum Gelegenheit, die Fahrzeuge und deren Fahrer nach der Ausfahrt in Augenschein zu nehmen und in Erinnerungen zu schwelgen.

Merceds Benz „SSK“, Baujahr 1929, und Mercedes Benz „SS“, Baujahr 1929


Austin Healey 100/4, Baujahr 1956


Bugatti 43 Grand Sport, Baujahr 1927


Jaguar XK 120 FHC SE; Baujahr 1954


Mercedes Benz 190 SL, Baujahr 1958


Merceds Benz 300 CD Cabrio, Baujahr 1952


Mercedes Benz 300 SL Flügeltürer, Baujahr 1955


Porsche 356 A, Baujahr 1955

Freitag, 27. April 2012

Die Spielzeit 2012/2013 am Musiktheater im Revier

Neuinszenierungen und Wiederaufnahmen für das musicalaffine Publikum

Langsam aber sicher lassen – bevor es womöglich „die Spatzen von den Dächern pfeifen“ – auch die letzten Theater „die Katze aus dem Sack“, und stellen ihre Inszenierungen für die kommende Spielzeit vor. Am 27. April 2012 hatte auch das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen zur Spielplanpräsentation eingeladen, bei der Generalintendant Michael Schulz traditionell gemeinsam mit Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski das Programm der kommenden Spielzeit vorgestellt hat. Für das „musicalaffine“ Publikum stehen diverse Produktionen auf dem Spielplan, die im folgenden chronologisch aufgeführt sind. (Das vollständige Programm der Spielzeit 2012/2013 ist im neuen Spielzeitheft zu finden, welches ab sofort im Musiktheater im Revier erhältlich ist.)

Vasilios Manis

„Street Scene“ (Premiere: 22. September 2012, Großes Haus)

Bei „Street Scene“ handelt es sich um eine „American Opera“ von Kurt Weill (Musik), Langston Hughes (Liedtexte) und Elmer Rice (Buch), die auf dem gleichnamigen Drama von Elmer Rice basiert, für das er 1929 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. „Street Scene“ feierte am 9. Januar 1947 am Adelphi Theatre in New York City seine Uraufführung, und spielt in einer schmalen Straße vor einem der überbevölkerten Wohnblöcke in der Lower East Side von Manhattan Mitte der 1940er Jahre. Im Mittelpunkt der Handlung steht die verheiratete Anna Maurrant, die aus Enttäuschung heimlich eine Affäre mit dem Milchmann Sankey beginnt und damit für ständigen Tratsch unter den Bewohnern in ihrer Straße sorgt. Ihre Tochter Rose träumt von einem besseren Leben und sie teilt ihre Träume am liebsten mit dem jüdischen Immigranten Sam Kaplan. Doch als tags darauf ihr betrunkener Vater seine Frau mit dem Geliebten ertappt, ist plötzlich alles anders …

Hierbei handelt es sich um eine Kooperation des Musiktheaters im Revier mit der Bayerischen Theaterakademie August Everding und der Hochschule für Musik und Theater München, wo Regisseur Gil Mehmert „Street Scene“ am 11. Februar 2011 als studienübergreifende Produktion unter der Musikalischen Leitung von Ulf Schirmer auf die Bühne des Prinzregententheaters gebracht hat, in der die Studenten der Studiengänge Musiktheater, Musical und Schauspiel gleichermaßen integriert waren. Mit Ausnahme von Heiko Mathias Förster, der in Gelsenkirchen die Musikalische Leitung übernehmen wird, ist das Kreativteam identisch geblieben, d. h. Gil Mehmert führt Regie, Heike Meixner und Steffi Bruhn zeichnen für Bühne bzw. Kostüme verantwortlich, und Ramses Sigl erarbeitet die Choreografie. „Street Scene“ wird in deutscher Sprache in der Übersetzung von Stefan Troßbach gespielt.


