Sonntag, 30. Januar 2011

Diplomprüfung Musical Gesang

Öffentlicher Teil der Diplomprüfung in der Neuen Aula der Folkwang Universität der Künste

Am Samstag, 29. Januar 2011 fand in der Neuen Aula der Folkwang Universität der Künste in Essen-Werden die diesjährige Diplomprüfung im Studiengang Musical, Bereich Gesang statt. Die Prüfung bildet nach acht Semestern Studiendauer den Abschluss der breitgefächerten Ausbildung in den Bereichen Schauspiel, Tanz und Gesang. An diesem Abend legten David Jakobs, Sascha Kurt, Marissa Clara Möller, Julia Lißel und Andreas Schneider ihre Prüfungen ab.

Stefanie Köhm, die sechste Absolventin dieses Jahrgangs, hat ihre Prüfung bereits im Dezember 2010 abgelegt und befand sich schon für Proben zu „Avenue Q“ in St. Gallen, wo sie ab 26. Februar 2011 als Kate Monster/Lucy in der Inszenierung von Dominik Flaschka auf der Bühne des Theaters St. Gallen stehen wird. Daneben ist sie in der laufenden Spielzeit am Theater Hagen als Klärchen in Ralph Benatzkys Singspiel „Im Weißen Rößl“ in der Inszenierung von Thilo Borowczak zu sehen. Alle sechs AbsolventInnen waren im vergangen Jahr in „High Fidelity – Das Musical“ in der Inszenierung von Gil Mehmert am Theater im Rathaus in Essen zu sehen, außerdem in der Spielzeit 2009/2010 am Theater Hagen in „Into the Woods“ in der Inszenierung von Gil Mehmert. David Jakobs hat 2009 den Jugend kulturell Förderpreis „Musical“ gewonnen, aktuell ist er in „Mein Bruder macht beim Tonfilm die Geräusche“ in der Inszenierung von Gil Mehmert am Savoy-Theater Düsseldorf zu sehen. Sascha Kurt war 2009 als Finalteilnehmer beim Jugend kulturell Förderpreis „Musical“ dabei, im November 2010 wirkte er als Mark Cohen in „Rent“ im Feierabendhaus Hürth mit. Andreas Schneider steht aktuell als junger Russe Fedja in „Anatevka“ in der Inszenierung von Peter Hailer am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen auf der Bühne.

Im ersten Teil der Veranstaltung interpretierten die AbsolventInnen jeweils drei bzw. vier Songs, wobei sie abwechselnd von Prof. Patricia Martin und Prof. Michael David Mills am Flügel begleitet wurden. Den Anfang machte Andreas Schneider mit „Someone To Fall Back On“ von Jason Robert Brown, „Gethsemane (I Only Want to Say)“ aus „Jesus Christ Superstar“ und „One Track Mind“ aus „Sweet Smell of Success“. Im letzten Songs des ersten Akts des Marvin Hamlisch/Craig Carnelia-Musicals konnte er neben seinem Gesang auch durch die Steptanz-Einlage überzeugen. Julia Lißel brachte „The Girl In 14G“ von Jeanine Tesori (interpretiert von Kristin Chenoweth auf ihrem Album „Let Yourself Go“), „Maybe I Like It This Way“ aus „The Wild Party“ und „Gimme Gimme“ aus „Thoroughly Modern Millie“ zu Gehör. Sascha Kurt interpretierte „It´s Hard To Speak My Heart“ aus „Parade“, „Lonely Town“ aus „On The Town“ und „Lost In The Wilderness“ aus „Children Of Eden“. Marissa Clara Möller trug „I Have To Tell You“ aus „Fanny“, „Love Me, Love Me Not“ von Joey Contreras, „It Won´t Be Long Now“ aus „In The Heights“ und „Fields Of Gold“ von Gordon Sumner (aka Sting) vor. Eva Cassidy hat 1996 eine Coverversion des Songs auf ihrem letzten Album „Live at Blues Alley“ veröffentlicht, Marissa Clara Möller interpretierte den Song ebenso gefühlvoll, lediglich von Prof. Gil Mehmert an der akustischen Gitarre begleitet. Als Letzter präsentierte David Jakobs „King Of The World“ aus „Songs For A New World“, „Again“ von Scott Alan und „Nur´n kleiner Freundschaftsdienst“ aus „Aladdin“. Bei seinem letzten Song „verwandelte“ er sich kurzerhand mit einer schwarzen Badekappe in Dschinni, der in der Wunderhöhle Aladdin seine Fähigkeiten demonstriert. Mit viel Humor und Glitter entließ David Jakobs das Publikum gutgelaunt in die Pause.

