Freitag, 29. April 2011

Folkwang Universität: Find My Way

„Find My Way“ – Das Folkwang Musical-Pop-Konzert; Songs aus Jazz, Pop und Musical mit Studierenden der Studiengänge Musical, Jazz, Komposition und Orchester; Mitwirkende: Studiengang Musical, 4. Jahrgang: Andreas Bongard, Michèle Fichtner, Matthias Kreinz, Verena Mackenberg, Stefan Preuth, Miriam Schwan; 3. Jahrgang: Tobias Berroth, David Johnston, Marie Lumpp, Julia Meier, Oliver Morschel, Victoria Reich; 2. Jahrgang: Angelo Canonico, Julian Culemann, Matthias Kumer, Sandra Pangl, Anna Preckeler, Leonie Thoms; 1. Jahrgang: Tim Al-Windawe, Jan Nicolas Bastel, Yvonne Natalie Forster, Inga Krischke, Vera Anna Marie Weichel, Richard-Salvador Wolff; Gitarre: Alexander Rink, Klavier und Synthesizer: Łukasz Flakus, Orgel, Clavinet, Fender Rhodes und Synthesizer: Kai Weiner, Bass: Johannes Nebel, Schlagzeug: Philipp Klahn, Perkussion: Stefan Turton, Trompete: Stephan Gerhartz, Alt-, Baritonsaxophon: Felix Fritsche, Tenor­sa­xo­phon: Julius Gabriel, Posaune: Raphael Klemm, Viola: Juliane Büttner; Gesamtleitung: Prof. Wolfgang Burbat; 28. und 29. April 2011, Neue Aula, Folkwang Universität der Künste, Essen.

Dauerbaustelle: Westflügel der Alten Abtei,
Hauptsitz der Folkwang Universität der Künste



„Find My Way“

Das Folkwang Musical-Pop-Konzert

Am 28. und 29. April 2011 fand in der Neuen Aula der Folkwang Universität der Künste das diesjährige Folkwang Musical-Pop-Konzert statt. Dabei handelt es sich um ein regelmäßiges Projekt des Studiengangs Musical, das die in den einzelnen Fächern erlernten Fähigkeiten zusammenführen und dem Publikum präsentieren soll. Es ist Teil des Studienplans und auch der Abschlussprüfung im Studiengang Musical. Im Studienplan trägt das Projekt die Bezeichnung Musical-Combo, was bedeutet, dass Sänger auf eine Combo aus Musikern treffen, die im Studiengang Jazz studieren. Die angehenden Bühnendarsteller lernen in diesem Projekt, Songs mit schauspielerischen und choreographischen Elementen auf der Bühne zu präsentieren. Die Arbeit im Tonstudio gehört ebenfalls zum Lernziel der Lehrveranstaltung. Aus der Bro­schü­re zum zwanzigjährigen Bestehen des Studiengangs Musical an der Folkwang Hochschule erfährt man, dass dieses Projekt aus anfänglichen Jamsessions entstanden ist, die sich ergeben haben, da der Hauptprobenraum der Jazzabteilung unter den ersten Unterrichtsräumen des Studiengangs Musicals untergebracht war. Auch im Studiengang Jazz ist die Zusammenarbeit mit dem Studiengang Musical ein fester Bestandteil im Ausbildungsprofil. Die öffentlichen Konzerte erfreuen sich beim Publikum größter Beliebtheit.

Ostflügel der Alten Abtei,
Hauptsitz der Folkwang Universität der Künste


Leider kam es schon vor Beginn der Veranstaltung zu Un­stim­mig­keiten unter den Besuchern. Es waren reihenweise Plätze in der Neuen Aula doppelt verkauft worden, und natürlich verlässt man sich als Besitzer einer Eintrittskarte mit darauf näher bezeichneter Reihe und Platznummer darauf, auch dementsprechend einen freien Platz vorzufinden. Wie mir von meinem Sitznachbarn bestätigt wurde, kommt dies bei Veranstaltungen in der Neuen Aula regelmäßig vor, was natürlich nicht der Fall sein sollte.

Die „Weiße Mühle“ an der Schleuse Neukirchen beherbergt seit 2003 die Unterrichtsräume des Studiengangs Musical

Ich muss gestehen, dass mir viele Songtitel im Programm­zettel beim ersten Überfliegen überhaupt nichts sagten. Das gibt mir bei einem Musical-Konzert sehr zu denken. Doch dazu später mehr. Die teilweise in zehnköpfiger Besetzung spielende Combo sorgte für einen satten, kraftvollen Sound auf der Bühne. Die Leistung der einzelnen Solisten zu bewerten überlasse ich an dieser Stelle den Lehrenden (wie bereits erwähnt ist die Veranstaltung Bestandteil der Abschluss­prü­fung), mich haben alle Beteiligten durch ihr Können überzeugt. Wenn ich trotzdem einzelne Dinge heraushebe, so möchte ich dies nicht als Wertung verstanden wissen, sondern als subjektive Eindrücke, oder eben als erwähnenswerte Details. Da wäre beispielsweise das Jan Delay-Medley „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ – „Türlich, türlich (Word Up)“ von Julia Meier und Marie Lumpp, für mich der Showact des ersten Teils. Oder die Blockflöten-Einlage „Oh du lieber Augustin“ von Marie Lumpp, Verena Mackenberg und Anna Preckeler bei Michèle Fichtners Solo „Spinning wheel“, für die Verena Mackenberg einen Tag nach Ostern sogar einen „Blockflötenaufruf“ („Blockflöte verzeifelt gesucht“) gestartet hatte, da ihre Blockflöte nicht auf­zu­fin­den war. Und natürlich die „Aerobic-Choreografie“ zum Madonna-Medley von Miriam Schwan und Stefan Preuth zum Ende des ersten Teils des Konzerts.