„Die Comedian Harmonists“ (Wiederaufnahme: 29. September 2012, Kleines Haus)

Nach dem großen Erfolg in der laufenden Spielzeit werden „Die Comedian Harmonists“ von Franz Wittenbrink (Musikalische Einrichtung) und Gottfried Greiffenhagen (Buch) wiederaufgenommen, um der großen Nachfrage gerecht zu werden.


„Die Hexen von Eastwick“ (Wiederaufnahme: 7. Oktober 2012, Großes Haus)

Erst am 9. Juni 2012 wird die Musical Comedy „Die Hexen von Eastwick“ von Dana P. Rowe (Musik) und George Furth (Buch und Lyrics) in der Deutschen Bearbeitung von Roman Hinze ihre deutschsprachige Erstaufführung am Musiktheater im Revier erleben, dementsprechend wird das Stück in der kommenden Spielzeit wiederaufgenommen.


„Anatevka (Fiddler on the Roof)“ (Wiederaufnahme: 23. Februar 2012, Großes Haus)

Ebenfalls wiederaufgenommen wird Peter Hailers Inszenierung von „Anatevka (Fiddler on the Roof)“ von Jerry Bock (Musik), Sheldon Harnick (Liedtexte) und Joseph Stein (Buch) in der Deutschen Bearbeitung von Rolf Merz und Gerhard Hagen, die am 17. Dezember 2010 zum ersten Mal am Musiktheater im Revier gezeigt wurde. Bernhard Stengel hat die Musikalische Leitung, das Bühnenbild hat Etienne Pluss entworfen, Uta Mennen die Kostüme, und Kati Farkas hat die Choreografie erarbeitet.


„Spring Awakening (Frühlings Erwachen)“ (Premiere: 15. März 2013, Kleines Haus)

Als Premiere zeigt das Musiktheater im Revier in Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste Essen „Spring Awakening (Frühlings Erwachen)“ von Duncan Sheik (Musik) und Steven Sater (Buch und Lyrics) in der Deutschen Bearbeitung von Nina Schneider ab dem 15. März 2013 am Kleinen Haus. Wolfgang Türks, der in der Wiener Inszenierung Moritz Stiefel verkörpert hat, wird die Inszenierung des Abschlussprojekts des Studiengangs Musical übernehmen, Patricia Martin, Professorin im Fach Musikalische Einstudierung und Leitung im Musical, übernimmt die Musikalische Leitung. Beata Kornatowska zeichnet für die Ausstattung verantwortlich, Kati Farkas für die Choreografie. Dabei werden die Studenten des vierten und dritten Jahrgangs auf der Bühne stehen, dies sind Angelo Canonico, Julian Culemann, Matthias Kumer, Sandra Pangl, Anna Preckeler und Leonie Thoms (augenblicklich 3. Jahrgang) sowie Tim Al-Windawe, Jan Nicolas Bastel, Yvonne Natalie Forster, Inga Krischke, Vera Anna Marie Weichel und Richard Wolff (momentan 2. Jahrgang).

Es gibt keine Geschichte über Jugendliche, die so zeitlos ist wie die Geschichte um Wendla, Melchior und Moritz in dem gesellschaftskritisch-satirischen Drama „Frühlings Erwachen – Eine Kindertragödie“ von Frank Wedekind. Mit einer Mischung aus Rock-, Pop- und Folksongs zieht das Musical insbesondere sein jüngeres Publikum in den Bann, 2011 haben die Bayerische Theaterakademie August Everding (Premiere: 29. Juni am Deutschen Theater München, Regie: Matthias Davids) und die Hochschule Osnabrück/German Musical Academy (Premiere: 30. Dezember 2011 am emma-theater in Osnabrück, Regie: Sascha Wienhausen) das Musical mit ihren Studenten gezeigt.

Tina Stegemann

Für die musikalische Unterhaltung bei so viel geballter Information während der Spielzeitpräsentation sorgten Bariton Vasilios Manis und Sopranistin Tina Stegemann, die noch an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln studieren und in der kommenden Spielzeit im Jungen Ensemble des MiR wertvolle Erfahrungen für ihre weitere Bühnenkarriere sammeln können.