Im zweiten Teil des Abends präsentierten die AbsolventInnen zunächst jeweils einen Song, den sie in 14-tägiger selbstständiger Vorbereitung einstudiert hatten. Bei allen Songs handelte es sich um Oldies, vornehmlich aus den 1960er Jahren. David Jakobs brachte „Breaking Up Is Hard To Do“ von Neil Sedaka & Howard Greenfield aus dem Jahr 1962 zu Gehör, Marissa Clara Möller „Downtown“ von Tony Hatch (1964 von Petula Clark aufgenommen), Sascha Kurt „Save The Last Dance For Me“ von Doc Pomus & Mort Shuman (1960 von Ben E. King und den Drifters aufgenommen), Julia Lißel „This Is My Song“ von Charles Chaplin (1966 von Petula Clark aufgenommen), und Andreas Schneider „Unchained Melody“ von Alex North und Hy Zaret (1955 mit Todd Duncan als Thema für den Gefängnisfilm „Unchained“ aufgenommen).

In dem daran anschließenden Block von Szenen mit schauspielerrischen/tänzerischen Elementen sorgten Prof. Patricia Martin (Flügel), Prof. Michael David Mills (Keyboard), Caspar van Meel (Bass) und Dominic Brosowski (Drums) für die musikalische Begleitung. In „The Proposal“ aus „The Unauthorized Biography of Samantha Brown“ von Kait Kerrigan and Brian Lowdermilk verkörperte David Jakobs Samanthas Freund Adam. In ihrer Phantasie stellt sich Sam vor, was ihr Freund wohl denkt, während sie zusammen Jenga spielen. Adam hat in ihrer Vorstellung nur einen Wunsch: „Have sex with me.“ Mit „Anfänge“/„Sprung in der Platte“ von Jane Martin/Weber-Beckmann (Christiane Weber & Timm Beckmann) präsentierte Marissa Clara Möller den Frauenmonolog der amerikanischen Theaterautorin Jane Martin als thematischen Einstieg in den Song aus dem Bereich Chansonkabarett: „Alles wiederholt, alles wiederholt, alles wiederholt sich tausendmal.“ Sascha Kurt führte in „Der Anruf“ aus „Lucky Stiff“ von Stephen Flaherty und Lynn Ahrens als Vinnie Di Ruzzio vom Flughafen Nizza ein Telefonat mit seiner Ehefrau, um ihr zu erklären, dass er zum Abendessen nicht daheim sein werde, da er mit seiner Schwester Rita La Porta nach Europa geflogen sei. Aus seinen Reaktionen ist zu entnehmen, dass seine Frau an ihrem 40. Geburtstag entsprechend aufgracht ist und irgendwann einfach aufgelegt hat. Julia Lißel verkörperte in „Sei ein Macho“ („Ti Voglio Bene/Be Italian“) aus „Nine“ von Maury Yeston das Straßenmädchen Saraghina am Strand, als Guido Contini sie bittet, ihm von der Liebe zu erzählen. Kokett spielte sie verführerisch mit dem Publikum. Andreas Schneider stellte in „Franklin Shepard, Inc.“ aus „Merrily We Roll Along“ von Stephen Sondheim den Liedtexter und Franklin Shepards langjährigen Freund Charley Kringas dar, der sich in einem Fernsehinterview mit Mary Flynn und Franklin (lediglich durch zwei leere Stühle repräsentiert) darüber beklagt, wie aus dem ehemaligen Komponisten der Unternehmer geworden ist, der keine Zeit mehr hat, um mit ihm gemeinsam neue Shows zu schreiben. Zum Finale präsentierten die AbsolventInnen gemeinsam „Can´t Help Falling In Love“ von George David Weiss, Hugo Peretti und Luigi Creatore, 1961 im Original von Elvis Presley aufgenommen. Das Publikum war von den gezeigten Leistungen der zukünftigen Bühnendarsteller begeistert und bedachte sie mit langanhaltendem Beifall.