Setlist des ersten Teils:
  • Stefan Preuth: „Find my Way“ von der „Gabe Dixon Band“ aus der Filmkomödie „Selbst ist die Braut“ (Originaltitel: „The Proposal“) aus dem Jahr 2009 mit Sandra Bullock und Ryan Reynolds in den Hauptrollen
  • Verena Mackenberg: „Be still my heart“ von Silje Nergaard und Mike McGurk (Text) aus ihrem Album „At first light“
  • David Johnston: „Lee Van Cleef“ (Angus Munro) von der Band „The Dirty Demographic“
  • Miriam Schwan: „Barracuda“ (Michael DeRosier, Roger Fisher, Ann Wilson, Nancy Wilson) vom zweiten Album „Little Queen“ der amerikanischen Rockband „Heart“
  • Michèle Fichtner: „Spinning wheel“ (David Clayton-Thomas) von der amerikanischen Band „Blood, Sweat & Tears“
  • Andreas Bongard: „Walking on Sunshine“ von Kimberley Rew für das Debutalbum der Rock Pop-Band „Katrina and the Waves“ geschrieben
  • Julia Meier und Marie Lumpp: „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ – „Türlich, türlich (Word Up)“ von Jan Delay
  • Victoria Reich: „Wind beneath my Wings“ (Jeff Silbar und Larry Henley) wurde 1989 von Bette Middler für den Film „Beaches“ aufgenommen und 1990 bei den 32. Grammy Awards als Record of the Year und Song of the Year ausgezeichnet
  • Verena Mackenberg und Oliver Morschel: „Superstition“ von Stevie Wonder aus seinem Album „Talking Book“
  • Tobias Berroth: „Kompromisse“ von Matthias Hass (Musik) und Frank Ramond (Text) aus dem Album „Männersache“ des deutschen Jazz-Sängers Roger Cicero
  • Matthias Kreinz: „The River“ von Bruce Springsteen aus seinem fünften Album „The River“
  • Miriam Schwan und Stefan Preuth: „Vogue“ – „Like a prayer“ – „Express yourself“ – „Music“ von Madonna

Zu Beginn des zweiten Teils präsentierte der Chor des Studiengangs Musical unter der Leitung von Prof. Michael David Mills zunächst den Musicalsong „How Glory Goes“ aus „Floyd Collins“ von Adam Guettel, nur von Michael Mills am Flügel begleitet, und den von Darmon Meader für die „New York Voices“ geschriebenen Song „Now or never“. Die übrigen Titel wurden als Solo oder Duett vorgetragen, unterstützt von den KommilitonInnen mit Background-Chören (Einstudierung der Chöre: Prof. Patricia Martin, Miriam Schwan). Mit „But the world goes ´round“ aus dem „Film-Noir-Musical“ „New York, New York“ hatte Andreas Bongard als zweites Solo einen Song aus der Feder des von Liza Minnelli favorisierten Musical-Duos John Kander (Musik) und Fred Ebb (Text) gewählt, und diesen auch herausragend interpretiert. In der Choreografie zu Oliver Morschels Solo „Megalomaniac“ war auch Adolf Hitler aus dem Musikvideo von Incubus wiederzuerkennen. Wolfgang Burbat war seit 1991 an der Folkwang Hochschule Professor für Musikalische Grund­aus­bildung im Studiengang Musical. Er tritt in diesem Jahr in den Ruhestand, und so bedankten sich die Studierenden des Studiengangs Musicals im Anschluss an die Veranstaltung mit einem auf der Bühne ausgerollten Transparent und einer großen Flasche Schampus für „18 × Combo“.

Setlist des zweiten Teils:
  • Chor des Studiengangs Musical, 2. und 3. Jahrgang: „How Glory Goes“ aus dem Musical „Floyd Collins“ von Adam Guettel, Ltg. Prof. Michael David Mills
  • Chor des Studiengangs Musical, 2. und 3. Jahrgang: „Now or never“ von Darmon Meader für die „New York Voices“ geschrieben, Ltg. Prof. Michael David Mills
  • Stefan Preuth: „With or without you“ von Cher
  • Andreas Bongard: „But the world goes ´round“ von John Kander (Musik) und Fred Ebb (Text) aus dem Musikfilm „New York, New York“
  • Marie Lumpp: „Don´t believe“ (Peter Revalk, Hugo Boogaerts, Lize Accoe) von Lize Accoe aus ihrem Album „Me, Versatile Me“
  • Michèle Fichtner: „Moon River“ (Johnny Mercer) – „Moondance“ (Henry Mancini & Van Morrison)
  • Miriam Schwan: „Sail on, Sailor“ (Brian Wilson, Ray Kennedy, Tandyn Almer, Jack Rieley, und Van Dyke Parks) aus dem „Beach Boys“ Album „Holland“
  • Oliver Morschel: „Megalomaniac“ von der amerikanischen Rock-Band „Incubus“ aus ihrem „Album A Crow Left of the Murder...“. MTV weigerte sich seinerzeit, das Musikvideo tagsüber auszustrahlen.
  • Matthias Kreinz: „Alles was du wotsch“ vom Schweizer Sänger und Songschreiber Adrian Stern, der im Ostaargauer Dialekt singt
  • Julia Meier: „Gloomy Sunday“ von dem ungarischen Pianisten und Komponisten Rezső Seress, Billie Holiday konnte mit dem Song 1941 einen Hit landen
  • Verena Mackenberg: „Candyman“ von Christina Aguilera und Linda Perry stammt aus Aguileras drittem Album „Back to Basics“
  • Zugabe: Julia Meier und Marie Lumpp: „Türlich, türlich (Word Up)“
  • Zugabe (nur am Donnerstag): Andreas Bongard: „Walking on Sunshine“

Bei der Veranstaltung am Freitag gab es als zweite Zugabe als würdigen Abschluss des Abends den Jazzstandard „´Round Midnight“ von Thelonious Monk aus dem Jahr 1944. Wolf Burbat hat diesen selbst am Altsaxophon interpretiert. Er war von 1980 bis 1992 an der Hochschule der Künste Berlin als Theorie-, Arrangement- und Saxophonlehrer maßgeblich am Aufbau des Studiengangs Jazz beteiligt, und spielt noch immer hervorragend Saxophon.