Donnerstag, 26. April 2012

„Die Gartenstadt Margarethenhöhe“

Ausstellung des Ruhr Museums im „Kleinen Atelierhaus“

„Kleines Atelierhaus“ an der Sommerburgstraße

Vor 200 Jahren wurde Alfred Krupp (* 26. April 1812 in Essen, † 14. Juli 1887 in Essen) geboren, der Sohn von Friedrich Krupp und dessen Frau Therese Wilhelmi, der die Firma zu ihrer späteren Größe und Bedeutung geführt hat. Aus diesem Anlass eröffnet das Ruhr Museum im „Kleinen Atelierhaus“ auf der Margarethenhöhe eine Ausstellung über das berühmteste Sozialwerk der Firma Krupp – „Die Gartenstadt Margarethenhöhe“. Die Ausstellung präsentiert die Geschichte einer der bedeutendsten Siedlungen der internationalen Gartenstadtbewegung, die von Margarethe Krupp (* 15. März 1854 in Breslau, † 24. Februar 1931 in Essen) gestiftet wurde. Als Teil der Sonderausstellung „200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“ gibt sie in den ehemaligen Atelier- und Werkräumen mit über 100 Exponaten einen Überblick über das Entstehen und die Gestalt der Siedlung sowie das Leben und den Alltag ihrer Bewohner.

„Die Gartenstadt Margarethenhöhe“ im „Kleinen Atelierhaus“

Nach dem Tod von Friedrich Alfred Krupp (* 17. Februar 1854 in Essen, † 22. November 1902 in Essen) verwaltete seine Frau Margarethe Krupp (* 15. März 1854 in Breslau, † 24. Februar 1931 in Essen) das Erbe ihrer minderjährigen Tochter Bertha (* 29. März 1886 in Essen, † 21. September 1957 in Essen) und leitete treuhänderisch für sie das Unternehmen. In Kruppscher Tradition führte sie das Sozialwerk fort und rief anlässlich der Hochzeit von Bertha mit Gustav von Bohlen und Halbach (* 7. August 1870 in Den Haag, † 16. Januar 1950 in Schloss Blühnbach) am 15. Oktober 1906 die „Margarethe Krupp-Stiftung für Wohnungs­für­sorge“ ins Leben, die mit einem Kapital von einer Million Mark und 50 Hektar Bauland ausgestattet wurde.

„Die Gartenstadt Margarethenhöhe“, Modell der Gartenstadt im „Kleinen Atelierhaus“, 1970er Jahre

Die Stiftungsurkunde und Verfassung ist auf den 1. Dezember 1906 datiert. Zielsetzung der Stiftung war, Wohnraum für die „minderbemittelten Klassen“ zu schaffen. Unter „minderbemittelt“ verstand man dabei, im Gegensatz zu den „Unbemittelten“ aus der Arbeiterschaft, diejenigen, die über ein reglmäßiges Einkommen verfügten, das aber nicht zum Erwerb eines Eigenheims ausreichte. Dazu gehörten qualifizierte Arbeiter ebenso wie Angestellte und Beamte. Im Unterschied zum Kruppschen Werkswohnungsbau sollten die Wohnungen auf der Margarethenhöhe allen Essener Bürgern offen stehen.

Büste Georg Metzendorf, Bronzeguss von Josef Enseling, 1925
aus der Sammlung Rainer Metzendorf