Wer mehr von den Studierenden im Studiengang Musical sehen möchte, auf der Website der Bayer AG findet sich im Programm des Bayer Kulturhauses eine interessante Vorankündigung: Am 28. Mai 2011 wird dort die Premiere von „One Touch of Venus“ von Kurt Weill (Musik) und Ogden Nash (Liedtexte) in der Inszenierung von Reinhardt Friese als Koproduktion zwischen der Folkwang Universität und Bayer Kultur stattfinden. Dabei dürfte es sich um das Abschlussprojekt des augenblicklichen dritten Jahrgangs, also von Andreas Bongard, Michèle Fichtner, Matthias Kreinz, Verena Mackenberg, Stefan Preuth und Miriam Schwan handeln.

Diplome Bachelor FB Gestaltung

Abschlusspräsentation des Fachbereichs Gestaltung

Vom 29. Januar bis zum 6. Februar 2011 findet im SANAA-Gebäude auf Welterbe Zollverein die diesjährige Ausstellung der Abschlussarbeiten der Absolventen der Studiengänge Industrial Design, Kommunikationsdesign und Fotografie der Folkwang Universität der Künste statt. Die Ausstellung mit Arbeiten aus den Bereichen Dreidimensionale und Experimentelle Gestaltung, Fotografie, Grafik, Illustration, Interface Design und Industrial Design ist täglich von 11 bis 16 Uhr bei freiem Eintritt zugänglich.

Vom RUHR.2010 Flohmarkt in Halle 5 war es nur ein „Katzensprung“ zum SANAA-Gebäude, so dass sich ein Besuch der Ausstellung geradezu aufdrängte. Im Erd- und 1. Obergeschoss finden sich allerlei kuriose Dinge, aber auch viele nützliche Exponate. Beispielhaft seien die aufblasbare Badewanne „Load up“ von Christoph Heidler, ein Lawinen-Rettungssystem (Airbagweste) von Cleo Leonardi, ein Feedback-System zur Prävention von Sportunfällen von Christoph Piechatzek, die Trinkwasserversorgung in Krisengebieten „TWA 450“ von Felix von Looz oder ein Roboter zur Begleitung von Haustieren von You Wu genannt. Die namentliche Aufführung dieser Arbeiten soll keinerlei Wertung darstellen, natürlich sind auch alle übrigen, hier nicht namentlich erwähnten Arbeiten sehenswert. Jeder möge sich seinen eigenen Eindruck verschaffen.

Samstag, 29. Januar 2011

RUHR.2010 Flohmarkt

Die Kulturhauptstadt wird „verramscht“

die Gabentische werden immer bunter
und am Mittwoch kommt die Müllabfuhr und holt den ganzen Plunder

Geier Sturzflug, Bruttosozialprodukt

RUHR.2010 als Kulturhauptstadt Europas ist Geschichte, und es gab schon viele Diskussionen darüber, was von der Kulturhauptstadt bleibt. Die RUHR.2010 GmbH soll bis zum Jahresende aufgelöst werden, und so haben Mitarbeiter alles in Halle 5 auf Welterbe Zollverein zusammengetragen, was schon jetzt nicht mehr gebraucht wird, um es an den Mann oder die Frau zu bringen. Damit am Ende zumindest nichts Materielles von der Kulturhauptstadt bleibt.

Riesenandrang vor der Halle 5

Bereits am Freitagnachmittag waren viele hundert Schnäppchenjäger gekommen, um sich nützliche Dinge oder kuriose Schnäppchen als Andenken an die Kulturhauptstadt zu sichern. Angeboten wurde so ziemlich alles, was bei mehr als 300 Projekten mit 5.500 Veranstaltungen angefallen war, von A – wie Arbeitsschuhe – bis Z – wie Zeitungsbeilagen. Letztere wurden wie auch Aufkleber, Poster und Broschüren verschenkt.

Besonderheiten-Tisch

Von den 20.000 Biertischgarnituren vom Still-Leben Ruhrschnellweg waren auch noch etliche zu haben, und im tiefen Winter denkt wohl auch so recht niemand an Gartenpartys, bei denen derlei Mobiliar nützlich sein könnte. Der Preis hatte sich aber auch seit dem Verkauf im Anschluss an das Still-Leben Ruhrschnellweg nicht verändert. Obendrein waren die Preise beim RUHR.2010 Flohmarkt Festpreise, es gab also keinen Verhandlungsspielraum.

Biertischgarnituren vom Still-Leben Ruhrschnellweg

Der Flohmarkt ist am Samstag noch bis 18 Uhr geöffnet, ob es am Sonntag nochmals von 10 bis 18 Uhr Gelegenheit zur Schnäppchenjagd gibt, dürfte wohl auch davon abhängen, was an Produkten noch übrig ist.