Mir hat der Abend sehr gut gefallen, aber … um als letztes auf den eingangs erwänten Punkt der mir unbekannten Songs zurückzukommen: Vielleicht hätte man bei ein bis zwei Musicalsongs (abhängig von der Einordnung von „New York, New York“ als Musical) die Veranstaltung als „Rock-Pop-Jazz-Konzert mit einem Hauch von Musical“ ankündigen können, es hätte die musikalische Ausrichtung besser getroffen und wäre eine witzige Anspielung auf „One Touch of Venus“ („Ein Hauch von Venus“) gewesen. „One Touch of Venus“ von Kurt Weill (Musik) und Ogden Nash (Liedtexte) kommt nämlich dieses Jahr in Kooperation mit Bayer Kultur als Abschlussprojekt der Studierenden im Studiengang Musical auf die Bühne, die Premiere findet am 28. Mai 2011 im Erholungshaus der Bayer AG in Leverkusen statt. Aufführungen in der Neuen Aula der Folkwang Universität in Essen-Werden finden am 31. Mai sowie am 1., 3. und 4. Juni 2011 statt.

Donnerstag, 28. April 2011

Restaurierung der „Kluse“


St. Ägidius-Kapelle

Die St. Ägidius-Kapelle wurde vermutlich kurz vor 1300 vom Stift Essen als Einsiedelei gegründet, die erste urkundliche Erwähnung ist auf das Jahr 1359 datiert. Die Bezeichnung „Kluse“ lässt zumindest darauf schließen, dass sich bei dieser Kapelle so genannte Inklusen einschließen ließen, um abgeschieden ihren religiösen Dienst auszuüben.

Klusenkotten

Zu dem seit Februar 1985 unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeensemble zählt auch der so genannte Klusenkotten, ein 1785 in Stockwerkzimmerung errichtete Fachwerkbau neben der St. Ägidius-Kapelle. Die „Kluse“ war ein beliebtes Ausflugsziel in Essen-Bredeny, im Klusenkotten war seit 1922 eine Ausflugsgaststätte beheimatet. In der Nacht zum 27. Oktober 2009 brannte der Klusenkotten jedoch vollständig aus. Glücklicherweise wird das Gebäude augenblicklich restauriert, noch im Sommer diesen Jahres sollen dort wieder der Biergarten und die Gasträume in der „neuen“ Kluse eröffnet werden.

Klusenkotten

Dienstag, 26. April 2011

Osterspaziergang

Backsteinexpressionismus und Kunst im öffentlichen Raum in Gelsenkirchen

Das „Chilehaus“ im Hamburger Kontorhausviertel kennt sicher­lich jeder, der schon einmal in Hamburg gewesen ist. Das Gebäude mit seiner an einen Schiffsbug erinnernden Spitze war beispielgebend für den Backsteinexpressionismus der 1920er Jahre, es wurde 1922 – 24 von Fritz Höger (* 12. Juni 1877 in Bekenreihe bei Elmshorn, † 21. Juni 1949 in Bad Segeberg) erbaut. Der hartgebrannte Klinker mit seinen Farbabstufungen von rot bis violett war namensgebend für den Backsteinexpressionismus.

„Chilehaus“ im Hamburger Kontorhausviertel

Im Rhein-Ruhr-Gebiet erlebte diese Variante ex­pres­si­o­nis­tischer Architektur ihre größte Verbreitung, speziell in Gelsenkirchen wurden sehr viele interessante Bauten des Backsteinexpressionismus errichtet. Eines der Wahrzeichen der Stadt Gelsenkirchen ist das zwischen 1924 und 1927 vom Architekten Alfred Fischer (* 29. August 1881 in Stuttgart, † 10. April 1950 in Murnau) errichtete „Hans-Sachs-Haus“. Augenblicklich wird anstelle des maroden Gebäudes ein Neubau unter Erhalt der denkmalgeschützten Fassade nach dem Konzept des Büros Gerkan, Marg und Partner (gmp) errichtet, am 15. April 2011 konnte sieben Monate nach der Grundsteinlegung das Richtfest am „Neuen Hans-Sachs-Haus“ gefeiert werden.

In Gelsenkichen-Ücken­dorf befindet sich die Heilig-Kreuz-Kirche, eine 1927 – 29 nach einem Entwurf von Josef Franke (* 12. März 1876 in Watten­scheid, † 16. Januar 1944 in Gelsenkirchen) errichtete ehemalige katholische Kirche. In die Fassade ist ein großes Fenster in Form einer Parabel integriert, auch das Kirchen­gewölbe beschreibt eine hohe Parabel.

Heilig-Kreuz-Kirche, Bochumer Straße 111

An der Spitze der Fassade zieht eine riesige gemauerte Christus-Figur die Blicke an. Aufgrund der abnehmenden Zahl von Katholiken in Ückendorf wurde die Heilig-Kreuz-Kirche am 19. August 2007 als Kirche geschlossen; seit März 2008 wird das Gebäude für Ausstellungen und Kulturveranstaltungen genutzt. Als nächste öffentliche Veranstaltung findet am Sonntag, 1. Mai 2011 im Rahmen von „Tür auf“ eine offene Probe von koreanischen Nachwuchskünstlern mit Führungen durch die Kirche statt.