Mit der Realisierung der Margarethenhöhe wurde der Stadtplaner und Architekt Georg Metzendorf (* 25. September 1874 in Heppenheim, † 3. August 1934 in Essen) beauftragt. Metzendorfs zukunftsweisendes Konzept eines „umfassend reformierten Kleinwohnhauses“, welches er 1908 auf der Hessischen Landesausstellung in Darmstadt vorstellte, trug maßgeblich zu seiner Beauftragung in Essen bei. Sein Grundrissentwurf basierte auf einem „variablen Typengrundriss“, der an die jeweiligen Raumbedürfnisse angepasst werden konnte. Zur hohen Lebensqualität der Siedlung trug der Wohnungsstandard auf der Margarethenhöhe bei, der zur damaligen Zeit höchsten Ansprüchen genügte. Alle Wohnungen waren mit modernsten Heiz- und Sanitäranlagen ausgestattet und bis 1918 verfügte jedes Haus über einen eigenen Garten. Seit dem 12. November 1987 steht der größte Teil der „Alten“ Margarethenhöhe – im Gegensatz zu der von 1962 bis 1980 nach Plänen des Wettbewerbgewinners Dr. Wilhelm Seidensticker realisierten „Neuen“ Margarethenhöhe – mit 586 Gebäuden und 1.157 Wohneinheiten unter Denkmalschutz. Die Margarethenhöhe wird als „Gesamtkunstwerk“ und „Denkmal von europäischem Rang“ bewertet.

„Die Gartenstadt Margarethenhöhe“ im „Kleinen Atelierhaus“

Die „Margarethe Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge“ stellte auch Räumlichkeiten für freie Künstler zur Verfügung, so dass sich die Margarethenhöhe ab 1917 zu einer Künstlerkolonie von überregionaler Bedeutung entwickelte. Mit dem Bau des „Kleinen Atelierhauses“ (1919) in der Sommerburgstraße 18 für den Grafiker Hermann Kätelhön (* 22. September 1884 in Hofgeismar, † 24. November 1940 in München), des „Werkhauses“ (1927) Im Stillen Winkel 1 sowie des „Großen Atelierhauses“ (1929) Im Stillen Winkel 42-48 als bis heute einzigartiges Kunstförderungsmodell in Essen bereicherte eine Künstler- und Kunsthandwerkergemeinschaft den Alltag sowohl in der Gartenstadt als auch im gesamten Industriegebiet. Zum Kreis der auf der Margarethenhöhe tätigen Künstler zählten neben Hermann Kätelhön u. a. der Bildhauer Will Lammert (* 5. Januar 1892 in Hagen, Westfalen, † 30. Oktober 1957 in Berlin), die Goldschmiedin Elisabeth Treskow (* 20. August 1898 in Bochum, † 6. Oktober 1992 in Brühl (Rheinland)), die Buchbinderin Frida Schoy (* 23. November 1889 in Duisburg, † 31. August 1963 in Essen) und der Fotograf Albert Renger-Patzsch (* 22. Juni 1897 in Würzburg, † 27. September 1966 in Wamel). Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden die KünsterInnen vertrieben und damit der Künstlergemeinschaft ein Ende gesetzt. Von dem Künstlerviertel der 1920er und 1930er Jahre blieben nur das „Kleine Atelierhaus“ an der Sommerburgstraße und die Goldschmiedewerkstatt Im Stillen Winkel erhalten. Die „Margarethe Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge“ hat das „Kleine Atelierhaus“ 2012 grundlegend renoviert und die ehemaligen Atelier- und Werkräume für die Ausstellung „Die Gartenstadt Margarethenhöhe“ zur Verfügung gestellt.

„Die Gartenstadt Margarethenhöhe“ im „Kleinen Atelierhaus“

Die Ausstellung kann nur im Rahmen von öffentlichen oder gebuchten Gruppenführungen besichtigt werden. Öffentliche Führungen durch die Ausstellung finden an jedem 3. Sonntag im Monat um 14.00 Uhr statt, im Rahmen einer kompletten Führung über die Margarethenhöhe, die an jedem 1. Sonntag im Monat um 11.00 Uhr stattfindet, werden auch die Musterwohnung in der Stensstraße 25 und die Ausstellung „Die Gartenstadt Margarethenhöhe“ im „Kleinen Atelierhaus“ besichtigt. Alle Führungen sind auf maximal 20 Teilnehmer begrenzt, die Anmeldung und Buchung erfolgt beim Besucherdienst des Ruhr Museums.

Dr.-Ing. Rainer Metzendorf hält den Eröffnungsvortrag