„Ladenhüter“ sind auch mit viel Witz und Humor von Clown Bobori nur schwer zu verkaufen

Kuriosum am Rande: Das Taschenbuch „Ruhr.Buch – Das Ruhrgebiet literarisch“, herausgegeben von Gregor Gumpert und Ewald Tucai, war teurer ausgezeichnet als der aufgedruckte Preis (Stichwort: Buchpreisbindung). Da darf man sich nicht wundern, wenn es keine Abnehmer findet.

„Nicht zum Verkauf!“, unbekannter Künstler

Freitag, 28. Januar 2011

„Plan your life!“

Ein Modellprojekt für Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren

80 Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren aus Maßnahmen der beruflichen Qualifizierung der Jugendhilfe Essen gGmbH und der Berufsbildungswerkstatt der bbwe Gemeinnützige Gesellschaft für Beratung, Begleitung und Weiterbildung mbH, Mülheim haben sich seit Anfang September 2010 künstlerisch mit der Frage beschäftigt, wo sie selbst im Leben stehen und welche Ziele sie erreichen wollen. Gemeinsam mit Regisseur Gandhi Chahine haben Sie Szenen erarbeitet, die sich mit Themen wie Berufswahl, Ausbildungsplatzsuche und Gesprächssituationen im Bewerbungsprozess beschäftigen, oder auch mit der Rollenverteilung in der Partnerschaft. Mitglieder des Projektträgers, der multilateral academy gGmbh, begannen bereits im März 2009 mit den Vorbereitungen zum Modellprojekt „Plan your life!“. Gemeinsam mit den Projektpartnern wurde nach Möglichkeiten gesucht, benachteiligte Jugendliche mit künstlerischen Mitteln zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Lebens- und Berufsplanung zu motivieren.

Herausgekommen ist eine „Collage“ aus Songs, Tanz- und Theaterszenen, die am Donnerstag, 27. Januar 2011 im Jugendzentrum Essen an der Papestraße erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Mir persönlich haben die Schauspielszenen am besten gefallen, in denen die üblichen Klischees von der Rollenverteilung in der Partnerschaft und den Vorgängen im Recruiting-Prozess die Jugendlichen zur Auseinandersetzung mit diesen Themen anregen sollen. Die Show bildet gleichzeitig der Höhe- und Schlusspunkt des Modellprojekts. Eine weitere Aufführung wird am Mittwoch, 2. Februar 2011 im Ringlokschuppen in Mülheim an der Ruhr zu sehen sein. Der Eintritt ist kostenlos.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Black Swan

„Black Swan“, Deutschlandpremiere 20. Januar 2011; USA, 2010; 103 Minuten; Drehbuch: Mark Heyman, Andrés Heinz und John McLaughlin; Regie: Darren Aronofsky; Musik: Clint Mansell; mit Natalie Portman (Nina Sayers), Mila Kunis (Lily), Vincent Cassel (Thomas Leroy), Barbara Hershey (Erica Sayers), Winona Ryder (Beth MacIntyre) u.v.a.; FSK ab 16 Jahre


Black Swan

Psychothriller aus der Welt des Balletts

Der Film „Black Swan“ wurde zur Eröffnung der 67. Filmfestspiele in Venedig am 1. September 2010 uraufgeführt. Er erhielt vier Nominierungen für einen Golden Globe, Natalie Portman gewann die Auszeichnung für ihre Darstellung der Nina Sayers als Beste Hauptdarstellerin – Drama. „Black Swan“ ist in insgesamt fünf Kategorien für einen Oscar (eigentlich Academy Award of Merit) nominiert, im einzelnen als Bester Film, Natalie Portman ist in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin nominiert, Darren Aronofsky in der Kategorie Beste Regie, Matthew Libatique in der Kategorie Beste Kamera, und Andrew Weisblum in der Kategorie Bester Schnitt. Die Verleihung wird am 27. Februar 2011 im Kodak-Theatre in Hollywood stattfinden. „Black Swan“ spielte in den USA bis 24. Januar 2011 lt. Box Office Mojo knapp 84 Millionen US-$ ein. Seit dem 20. Januar 2011 ist der von deutschen Filmkritikern überwiegend positiv beurteilte Film auch in unseren Kinos zu sehen.