Gemauerter Christus an der Fassade der Heilig-Kreuz-Kirche

Am Finanzamt Gelsenkirchen-Süd in der Zeppelinallee fällt der Turmaufsatz mit der spitzbogigen Arkadenreihe ins Auge. Dieses Detail soll vom Wilhelm-Marx-Haus in Düsseldorf beeinflusst sein, dass zwischen 1922 und 1924 nach einem Entwurf des Architekten Wilhelm Kreis (* 17. März 1873 in Eltville am Rhein; † 13. August 1955 in Bad Honnef) errichtet wurde.

Finanzamt Gelsenkichen-Süd, Zeppelinallee 9 – 13

Vom früheren Rathaus ist lediglich das Stadtwappen erhalten geblieben und 1998 an dem Gebäude in der Zeppelinallee gegenüber dem früheren Rathaus angebracht worden. Es befand sich im Giebel über dem Haupteingang. Das Mosaik entwarf der Kirchenmaler Friedrich Stummel (* 20. März 1850 in Münster, † 16. September 1919 in Kevelaer); es wurde von der Firma Villeroy & Boch ausgeführt.

Das Stadtwappen vom früheren Rathaus

Das „Gelsenkirchener Prisma“ von Jürgen LIT Fischer (* 30. März 1941 in Frankfurt/Main, † 14. April 2005) am Neumarkt ist ein aus unterschiedlich gefärbten Glasscheiben zusammengesetztes gleichseitiges Dreieck. Bei Dunkelheit werden einzelne Farbfelder von innen beleuchtet und machen das Prisma so zu einem Lichtkunstobjekt.

„Gelsenkirchener Prisma“ von Jürgen LIT Fischer

In der Brunnenskulptur „Die Kraft des Wassers“ von Takashi Naraha (* 1930 in Mito, Japan) scheint eine Wasserfontäne einen riesigen Granitblock in die Höhe zu heben. Natürlich handelt es sich um einen Trick, der Stein wird von einer polierten Edelstahlsäule getragen, die in der sprudelnden Wasserfontäne nicht sichtbar ist.

„Die Kraft des Wassers“ von Takashi Naraha

Der Architekt Werner Ruhnau (* 11. April 1922 in Königsberg) realisierte gemeinsam mit Max von Hausen und Ortwin Rave den 1959 fertiggestellten Gelsenkirchener Theaterbau. Die heute renommierten Künstler Robert Adams (* 5. Oktober 1917 in Northampton, Großbritannien; † 5. April 1984 in Great Maplestead, Essex), Paul Dierkes (* 4. August 1907 in Cloppenburg, † 25. März 1968 in Berlin), Yves Klein (* 28. April 1928 in Nizza, † 6. Juni 1962 in Paris), Norbert Kricke (* 30. November 1922 in Düsseldorf, † 28. Juni 1984 in Düsseldorf) und Jean Tinguely (* 22. Mai 1925 in Freiburg im Üechtland, † 30. August 1991 in Bern) wirkten von Anfang an bei Planung und Ausführung des vom Bauhaus beeinflussten Theaterbaus mit.

Musiktheater im Revier, Kennedyplatz

1991 hat Bühnen- und Kostümbildner Erwin W. Zimmer (* 1931 in Fulda, † 1998 in Fulda) die Gestaltung der U-Bahn-Station Musiktheater Gelsenkirchen übernommen. Die 12 Wandbilder (jedes 4,20 × 2,40 m²) zeigen keine bestimmten Bühnenereignisse, sondern wollen den Besucher auf den bevorstehenden Theaterbesuch einstimmen. Erwin W. Zimmer war von 1977 bis 1996 Ausstattungsleiter am Musiktheater Gelsenkirchen.

„Olympico´s magische Perspektive der leeren Stühle“ von Erwin W. Zimmer in der U-Bahn-Station Musiktheater

Der Entwurf zu dem 1928 errichteten Wohn- und Geschäfts­haus „Ring-Eck“ stammt – wie die Heilig-Kreuz-Kirche – ebenfalls von Josef Franke. Auffällig ist der sechsgeschossige Gebäudeteil, der sich keilförmig in das ansonsten vier­ge­schossige Gebäude hineinschiebt.

Wohn- und Geschäftshaus „Ring-Eck“, Ringstraße 93/Weberstraße 70 – 72

Von ihm stammt auch der Entwurf zu dem 1925 – 26 errichteten Straßenbahndepot der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG.

Straßenbahndepot, Hauptstraße 55 – 59

Theodor Waßer (* 23. Mai 1875, † 23. Juli 1952) hat das teilweise verputzte, teilweise ziegelverkleidete Wohn- und Geschäftshaus an der Kreuzung „Am Stern“ entworfen, wobei er sich bei dem Turm womöglich von diesen Namen inspirieren ließ.

Wohn- und Geschäftshaus, Bismarckstraße 49 – 51/Hauptstraße 80

Schloss Horst wurde zwischen 1554 und 1572 als vierflügelige Schlossanlage erbaut, es ist das bedeutendste Renaissance-Schloss des nord-westdeutschen Raumes. Um dem zunehmenden Verfall der Anlage entgegenzuwirken, wurde das Schloss auf Betreiben des 1985 gegründeten Fördervereins Schloss Horst e. V. von 1995 bis 1999 nach Plänen der PAS – Projektgruppe Architektur und Städtebau (Jochem Jourdan und Bernhard Müller) restauriert und am 13. August 1999 als Kultur- und Bürgerzentrum mit integriertem Standesamt wieder der Öffentlichkeit übergeben. Augenblicklich wird die Vorburg saniert und zu einer Stadtteilbibliothek und einem Bürgerzentrum umgebaut.

Schloss Horst

Eine Glashalle überspannt als besonderer Akzent den damaligen Innenhof und dient als Kulturveranstaltungsort. Am 6. November 2010 wurde das Museum Schloss Horst im Rahmen der Kulturhauptstadt mit der Dauerausstellung „Leben und Arbeiten im Zeitalter der Renaissance“ eröffnet.

Glashalle Schloss Horst

Die in Edelstahl ausgeführte Plastik „Europator“ von Bildhauer Friedrich Gräsel (* 1927 in Bochum) fungierte 1997 bei der Bundesgartenschau auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Nordstern als südliches Eingangstor.

„Europator“ von Friedrich Gräsel

Bei einem Besuch der Kunstwerke im öffentlichen Raum darf natürlich auch der „Herkules“ von Markus Lüpertz (* 25. April 1941 in Reichenberg) auf dem Nordsternturm nicht fehlen. Mag man über Proportionen und Formgebung der Skulptur auch geteilter Meinung sein, in natura gesehen haben sollte man die Figur auf alle Fälle.

Ehemalige Zeche Nordstern, Wasserspiele am Nordsternplatz


„Herkules“-Skulptur auf dem Nordsternturm

Wer weitere Anregungen zum Backsteinexpressionismus oder zur Kunst im öffentlichen Raum in Gelsenkirchen sucht, wird in der Broschürenreihe „Stadtprofile Gelsenkirchen“ fündig, die man im Internetprotal der Stadt Gelsenkirchen auch als PDF-Dokument herunterladen kann.

Samstag, 23. April 2011

Osterfeuer auf Zollverein

Bis zum 5. April 2011 war auf Welterbe Zollverein auf dem Gelände von Schacht 1/2/8 das erste Gebäude der Welt aus Altpapierballen zu bewundern, es handelte sich um das von den Architekten Ben und Daniel Dratz realisierte „PH-Z2*“, ein Beitrag zur Entwicklung temporärer Baukultur. Die Betonung liegt auf war, denn am 5. April ging das Gebäude in Flammen auf. Bereits zum Staatsbesuch von Königin Beatrix der Niederlande am 15. April 2011 waren die Spuren des Brandes restlos beseitigt.

„PH-Z2*“ an der Martin-Kremmer-Straße (August 2010)

Ein Gutes hatte der Brand auf jeden Fall: Auf der großen Freifläche an der Martin-Kremmer-Straße konnte in diesem Jahr das traditionelle Osterfeuer abgebrannt werden, das die Jahre zuvor auf dem Kokereigelände veranstaltet wurde. In diesem Jahr machten Baumaßnahmen ein Ausweichen notwendig.

Osterfeuer auf Zollverein

Der alte Brauch des Osterfeuers soll den Winter vertreiben, was in diesem Jahr bei Sonnenschein und Tagestemperaturen von 25 °C gar nicht mehr nötig war. Die Veranstaltung, die dieses Jahr zum 12. Mal stattfand, ist in Essen-Stoppenberg längst zu einem Highlight geworden, bereits ab 16 Uhr wurde an Imbiss- und Getränkeständen für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt, und auch an die Kinder war gedacht worden. Gegen 18 Uhr wurde schließlich von der Jugend­feuer­wehr das Osterfeuer entzündet, und wem es vorher noch nicht warm genug war, der musste spätestens jetzt genügend Abstand zu den aufgetürmten Holzstößen wahren, um die Hitze überhaupt ertragen zu können.

Jugendfeuerwehr beim Osterfeuer

Für die Jugendfeuerwehr Stoppenberg/Katernberg war es offensichtlich ein gelungener Einsatz, sie sorgte dafür, dass sich das Feuer nicht unkontrolliert ausbreiten konnte.

Jugendfeuerwehr im Einsatz

Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast

Big Brother is watching you

In der vergangenen Woche ging eine Meldung durch die Presse, die eigentlichen jeden Benutzer solcher Geräte aufhorchen lassen sollte. Bestimmte Smartphones speichern unentwegt Bewegungsprofile unverschlüsselt in ihrem Speicher ab und übertragen diese Daten auf den mit ihnen synchronisierten Rechner. Einer Meldung auf SPIEGEL ONLINE war zu entnehmen, dass es bereits Auswertungsprogramme gibt, die es gestatten, die Bewegungsprofile auszuwerten und zu analysieren.

Ich kann mich noch gut an meine Schulzeit erinnern, als „1984“ von George Orwell auf dem Unterrichtsplan im Englischunterricht stand. George Orwell wollte mit seinem Roman auf bedenkliche Entwicklungen aufmerksam machen und vor deren Folgen warnen. Zu der Zeit waren Handys und Smartphones tatsächlich noch Utopie. Schaut man sich heute aber die Realität an, so muss man feststellen, dass das in dem Roman entworfene pessimistische Zukunftsbild offenbar niemanden davon abgehalten hat, dies unbemerkt teilweise Wirklichkeit werden zu lassen. Heute wird im Unterricht wohl niemand mehr „1984“ lesen, womöglich lassen sich die Schüler von ihren Smartphones vom langweiligen Unterricht ablenken.

Das Bedenkliche an der Geschichte ist m. E., dass den meisten Nutzern der Datenbestand in ihrem Smartphone gar nicht bekannt gewesen ist. Es soll auch keine Möglichkeit geben, die Protokollierung der Bewegungsprofile abzustellen. Das ist doch mal ein richtig nettes „Easter Egg“. In diesem Sinne …




… ich werde immer wissen, was du letzten Sommer getan hast.