Zum Inhalt:
Nachdem sich der Ballettdirektor Thomas Leroy (Vincent Cassel) seiner bisherigen Primaballerina Beth MacIntyre (Winona Ryder) „entledigt“ hat, bekommt die junge, aufstrebende Balletttänzerin Nina Sayers (Natalie Portman) die Chance ihres Lebens. Sie soll in „Schwanensee“, einem der berühmtesten Ballette zur Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, die Doppelrolle der Prinzessin Odette, die vom Zauberer Rotbart in einen Schwan verwandelt worden ist, und Odettes verführerischem, negativen Ebenbild Odile tanzen. Der Ballettdirektor hält Nina für die Darstellung des unschuldigen weißen Schwans für die perfekte Besetzung, aber für die Darstellung des verführerischen schwarzen Schwans fehle es ihr an Leidenschaft und Sinnlichkeit. Nina wird von ihrer alleinerziehenden Mutter Erica (Barbara Hershey) zur Perfektion erzogen. Erica war selbst ebenfalls Tänzerin, musste aber ihren Beruf aufgeben, nachdem sie sich mit dem Choreografen eingelassen und mit Nina schwanger wurde. Nina entwickelt Halluzinationen und die paranoide Vorstellung, die Newcomerin Lily (Mila Kunis) wolle ihr die Hauptrolle in „Schwanensee“ wegnehmen. Lily ist in jeder Hinsicht das genaue Gegenteil von Nina, sie probiert alles aus, geht auf Parties, hat Sex und nimmt Drogen. Als Lily eines Abends mit Nina ausgeht, gibt sie ihr ebenfalls Drogen, und beide haben im weiteren Verlauf des Abends Sex miteinander. Als Nina am nächsten Morgen allein aufwacht und Lily bei den Proben zur Rede stellt, weiß diese von nichts. Die Grenzen zwischen Realität und Ninas Wahnvorstellungen verschwimmen zusehends. Am Abend vor der Premiere bildet sie sich ein, dass die Bilder ihrer Mutter mit ihr reden. Sie zieht eine schwarze Feder aus der Wunde an ihrer Schulter, woraufhin sich ihre Augen rot verfärben und sich ihre Beine in die Extremitäten eines Schwans verwandeln. Sie kann das Gleichgewicht nicht mehr halten, schlägt mit dem Kopf auf und wird ohnmächtig. Nachdem Nina am Tag der Premiere ihre Mutter gewaltsam zwingen muss, sie aus dem Haus zu lassen, hat Thomas Leroy bereits Lily gebeten, die Rolle der Schwanenkönigin zu tanzen, doch Nina kann Thomas überzeugen, dass sie selbst die „Schwanensee“-Premiere tanzen kann. In der Pause findet sie jedoch Lily im Kostüm des schwarzen Schwans in ihrer Garderobe. Es kommt zum Streit, in dessen Verlauf sie Lily mit einer Scherbe des zerbrochenen Spiegels tötet. Nina tanzt einem furiosen dritten Akt und verwandelt sich dabei – in ihrer Phantasie – in einen schwarzen Schwan. Bei Ninas Vorbereitungen zum vierten Akt taucht Lily jedoch wieder auf und gratuliert ihr zu ihrer Leistung. Lilys Tod ist offensichtlich nur eine Halluzination gewesen, jedoch hat sich Nina an dem zerbrochenen Spiegel selbst verletzt und blutet. Trotzdem tanzt sie den vierten Akt als weißer Schwan perfekt, erliegt aber am Ende ihrer Verletzung, ihre letzten Worte noch während des Schlussapplauses sind „Es war perfekt“.

Der Film spielt im Umfeld des Lincoln Center for the Performing Arts in New York City, wo das Ballett „Schwanensee“ zur Aufführung kommen soll. So kann leicht der Eindruck entstehen, der Film gebe reale Einblicke in die Welt des Balletts. Der Film bedient aber so ziemlich jedes Klischee, welches einem zum Thema Ballett in den Sinn kommt. Daher tut man gut daran, das Ballett lediglich als Umfeld für das Portrait einer jungen Frau im Zustand seelisch-geistiger Zerrüttung zu sehen. In der Realität kann es tatsächlich nach extremer oder übermäßiger, anhaltender Belastung zu Persönlichkeitsstörungen kommen. Leider zeigt der Film dann auch nur wenige Szenen aus „Schwanensee“ mit dem Pennsylvania Ballet (Choreografie: Benjamin Millepied). Spätestens bei der „Schwanensee“-Premiere sollte auch dem unbedarftesten Zuschauer klar sein, dass niemand schwer verletzt den dritten und vierten Akt des Balletts tanzen kann. Wem „Schwanensee“ vertraut ist, für den ist zumindest der Ausgang der Geschichte vorhersehbar, schließlich orientiert sich die Handlung von „Black Swan“ ein Stück weit an dem Ballett, und Nina Sayers versucht, zur perfekten Schwanenkönigin zu werden. Die meisten Szenen des Films wurden mit einer Handkamera gedreht, die sich ständig in Bewegung befindet, die Tänzer umkreist und in Nahaufnahmen die Kunst ihrer Bewegungen einzufangen versucht. Mir erscheinen dadurch einige Einstellungen unruhig, beinahe „verwackelt“.

Regisseur Darren Aronofsky hatte Natalie Portman (* 9. Juni 1981 in Jerusalem) bereits zehn Jahre vor Fertigstellung des Drehbuchs zu „Black Swan“ kontaktiert, um mit ihr über das Projekt zu sprechen. In ihr hatte er seine Besetzung der Hauptrolle der ehrgeizigen Ballerina Nina Sayers gefunden. Natalie Portman begann – aufbauend auf ihrer Tanzausbildung in der Jugendzeit – 10 Monate vor den Dreharbeiten wieder mit dem Tanztraining. Sie ist in nahezu jeder Einstellung des Films zu sehen, und liefert eine beeindruckende Vorstellung ab.

„Black Swan“ ist kein Tanzfilm. Wer einen Tanzfilm aus der Welt des Balletts schauen möchte, der sollte sich „Pina“ von Wim Wenders vormerken, der am 21. Februar 2011 seine Deutschland-Premiere in der Lichtburg feiern wird.


Montag, 28. Februar 2011

„And the Oscar goes to …“

In der vergangenen Nacht sind die Academy Awards of Merit im Kodak-Theatre in Hollywood verliehen worden, und erwartungsgemäß hat Natalie Portman den Oscar in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin gewonnen. Den Oscar in der Kategorie Bester Film hat „The King´s Speech“ gewonnen, in der Kategorie Beste Regie Tom Hooper für „The King´s Speech“, in der Kategorie Beste Kamera Wally Pfister für „Inception“, und in der Kategorie Bester Schnitt Angus Wall und Kirk Baxter für „The Social Network“.

Samstag, 22. Januar 2011

„Lichtspiele“ auf Schloss Hohenlimburg

Illumination „1001 Nacht“

Zum zweiten Mal finden in diesem Jahr die „Lichtspiele“ auf Schloss Hohenlimburg statt, einer Höhenburg im Hagener Stadtteil Hohenlimburg. Die Burg wurde um 1240 von Graf Dietrich von Isenberg-Limburg erbaut, die Fürsten von Bentheim-Tecklenburg bauten sie im 18. Jahrhundert zum Residenzschloss aus. Heute wird im Schlossmuseum die Geschichte der Grafen und Fürsten von Bentheim-Tecklenburg gezeigt, und im Kaltwalzmuseum kann man die Entwicklung der Kaltwalzindustrie verfolgen, die auf die Drahtzieher in den Hohenlimburger Tälern zurückgeht. Daneben kann auf Schloss Hohenlimburg im Fürstensaal auch geheiratet werden, und das Schlossrestaurant bietet im ehemaligen Wirtschaftsgebäude deutsche Küche in gehobenem Ambiente.

Schloss Hohenlimburg

Vom 21. Januar bis 6. Februar soll sich die Burganlage für 17 Abende in eine Märchenwelt aus Tausendundeiner Nacht verwandeln. Das Konzept stammt von Wolfgang Flammersfeld (F&H Kultur & Entertainment GmbH, Unna). Ein großer Teil der Illuminationen basiert auf energiesparender, langlebiger LED-Technik, die die Darstellung sämtlicher Mischfarben und auch Farbwechsel erlaubt. Mehr als 9.000 Besucher sollen die „Lichtspiele“ im vergangenen Jahr besucht haben. Ob das Ganze nun Kunst ist oder lediglich Geld in die Kassen des Veranstalters spülen soll, möge jeder für sich selbst entscheiden. Jedenfalls werden die Besucher „angezogen wie die Motten vom Licht“. Am ersten Abend waren es immerhin 354 zahlende Gäste – oder sollte man lieber sagen „nur“ 354 zahlende Gäste, denn ich bin mir sicher, dass man auf mehr Besucher gehofft hatte.