Freitag, 22. April 2011

Wenn Rosenblätter fallen – Das Musical

Vom Workshop auf dem Weg zur Musicalbühne

Rory Six (Musik) und Kai Hüsgen (Texte) haben den Jugend­roman „Als rozeblaadjes vallen“ von Brigitte Minne bearbeitet und ein Kammermusical für drei Personen geschrieben, zu dem sie 2008 das Konzeptalbum „Wenn Rosenblätter fallen – Ein Musical über Sterbehilfe“ mit Pia Douwes, Lucy Scherer und Thomas Hohler veröffentlicht haben. Carin Filipčić (Rose), Leigh Martha Klinger (Iris), Rory Six (Till) und das Creative Team haben Anfang 2010 einen Workshop abgehalten und das Stück unter dem Titel „Ein Leben ohne Dich“ erarbeitet, am Montag, 18. Januar 2010 und Dienstag, 19. Januar 2010 fand im kleinen Rahmen die Workshop-Präsentation auf der Bühne des Raimund Theaters Wien statt. Wem der Inhalt nicht geläufig ist, der findet hier auch eine kurze Inhaltsangabe.

Carin Filipčić (Rose), Januar 2010

Seit dem Workshop wurde das Stück weiterentwickelt, es wurden drei neue Songs geschrieben, und einige Szenen wurden im Aufbau ein wenig geändert. Die gravierenste Änderung dürfte im Wegfall des „Aufklärungsgesprächs“ zwischen Till und seiner Mutter Rose bestehen, da dieses nicht die von den Autoren erhoffte Wirkung erzielt hat.

Am 6. Oktober 2011 wird nun die deutschsprachige Erst­auf­führung des Musicals „Wenn Rosenblätter fallen“ im Kehrwieder Theater in der historischen Speicherstadt Hamburgs präsentiert. Bereits am 5. Oktober gibt es eine Preview, weitere Vorstellungen stehen daselbst bis zum 16. Oktober täglich außer montags auf dem Spielplan. Vom 29. Oktober bis 3. November 2011 kehrt das Musical nach Wien zurück, dort wird es im Theater Akzent zu sehen sein. Für alle Vor­stel­lungen sind bereits Karten im Vorverkauf bei CTS Eventim bzw. beim Theater Akzent und Wien-Ticket erhältlich. Weitere Aufführungsorte sind derzeit in Planung.

„Wenn Rosenblätter fallen“, Fotos & Logo Isabell Schatz

Schon jetzt darf man sich auf eine interessante Cast freuen: Carin Filipčić spielte bereits in der Workshop-Präsentation Tills Mutter Rose mit allen Facetten sehr überzeugend. Sascha Kurth und Jana Stelley werden in der deutschsprachigen Erst­auf­führung den 19-jährigen Till und die gleichaltrige Iris verkörpern. Sascha Kurth hat an der Folkwang Universität der Künste studiert und war 2010 in der Abschlussproduktion seines Jahrgangs, „High Fidelity – Das Musical“, im Theater im Rathaus, Essen als New-Age-Guru Ian und Neil Young zu sehen. Jana Stelley ist als „Wirbelwind“ auf der Bühne bekannt, was sie zuletzt als Penny Pingleton in „Hairspray“ oder Anybodys in der „West Side Story“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

Donnerstag, 21. April 2011

Indigo – Das Außergewöhnliche

Ausstellung im Forum Kunst & Architektur, Essen

Das Forum Kunst & Architektur am Kopstadtplatz in Essen zeigt monatlich wechselnde Ausstellungen. Es wurde vom Bund Deutscher Architekten, dem Ruhrländischen Künstlerbund und dem Werkkreis bildender Künstler mit dem Ziel gegründet, den Dialog zwischen Künstlern, Architekten und der Bevölkerung zu fördern. Vom 17. April bis 15. Mai 2011 stellt André Chi Sing Yuen vom Ruhrländischen Künstlerbund seine aktuellen Arbeiten aus.

„Believe“ von André Chi Sing Yuen, Mixed Media, 300 × 100

André Chi Sing Yuen ist 1971 in Deutschland geboren, lebt und arbeitet in Düsseldorf, verbrachte aber viele Jahre in Hongkong, der Heimat seiner Eltern. Er studierte Kommunikationsdesign an der Folkwang Hochschule (heute Folkwang Universität der Künste) in Essen und der Ruhrakademie in Schwerte, in seinen Werken spiegeln sich Einflüsse von westlicher und asiatischer Kultur wieder. Auf den ersten Blick sticht die knallbunte Farbgebung seiner Arbeiten ins Auge. André Chi Sing Yuen vereint Elemente traditioneller Techniken wie Malerei, Fotografie und Grafik in seinen Werken, mitunter entstehen auch farbige Serien wie die in der Ausstellung gezeigte „Mona 21st century“. Daneben setzt er auch Videoelemente ein, die ebenfalls in der Ausstellung gezeigt werden.

„Mona 21st century, lightgreen“        „Mona 21st century, cyan“
von André Chi Sing Yuen, Mixed Media, 100 × 100


Die Ausstellung „Indigo – Das Außergewöhnliche“ ist Dienstag bis Freitag von 12 bis 19 Uhr geöffnet, am Samstag und Sonntag von 12 bis 17 Uhr.

Sonntag, 17. April 2011

„Freiraum zeigt: zeigt Freiraum No. 2“

Ausstellung in der ehemaligen Lukaskirche in Essen-Holsterhausen

Ehemalige Lukaskirche in Essen-Holsterhausen

Die evangelische Lukaskirche in Essen-Holsterhausen wurde nach Plänen des Architekten Reinhold Jerichow errichtet und am 26. Februar 1961 eingeweiht. Die Profanierung erfolgte Ende 2008. Die VEWO Wohnungsverwaltungs GmbH möchte das Gebäude an der Planckstraße zu einem Mehr­ge­ne­ra­ti­onen­haus umbauen.