„Lichtspiele“

Die Nutzung des Parkplatzes unmittelbar am Schloss ist während der „Lichtspiele“ an den Wochenenden (freitags bis sonntags) nicht erwünscht, aber der Aufstieg zu der oberhalb des Hagener Ortsteils Hohenlimburg gelegenen Schlossanlage ist nicht so beschwerlich, dass man gezwungen wäre, den vom Bahnhof Hohenlimburg zum Schloss verkehrenden Pendelbus zu nutzen.

Blick über den barocken Höhengarten auf Hagen-Hohenlimburg

Leider durfte man den Burghof am ersten Abend der „Lichtspiele“ um 17.00 Uhr noch nicht betreten, offizieller Veranstaltungsbeginn war erst um 18.00 Uhr. Am 21. Januar ging aber – rechnerisch – um 17.00 Uhr bereits die Sonne unter, so dass es um 18.00 Uhr längst stockfinster war. Warum die „Lichtspiele“ zur blauen Stunde nicht zugänglich sind, wird mir allerdings ein Rätsel bleiben.

„Mikado“ im barocken Höhengarten

Das Wetter bildete an diesem Abend den krassen Gegensatz zu den warmen Farben (Bunttöne aus dem Bereich des Roten bis Gelben) der Illumination, die Temperaturen lagen um den Gefrierpunkt, und obendrein machten die Schneefälle das Verweilen im Freien nicht unbedingt zum Vergnügen. Es erinnerte eher an das Thema der letztjährigen Illumination, nämlich „Eispalast“. In einem Kellergewölbe unter dem Fürstensaal im Neuen Palas konnte man sich Märchen aus Tausendundeiner Nacht vorlesen lassen und dabei ein wenig aufwärmen, im barocken Höhengarten ist auch ein Zelt aufgebaut, in dem für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt wird.

Barocker Höhengarten, Schloss Hohenlimburg

Mit 4,50 € Eintritt sind die „Lichtspiele“ auf Schloss Hohenlimburg im Vergleich zum „Herbstleuchten“ im Maximilianpark Hamm oder dem „Winterleuchten“ im Westfalenpark Dortmund relativ teuer, zumal die Räume der Burganlage (Schlossmuseum mit der „Schwarzen Hand“ und Kaltwalzmuseum) und der Wehrgang in den Abendstunden nicht zugänglich waren. Mein persönlicher Eindruck: Viel Licht in der dunklen Jahreszeit, aber auch Schatten. Um es mit einem Zitat aus „Götz von Berlichingen“ von Johann Wolfgang von Goethe auszudrücken: „Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.“

Barocker Höhengarten


Unteres Torhaus (so genanntes „Nassauer Schlösschen“)


Blick aus dem inneren Torhaus in das untere Torhaus


Im Torgebäude


Neuer Palas, Wehrgang, ehemaliges Küchen- und Kastellanhaus


Alter Palas


Treppengeländer am neuen Palas


Bergfried und Fachwerk-Erker


Bergfried, Fachwerk-Erker und inneres Torhaus


Fenster zum Fürstensaal


Brunnen und neuer Palas


„Lichtspiele“


Brunnen mit schmiedeeisernem Aufsatz, ehemaliges Küchen- und Kastellanhaus


Fachwerkanbau am neuen Palas


Mauerturm am Wehrgang


Blick in das Kaltwalzmuseum


Mauerturm am Wehrgang


Mauerturm am Wehrgang


Bergfried, Fachwerk-Erker, inneres Torhaus und neuer Palas


Brunnen mit schmiedeeisernem Aufsatz und Bergfried


„Lichtspiele“


„Lichtspiele“


„Lichtspiele“


Schloss Hohenlimburg


„Lichtspiele“


„Lichtspiele“


Wagenremise


Kanonen in der Remise


Wagenremise


Schloss Hohenlimburg

Sonntag, 16. Januar 2011

„Slinky springs to fame“

Tobias Rehbergers Brückenskulptur über den Rhein-Herne-Kanal am Schloss Oberhausen

Im Bau befindliche Fußgänger- und Fahrradbrücke über dem Rhein-Herne-Kanal, im Hintergrund die Sterkrader-Straße-Brücke bei RHK km 8,86

Acht Wochen sind seit der EMSCHERKUNST.2010-Veranstaltung „Künstler vor Ort – Rundgang mit Künstlern und Kurator“ an der im Bau befindlichen Fußgänger- und Fahrradbrücke „Slinky springs to fame“ vergangen. Leider gibt es dort keine Webcam wie bei der Küppersmühle in Duisburg oder am NT2 in Gelsenkirchen, mit der man den Baufortschritt verfolgen könnte. Zwischenzeitlich kann man nämlich tatsächlich von einer Brücke über den Rhein-Herne-Kanal sprechen, denn auf den Spannbändern wurden die Betonplatten montiert, die die Lauffläche der Brücke bilden werden.