1960 von Ursula Graeff-Hirsch gestaltete Glasarbeiten, 1999 restauriert

Eine Zwischennutzung erfolgt durch die Kunstinitiative „Freiraum2010“, vom 5. März bis zum 27. März 2011 war „Freiraum zeigt: zeigt Freiraum“ in der ehemaligen Kirche zu sehen. Vom 16. April bis 1. Mai 2011 findet nun eine „Neuauflage“ unter dem Titel „Freiraum zeigt: zeigt Freiraum No. 2“ in der ehemaligen Lukaskirche statt.

„Freiraum zeigt: zeigt Freiraum No. 2“

Mittlerweile haben an die 100 Beteiligte – überwiegend junge Leute im Alter bis Mitte 30 – in der Kirche ihre Spuren hinter­lassen, die sich unkuratiert zu einem Gesamteindruck fügen, ein beinahe unüberschaubares Zeugnis der schöpferischen Energie der Kunstschaffenden.

„Freiraum zeigt: zeigt Freiraum No. 2“

Der Schwerpunkt der Kunstinitiative „Freiraum2010“ liegt auf der Erschließung von Freiräumen für Menschen, die gestalterisch oder künstlerisch tätig werden möchten, mit ihren Aktionen zielt sie auf die Gründung eines Kunst­stadt­hauses ab. Die VEWO Wohnungsverwaltungs GmbH hat als Eigentümer der Lukaskirche der Gruppe unbürokratisch einen Freiraum eingeräumt, aber Anfang Mai beginnt der Umbau für das Projekt „Zusammen Leben“. Dies bedeutet für „Freiraum2010“ das Ende der Zwischennutzung.

„Toaster in unusual situation“ von Alexander Buers,
Installation, 60 × 60 × 45


Die Rauminstallation „Größenwahn versinkt – RUHR 2010 Ahoi“ beschreibt die Untergangssituation eines sinkenden Schiffes. Eine Holzbootkonstruktion füllt die Mitte des Raumes, dabei versinkt sie diagonal in einem aufgeschütteten Erdhaufen. An den beiden Seitenwänden befinden sich jeweils schwarz-graue Silhouetten von Menschen, die hintereinander angeordnet im Seitenprofil zu dem Objekt in der Mitte stehen.

„Größenwahn versinkt – RUHR 2010 Ahoi“ von Christoph Kummerow und Martin Domagala, Rauminstallation

Die Zukunft ist für „Freiraum2010“ ungewiss, noch ist man auf der Suche nach neuen Unterstützern. Die aktuelle Ausstellung ist am 21., 23., 28. und 30. April von 18 bis 22 Uhr geöffnet, am 17. und 24. April sowie am 1. Mai von 16 bis 20 Uhr.

„Die drei Grazien“ von Bianca Wickinghoff und Oscar Ledesma, 2011, Kohle auf Leinwand, Äpfel

Samstag, 16. April 2011

Industriedenkmal Zeche Bonifacius

Industriegeschichte und gewerbliche/gastronomische Nutzung an einem einzigartigen Standort

Im Jahr 1857 wurde mit dem Abteufen des ersten Schachtes des Steinkohlenbergwerks in Kray begonnen. Am 1. November 1899 geht die Bergwerksgesellschaft „Vereinigter Bonifacius“ in den Besitz der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien-Gesellschaft über. In der Folge wurden die gesamten Zechengebäude nach den Plänen des Zechenbaumeisters Bongard in moderner Form nach einem „einheitlichem Ordnungsprinzip“ ausgebaut. 1967 erfolgte die Vereinigung mit Zeche Holland in Bochum-Wattenscheid, die 1974 stillgelegt wurde. Durch die private Initiative von Dipl.-Kfm. Werner Ebert, der nahezu sämtliche Aufbauten und Grundstücke der Anlage erworben hat, konnte das Zechen-Ensemble vor dem Verfall und Abriss bewahrt werden. Die ehemalige Zeche Bonifacius wurde im Februar 1985 unter Denkmalschutz gestellt.

Neugotische Lohnhalle

Besonders bemerkenswert ist das ehemalige Verwaltungs- und Kauengebäude im neugotischen Stil. Hier haben einst die Bergleute ihren Wochenlohn erhalten, seit September 2004 befindet sich in dem Gebäude das Kultur- und Tagungshotel „Alte Lohnhalle“.

Eingangsportal der Lohnhalle

Die Lobby des Hotels mit ihrer kathedralenartigen Architektur sollte man sich auf alle Fälle ansehen.

Hotellobby

Das 1906 über Schacht I errichtete „deutsche Strebengerüst“ in Fachwerk-Bauweise wurde 1992/93 als Wahrzeichen des Essener Bergbaus aufwendig saniert.

Fördergerüst Schacht I

Im Fördermaschinenhaus Schacht I befindet sich eine Zwillings-Dampffördermaschine mit Seiltrommeln der Gutehoffnungshütte Sterkrade von 1913 und eine Elektrofördermaschine der Firma Siemens-Schuckert von 1914 mit Koepe-Treibscheibe.

Magazinhalle und Fördermaschinenhaus Schacht I

In der ehemaligen Turbinenhalle befindet sich seit 1997 die „Weinzeche“, Innenaufnahmen wurden mir nicht gestattet. Um präzise zu sein, wurden mir keine Photographien der Weinregale erlaubt, was aber einem Verbot von Innenaufnahmen in dem denkmalgeschützten Gebäude gleichkommt. Die Weinregale reichen nämlich bis zur Decke.

Maschinenhalle (Turbinenhalle)

Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Ein Gelände mit Industriegeschichte

Mit der „Vogelscheuchenparade“ fand am 31. Oktober 2010 das RUHR.2010 Projekts „Zwei Berge – Eine Kulturlandschaft“ zwischen Mechtenberg und „Himmelstreppe“ seinen Ausklang. Ungeachtet dessen laden aber ursprüngliche und industriell veränderte Landschaft am Mechtenberg und auf dem stillgelegten Zechengelände Rheinelbe weiterhin zu ausgedehnten Spaziergängen ein.