Brückenrampe an der Südseite des Rhein-Herne-Kanals

Nun müssen noch die Anschlüsse der Brückenrampen an die Spannbandkonstruktion erfolgen, dann ist die Brücke tatsächlich auf der gesamten Länge von 406 Metern begehbar. An der Brückenrampe an der Südseite des Rhein-Herne-Kanals wurde ebenfalls begonnen, die Windungen der an die Metallschraubenfeder Slinky® angelehnten Spirale zu montieren. Bis zur kompletten Montage aller 460 Windungen der aus Aluminum gefertigten Spirale – auch über dem Rhein-Herne-Kanal – dürfte es wohl noch einige Zeit dauern.

Brückenrampe an der Südseite des Rhein-Herne-Kanals

Die weithin sichtbare „Kulturtonne“ in unmittelbarer Nähe ist augenblicklich wegen Umbauarbeiten komplett geschlossen, „Gasometer pur“ wird es also nicht geben. Vom 8. April bis 30. Dezember 2011 wird im Gasometer die Ausstellung „Magische Orte“ gezeigt, die die großartigsten und bewegendsten Kultstätten der Natur- und Menschheitsentwicklung zum Thema haben wird.

Gasometer Oberhausen


Mittwoch, 9. Februar 2011

Update

Auch wenn der Winter noch nicht vorbei ist, so lassen die milden Temperaturen inzwischen doch wieder Bauarbeiten zu, und so wird auch an der Fertigstellung der Brückenskulptur über den Rhein-Herne-Kanal am Schloss Oberhausen weitergearbeitet.

Brückenrampe an der Südseite des Rhein-Herne-Kanals

Auf den ersten Blick ist sofort zu erkennen, dass inzwischen etliche Windungen der an die Metallschraubenfeder Slinky® angelehnten Spirale an der Brückenrampe an der Südseite des Rhein-Herne-Kanals montiert wurden. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass auch die Anschlüsse der Brückenrampen an die Spannbandkonstruktion erfolgt sind. Augenblicklich sind die Maler mit dem Anstrich der Unterseite der Betonrampen an den Anschlussstellen beschäftigt.

Brückenrampe an der Südseite des Rhein-Herne-Kanals


Samstag, 5. März 2011

Inzwischen hat der Frühling Einzug gehalten, zumindest aus meteorologischer Sicht, aber wie in der Natur bisher lediglich Schneeglöckchen und Krokusse zu sehen sind, so lässt der Baufortschritt der vergangenen vier Wochen eine Fertigstellung der Brückenskulptur noch in weiter Zukunft erscheinen.

Im Bau befindliche Fußgänger- und Fahrradbrücke über dem Rhein-Herne-Kanal

An der Spannbandkonstruktion werden mittlerweile die Vorbereitungen zur Montage der an die Metallschraubenfeder Slinky® angelehnten Spirale getroffen.

Vorbereitungen zur Montage der Spirale an der Spannbandkonstruktion


Brückenrampe an der Südseite des Rhein-Herne-Kanals

Inzwischen sind die Windungen der Spirale an der Brückenrampe an der Südseite des Rhein-Herne-Kanals komplett montiert, an der Nordseite des Kanals hat sich an der Spirale jedoch seit der EMSCHERKUNST.2010-Veranstaltung „Künstler vor Ort – Rundgang mit Künstlern und Kurator“ im November 2010 nichts mehr verändert.

Brückenrampe an der Südseite des Rhein-Herne-Kanals


Dienstag, 22. März 2011

Baufortschritt am Nordufer des Rhein-Herne-Kanals

Just another little update: Inzwischen wurde mit der Montage der an die Metallschraubenfeder Slinky® angelehnten Spirale an der Spannbandkonstruktion über dem Rhein-Herne-Kanal begonnen. An dem beweglichen Montagegerüst befindet sich sogar ein Rettungsring, falls doch mal jemand unfreiwillig „baden“ geht.

Montage der Spirale an der Spannbandkonstruktion