„Himmelstreppe“ von Herman Prigann auf der Halde Rheinelbe (40 m Höhe über Niveau) in Gelsenkirchen-Ückendorf

Nördlich der Halde Rheinelbe, auf dem Gelände der 1931 geschlossenen Zeche Rheinelbe und des 1984 stillgelegten Gussstahlwerkes Gelsenkirchen, wurde am 23. März 1995 der Wissenschaftspark Gelsenkirchen eröffnet.

Technologiezentrum und Arbeitsgericht

Das Technologiezentrum im Wissenschaftspark Gelsenkirchen wurde nach Plänen der Kiessler + Partner Architekten GmbH auf dem Gelände des früheren Gussstahlwerkes errichtet. Das Gebäude besitzt eine 300 Meter lange Glasarkade und liegt direkt am See des neu angelegten Landschaftsgartens. Es entspricht damit dem Leitthema der internationalen Bauausstellung Emscher Park, „Arbeiten im Park“. Lediglich das Verwaltungsgebäude des früheren Gussstahlwerkes blieb erhalten und beherbergt seit 1995 das Arbeitsgericht.

Technologiezentrum

Der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel (* 1960 in Rheinberg) – auch unter dem Pseudonym „Bananensprayer“ bekannt – markiert weltweit die interessantesten Galerien und Kunstorte mit Spraybananen. Seine in Pochoir-Technik gesprayten Bananen sind an den Eingängen von etwa 4000 Kunstmuseen und Galerien zu finden, darunter das renommierte Solomon R. Guggenheim Museum in New York City. Seit Mai 2004 ziert die Spraybanane den Nordeingang des Technologiezentrums und zeichnet diesen als den „Kunsteingang“ in die längste Galerie aus.

Spraybanane von Thomas Baumgärtel am Nordeingang

Das Innova-Haus an der Leithestraße 45 – 47 ist der Hauptsitz der Tectum Consulting GmbH, bekannt unter dem Namen Tectum Group, die zu den zehn größten Call-Center-Betreibern in Deutschland gehört.

Innova-Haus

Die ehemaligen Werkstätten der Zeche Rheinelbe werden heute als Künstler-Ateliers genutzt.

Ehemalige Werkstatthallen


„Privatsache – aktuelle fotografische Positionen zum Privaten in den Zeiten von Datenschutz und Facebook“

Im Technologiezentrum ist augenblicklich das „bild.sprachen“- Fotografieprojekt „Privatsache – aktuelle fotografische Positionen zum Privaten in den Zeiten von Datenschutz und Facebook“ mit Arbeiten von Benito Barajas, Esther Beutz, Frauke Bönsch, Holger Cremer, Meike Fischer, Glamourpixel, Bernadette Grimmenstein, Antje Hoefer, Leo van de Kleij, Monika Kluza, Johannes Naumann, Cornelis Popovici, Almut von Pusch, Daniela Risch, Harald Schwertfeger, Barbara Stenzel, Niko Synnatschke, Kathrin Tillmanns und Ralf-Dieter Wewel zu sehen. Was privat ist, hängt vom gesellschaftlichen und kulturellen Umfeld ab. In der Ausstellung verdeutlichen die Fotografen, wo ihre ganz persönliche Trennung zwischen Privatem und Öffentlichem verläuft. Die Ausstellung ist noch bis zum 21. Mai 2011 täglich außer sonntags bei freiem Eintritt zu sehen. Im Rahmen von „Tür auf“ kann die Ausstellung auch am Sonntag, 1. Mai 2011 besucht werden.

„Veröffentlicht – Privatspäre im Wandel“ von Frauke Bönsch
© Frauke Bönsch


Ich habe ein wenig willkürlich zwei Fotografinnen ausgewählt, deren Arbeiten ich hier stellvertretend für die neunzehn an der Ausstellung beteiligten Fotografinnen und Fotografen vorstellen möchte. Frauke Bönsch (* 14. November 1983 in Düren) beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit dem Eintritt in die Informationsgesellschaft und den daraus resultierenden Verschiebungen zwischem Privatem und Öffentlichem. Sie möchte mit ihrer Arbeit Denkanstöße vermitteln und auf die Herausforderungen für unsere Gesellschaft hinweisen.

„Daniela Risch“ von Daniela Risch
© Daniela Risch


Wer hat nicht schon einmal nach seinem eigenen Namen „gegoogelt“? Fotografin Daniela Risch (* 1969 in Dahme, Mark Brandenburg), die ihren Namen immer für selten hielt, hat dies getan und dabei festgestellt, dass auch die „Miss World“ 2005 Daniela Risch heißt. Sie hat sich mit ihr getroffen, und sie gebeten, ihre Kleidung zu tragen und sie damit fotografieren zu dürfen. Die Fotoserie zeigt „Miss World“ 2005 in der Kleidung der Fotografin.


Lichtinstallation von Dan Flavin

Lichtinstallation im Technologiezentrum

Bei Dunkelheit taucht eine der letzten Installationen des Lichtkünstlers Daniel Nicholas Flavin (* 1. April 1933 in Jamaica, New York, † 29. November 1996 in Riverhead, New York, USA) das Technologiezentrum und den angrenzenden Landschaftsgarten in grün-blaues Licht. Die Installation ist dem Minimalismus zuzuordnen, sie besteht aus drei „Röhren-Bäumen“ an den Aufzugschächten sowie einer Lichtzeile am First der Glasarkade. Sieht man über den kleinen See auf das Technologiezentrum, so erscheint die Glasfront als grün-blauer Lichtraum und die Anordnung der einzelnen Leucht­stoff­ele­mente verliert an Relevanz.

Lichtinstallation im Technologiezentrum